Dienstag, 3. Oktober 2017

Abflug

 

Ich habe mich grade mal genauer mit meinen Flugdaten befasst. So ist der Plan:
  • Abflug in München am Dienstag, 3.10.2017 um 18:45 Uhr, Ankunft London 19:50 Uhr - das klingt nach einer Stunde, sind aber 2:05 Stunden Flugzeit. Das hängt ganz sicher mit dem Brexit zusammen.
  • Abflug in London am selben Dienstag um 21:35 Uhr - seltsamerweise am selben Terminal wie die Ankunft. Ob das stimmen kann? Das letzte Mal musste ich eine sehr lange Busreise durch den nächtlichen Flughafen machen, um zum richtigen Terminal zu kommen.
  • Ankunft in Sydney am Donnerstag, 5.10. um 6:10 Uhr - und da geht das dann richtig los mit dem Zeiten-Chaos. Die Flugdauer beträgt 22:35 Stunden, d.h. ich sollte also am Mittwoch um 19:35 Uhr ankommen. Ah, wir tanken in Singapore, das hält uns sicher drei, vier Stunden auf. Trotzdem: es fehlen die Stunden an allen Ecken und Enden, denn Australien ist uns 8 Stunden voraus. 
  • Abflug in Sydney um 9:25 Uhr - und ich muss dort mein Gepäck transportieren! Weil es durch den Zoll muss. Und zum anderen Terminal geht ein Bus... ich muss umdisponieren mit dem Handgepäck. Radikal reduzieren. 
  • Ankunft in Hobart am Donnerstag, 5.10. um 11:25 Uhr - wenn es so kommen sollte. Und alles klappen sollte. 

M. sagte, als ich von meiner Reise-Organisation erzählte: "Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann plane." Jüdische Weisheit.
*
British Airways meldet per Mail, dass meine Flüge starten werden, was ja heutzutage nicht selbstverständlich ist, bei all den Konkursen. Ich habe online eingecheckt, obwohl ich - in meiner Reiseklasse - wahrscheinlich keine Schlangen zu erwarten habe. Jedenfalls schreibt mein Bruder:
Mir ist noch eingefallen, da du erste Klasse fliegst brauchst du nicht wie wir Prolos in langen Schlangen anstehen, die hast deinen eigenen Checkin wo sie wahrscheinlich deine Fuesse massieren beim checkin. Dann musst du nicht mit den schreienden Kindern sitzen und warten, du darfst in die First class lounge wo sie wahrscheinlich deine Fuesse massieren waehrend du champagner schluerfst und mit Tom Cruise redest.
Ich frage mich, wie gut Tom Cruises Deutsch ist. Ich bin jedenfalls heilfroh, wenn ich endlich im Flugzeug nach Sydney sitze und schlafen kann. Oder mich sonstwie amüsiere.


15.41 Uhr - Der erste Zwischenbericht
K. und R. kamen pünktlich und R. trug ganz allein einen der schweren Koffer runter! Allein das war schon der Höhepunkt des heutigen Tages. Ein HELD! Ich wurde von einem Helden zum Flughafen gefahren! 
R. erzählte unterwegs, dass er beim Deutschen Museum eine Stelle hat zur Erforschung der Geschichte der Digitalisierung. Das ist ja total spannend. Er stellt sich darauf ein, zum gefragtesten Vortragenden seiner Generation zu werden. Hat in der Branche sonst ja lauter junge Leute um sich. Er wurde kürzlich in N.Y. von einem Journalisten interviewt, der ihn dann in einem Artikel für die New York Times zitierte! Die weltweite Anerkennung des Helden nimmt Fahrt auf. Er versprach feierlich, nach Australien zu kommen und dort einen Vortrag zu halten. Helden halten ihre Versprechen, das ist mal klar. K. hielt sich bedeckt in Sachen Australien.
Alles lief gut auf den Straßen, wir kamen an und die beiden brachten mich rein und zum Gepäckschalter. "Wow!" rief die Gepäckfrau. "Sie haben einen LANGEN Flug!" 
Sie beanstandete nichts am Gewicht meiner Monsterkoffer und klärte mich sichtlich bekümmert darüber auf, dass ich in Sydney das Gepäck würde neu einchecken müssen.
Dann brachten die beiden mich zum Gate. Es erfolgte eine feierliche Übergabe von wunderbaren Geschenken: Weihnachts-Deko (mein LIEBLINGSENGEL!) und Buch (noch nicht ausgepackt, aber da es von K. ist habe ich HOHE Erwartungen) und eine Shopping-Barbiepuppe, die sie unterwegs gefunden hatten. Ich konnte die nicht unterbringen und R. schenkte sie kurzerhand einem vorbeilaufenden Jungen, der außer sich vor Freude war. Seine Mutter eher nicht so, glaube ich.
Dann ging es weiter, in die Tiefen des Flughafens. Ich stand vor einer Sperre: "Ganz einfach", sagte der Held, "du legst den Boardingpass auf dieses Ding, dann leuchtet ein grünes Licht und die Tür öffnet sich."
Ich tat, wie geheißen, die beiden winkten mir schon hoffnungsfroh zu, da ertönte ein hässliches Signal und ein rotes Licht leuchtete. Nicht grün, rot. Ich probierte es so oft, bis ein Alarm ausgelöst wurde. Da verlor der Passsagier in der Schlange, die sich hinter mir gebildet hatte, die Nerven, riss mir den Boardingpass aus der Hand, schaute und sagte: "Falsches Gate!"
Beschämt drängte ich mich durch die Schlange zurück. "Klar", sagte R., "wir müssen zu Gate B."
Ein zweiter Anlauf. Gate B hieß: eine Riesenschlange, Menschenmassen ohne Ende. Aber nun griff die Business-Class, es gab einen Extra-Eingang ohne Licht und Alarm und alles. Ich zeigte meine Papiere vor und kam sofort zum Schalter durch. Die Deutschen ließen mich raus, die Sicherheitskontrolle danach war mühsam, aber ich überstand sie.
Ich fand mich ziemlich derangiert in dem Wartebereich der normalen Menschen wieder und brachte mich erstmal in Ordnung. Vor der Cafeteria standen ungefähr 50 Leute an, ABER... Business-Class. Ich fand nach langer Wanderung die Lounge für unsereins: fette Ledersessel, Notebooks zu freien Verfügung, Essen und Getränke umsonst, keine Schlangen. Es ist im Grunde ziemlich hässlich hier, wenn ich ehrlich bin, aber ich habe mir einen Latte gezogen, Kekse dazu und bin nun erstmal in Sicherheit. 


Die Lounge hat sich total geleert, wir sind nur noch zu Viert hier.  Ich will mir ein Wasser holen und entdecke eine Bar mit lauter alkoholischen Getränken, die teilweise in so schrägen Halterungen gelagert werden, weil sie zu vornehm sind, um zu stehen. Alles umsonst! Meine Güte. Die Zeit wird mir nicht lang werden. Eine Eistruhe mit Mousse au Chocolat. Sogar einen Kopierer gibt es für uns.
Die Empfangsdame läuft plötzlich herum und mustert uns alle konzentiert. Schließlich greift sie sich einen Passagier heraus und sagt, er müsse los! Er wunderte sich, es sei doch noch Zeit. "Nein!" rief sie. Wahrscheinlich müsse er noch mit dem Bus irgendwo hin. Erschrocken sprang er auf und machte sich auf den Weg. Sie kümmern sich um uns!

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