Dienstag, 10. Oktober 2017

Roaring Beach 1

TEIL 1

Gestern haben H. und ich meinen Umzug gemacht nach Roaring Beach, d.h. wir haben meine beiden tonnenschweren Koffer rübergebracht. Ich bin gefahren... es war hart. Der Linksverkehr, die fremde Stadt; lauter Kreisverkehre, die sich in die falsche Richtung drehten - "Nach RECHTS! Nach RECHTS!" rief mein Bruder allenthalben und schwitzte mindestens so wie ich. Dann wurde die Straße immer schmaler und schließlich war sie nur noch ein Schotterweg. Die Landschaft ist sehr hügelig, mit vielen Kurven, total schön, wenn man nicht grade am Steuer eines Autos sitzt, das sich RECHTS im Auto befindet und LINKS sitzt der große Bruder, der einem dauernd darüber informiert, dass man mit den linken Rädern quasi schon im Straßengraben fährt. Zum Glück ist auf der Halbinsel wenig Verkehr. Mein Auto fährt aber super, ich mag es gern.
Wir kamen am frühen Nachmittag an und ich sah das Haus zum ersten Mal von innen. Unten ist eine Wohnküche (das Sofa fehlt noch, das holt D. am Freitag ab) mit Gaskocher und wunderbarem Holzofen. Der Ofen erzeugt das heiße Wasser, er muss also brennen. Dann gibt es eine Vorratskammer mit Kühlschrank und genug Platz für Vorräte, schön kühl, nach Norden hin. Und daneben das Bad mit altmodischer Badewanne.

Rechts kommt das Sofa hin. Hinten das Bad.
Eingang, Esstisch.
Meine Bücher.
Meine Zahnbürste.
Goldene Wasserhähne.
Eine Holztreppe führt ins obere Zimmer, wo D. alles neu gemacht hatte. Dort steht das Bett, es gibt ein tiefes Wanddregal und es ist noch Platz für eine Meditations-Sitzsack-Lese-Ecke.


Vor dem Haus ist eine schöne breite Veranda.


Es ist wunderbar, ich fühle mich total wohl dort. Es gibt dann noch einen Holz- und Geräteschuppen, wo zur Zeit eine Oppossum-Mutter mit ihrem Kind lebt. Dann das tolle, nagelneue Klohäuschen mit automatischem Licht und kleiner Holzterrasse. Schließlich noch eine kleine Werkstatt, wo auch die Waschmaschine (!) steht und der Outsleeper, wo drei, vier Leute schlafen können, mit Solardusche.
Nachdem ich meine Sachen untergebracht und H. erste Handwerkerarbeiten erledigt hatte, gingen wir rüber zu S., meinem Nachbarn. Auf dem Weg dorthin hatten unsere Handys Empfang. S. ist housbuilder und Allround-Handwerker und hat sich ein wunderbares rundes Haus aus gebaut. Er hat zwei staatliche Hühner und einen prächtigen Gemüsegarten, von dem er sich ernährt. Wir luden ihn zum Grillen ein, denn unterwegs hatten wir an einem ländlichen Supermarkt angehalten und einkaufen geübt.
H. und ich gingen dann noch rüber zum Meer, es sind ca. 800 Meter, dann standen wir auf den Klippe und sahen und hörten die Wellen vom Roaring Beach dröhnen, das Meer lag im Abendlicht, aus den Wäldern dunstete leichter Nebel, die Möwen kreischten, es roch nach Salzwasser. Kein Mensch weit und breit. Unterwegs sahen wir einen Wombat, der schnell davonrannte, als wir näherkamen. Knuffig sind diese Viecher und ca. so groß wie ein Dachs, nur dicker.

Bild aus dem Internet.
Als wir zurück waren, machte Horst das Feuer draußen an und ich machte Salat.
S. kam, aber es wurde zu windig, um draußen zu sitzen, wir gingen rein. S. ist ein total angenehmer, klarer Typ, freundlich und ruhig. Sein Vater ist in Hobart im Altersheim und leidet an Alzheimer. Außerdem hat er einen Herzschrittmacher, von dem jetzt die Batterie erneuert werden müsste. Das lässt er nun nicht mehr machen, damit er sterben kann. Das ist ein seltsames Gefühl, sagte S., dass man sich so für das Sterben entscheidet, aber er versteht es. Sein Vater schreibt Gedichte, d.h. spricht sie auf Band und seine Schwester will versuchen, die noch als Buch rauszubringen, bevor er stirbt.
Am nächsten Tag baute H. stundenlang am Haus herum, während ich es langsam angehen ließ.

Erste philosophische Überlegungen: To be or ...
 Ich machte einen Gang hoch auf dem Berg.

H. bei der Arbeit.
Von links: Werkstatt, Hausseite Nord, Outsleeper.
Eukalyptusbäume.
Du, mein stilles Tal...
Wald ohne Unterholz.

Roaring Beach vom Berg aus.


FORTSETZUNG auf Seite 2

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