Ich war heute mit S. zum morning tea verabredet, um 10 Uhr. Normalerweise gehe ich einfach so hin, das war das erste Mal, dass wir eine Zeit ausgemacht haben, und er hatte 10 Uhr vorgeschlagen. Das war blöd, weil ich eigentlich um die Zeit lese und er im Garten arbeitet. Aber gut, er kam vom Garten hochgerannt und ich hatte meine Bücher weggelegt, wir saßen auf der Terrasse und tranken Tee.
Gestern hatten wir ja lange über Insektenstiche geredet und er hatte erzählt, dass er einmal eine Zecke am Bauch gehabt hat, die eine lange und schmerzhafte Wundzeit hinterlassen hatte. Und dann entdeckte er doch tatsächlich gestern nach diesem Gespräch wieder eine Zecke! Das zweite Mal in seinem Leben! Und ausgerechnet zwischen den Schulterblättern. Er konstruierte sich mit einer hellen Lampe einen Spiegel im Küchenfenster und begann, mit einem langen Kochlöffel zu versuchen, diese Zecke zu entfernen. Es war ein furchtbarer Kampf, mit vielen akrobatischen Verrenkungen, er demonstrierte mir das kurz. Erst als er sie komplett mit Eukalyptusöl überschwemmt hatte, gab sie auf. Und diesmal ohne Wunde und Vergiftung.
Er erzählte dann, dass er kürzlich das erste Mal schwimmen war, er geht praktisch nie zum Strand. Er traf dort K., die ich von der Party Weihnachten kannte und die mich zum Kaffee eingeladen hatte, was ich immer noch nicht gewagt habe. Sie nahm ihn mit zum anderen Ende vom Strand, wo sie sich zu einem 'girls-meeting' mit drei anderen Frauen traf, die auch hier wohnen und er – nachdem er sichergestellt hatte, dass alle bekleidet waren - verbrachte eine nette Zeit mit den Girls. Ich war total neidisch: das fehlt mir hier, so ein 'girls-meeting'. Vielleicht besuche ich K. jetzt doch bald mal.
Jedenfalls bin ich am Nachmittag – nachdem ich ZWEI Stunden geschlafen hatte! - auch zu dieser Stelle vom Strand gegangen. Es war zwar niemand da, aber es war sehr schön dort in den Felsen. Ich setzte mich an eines der Becken, die das Wasser dort ausgehöhlt hatte, steckte die Beine rein und dachte mir nichts, als plötzlich das Meer kam und mich bis zum Bauchnabel überschwemmte. Als das Wasser zurückflutete merkte ich, was für ein ungeheurer Sog das war, ich muss mich richtig festhalten, um nicht weggezogen zu werden. Kräfte sind das – unheimlich.
Ich kletterte dann über die warmen Felsen und Steine weiter das Ufer lang – das macht großen Spaß. Man kann von einem Fels zum anderen schreiten oder springen, sie sind nicht scharfkantig oder wackelig.
Und ich feierte mit meiner neuen Kamera eine Foto-Orgie mit Wellenbildern.
Als ich ging sah ich, dass der Vogel wieder auf dem Felsen saß und die Flügel ausbreitete.
Zurück im Tal fand ich S. im Garten, wo er in der Dämmerung Aprikosen pflückte und über seinen nutzlos verbaselten Tag klagte. Er hatte nichts Gescheites mehr geschafft, nach unserem morning tea.
Der Garten ist voll mit reifen Obst und Gemüse, mit abgeernteten und verdorrten Pflanzen und mit ganz frisch ausgesähten - es ist ein kleiner Kosmos, ich kann mich ewig umschauen, wenn ich dort bin und entdecke immer wieder was Neues. S. zieht die Samen alle selbst oder bekommt sie von Freunden. Er experimentiert viel, kennt sich aber auch sehr gut aus. Die Gartenarbeit ist seine Meditation, da ist er stundenlang ganz konzentriert auf das, was er tut, ohne an etwas anderes zu denken.




























