Mittwoch, 4. Oktober 2017

Da

Ich bin da. Ich kapituliere vor dem Wirrwarr der Uhrzeiten und nehme von nun an die australische Zeit an: 7:33 Uhr am 5.10.2017. Mein Notebook bleibt deutsch und sagt: 4.10.2017, 22.33 Uhr.
Mann! Ich hatte einen Stress unterwegs. Mann! Damit habe ich nicht gerechnet!

Erstmal der Security-Check in München: ich wurde sofort unter schweren Terrorverdacht gestellt. Erst ganz am Ende meiner Flüge begriff ich, wieso die Geräte mich so penetrant rauspiepsen aus dem Strom der unschuldig Reisenden: es ist meine schöne, bunte Metallkette. Aber gut, ich wurde von oben bis unten abgetastet und beleuchtet. Alle starrten mich an. Den Gürtel ablegen, die Schuhe ausziehen - so ging das die ganze Zeit weiter. Ich glaube, es gibt nicht ein einziges Teil in meinem Handgepäck, dass nicht irgendjemand betastet und begutachtet hat, am Ende dieser Flüge.
Der Flug nach London war unspektakulär, das war noch nicht richtig  business, in dem kleinen Flugzeug. Immerhin reichte man uns einen heißen Waschlappen, dann eine kleine, sehr leckere Mahlzeit: geröstete Panini mit Tomaten, serviert in Porzellan, mit Stoffserviette und richtigem Besteck.
London selbst überforderte mich total. Ich konnnte zwar problemlos ankommen, aber ich hatte keine Ahnung, wo ich dann hin musste. Die Anzeigetafel blieb vage: Area B. Zum Glück stehen überall nette Leute und geben Auskunft.


Ich geriet in einen Sicherheitscheck der besonderen Art: vor mir eine afrikanische Familie, die Mutter hatte zwei kleine Kinder an ihrem Leib festgebunden, der Vater trug eine riesige Tasche bis oben hin voll mit Flüssigkeiten: Babyflaschen, Thermoskannen, etc. etc., die Dame am Check war total geschockt und rief die Managerin an. Allmählich stauten sich die Leute. Ich kam irgendwann dran, legte meinen Kram in die Kästen, aber natürlich wurde mein Koffer rausgewunken. Irgendwas stimmte nicht. Die genervte Checkerin durchwühlte alles und sortierte raus, was in München nicht beanstandet worden war: Cremes, Deostift, Nasentropfen. Also gut.

Dann die Lounge - leider weigerte sich mein Notebook, mich ins Internet zu lassen: zu unsicher. Ich stürzte also nur schnell ein Wasser runter, dann musste ich schon wieder weiter. Diesmal in ein richtiges Flugzeug, wenn auch nicht so richtig riesig groß. Aber ich hatte mein kleines Abteil für mich allein: ein wunderbarer Sessel, den ich mit einem Knopf stufenlos ausfahren konnte zu einem Bett. Eine kleine Schublade, die ich vollpackte mit meinem Unterwegskram. Ein Kissen für die Lendenwirbelsäule. Einen ausklappbaren Monitor.
London von oben war spektakulär:



Man konnte sehen, dass die Autos auf der falschen Seite fuhren.

Es klingt vielleicht blöd, da ewig drauf herumzureiten, aber das Essen war sensationell. Besser als das Meiste, was ich unten am Boden je gegessen habe.



Ich schaute dreimal denselben Film mit Richard Gere (The Diner), eine schöner Problemfilm. Das größte Problem war, dass er auf Englisch war. Beim dritten Mal ahnte ich, worum es geht. Mein Englisch kann ich vergessen. Es ist weg. Ich hoffe, es kommt wieder, wenn ich mich erholt habe.
Die Nacht war okay. Ich schlief mit Unterbrechungen, wachte einigermaßen munter auf. Keine Probleme mit den Füßen oder dem Rücken - es war total bequem.


Es war schön, rauszuschauen. Leider hatte ich meine Kamera weggepackt als wir runtersanken in Singapur: es gab ein spektakuläres Sonnenspektakel. Ich wusste nicht, ob sie auf- oder unterging, aber es war wunderbar.

Dann aber die nächste Katastrophe. Ich packte mir ein paar Sachen zusammen, aber wir hatten nur eine knappe Stunde Aufenthalt in Singapur. Ich irrte umher, fand die Lounge nicht, checkte an einem öffentlichen Notebook meine Mails und ging dann wieder zurück. Da war SCHON WIEDER ein Sicherheitscheck! Nur um zurück ins Flugzeug zu steigen. Wieder musste ich mich halb ausziehen und man warf die beiden Wasserflaschen weg, die ich gekauft hatte. Zum Glück war ich früh dran, ich wanderte auf und ab und betrachtete das Beladen unseres Flugzeugs. Unseres Flugzeugs? Das war nicht unser Flugzeug! Verdammt! Das sah ich nach ca. zwanzig Minuten und ich ahnte Furchtbares. Ich stürzte zum Eincheckdesk und fragte, ob das Flugzeug etwas gewechselt würde.
"SIE sind das!" rief die Dame erleichtert. Ja, es gab ein neues Flugzeug und man hatte meinen ganzen Kram aus der Schublade und dem Fach oben rausgeholt und ein Mann brachte mich nach hinten, wo es in einem Gang lag und mehrere Leute standen kopfschüttelnd dabei und ich musste unterschreiben, dass das meine Sachen sind. Da wusste ich noch nicht, dass die Socken fehlten und alles, was man in London aussortiert hatte. Egal. Ich musste jetzt noch mit dem Handkoffer durch den Sicherheitscheck. Ein sehr netter Angestellter begleitete mich. Und: höchste Alarmstufe! In diesem Koffer wurde plötzlich ein scharfer Metallgegenstand entdeckt. Es wurde ALLES auseinandergenommen und einzelnd durch die Röntgenklappe geschoben. Wieder und wieder. Zu meinen Füßen türmten sich meine Sachen, der nette Angestellte lächelte tröstend und machte mir Mut. Schließlich entdeckte eine scharfsinnige Checkerin die Nagelfeile, die sich ohne mein Wissen zwischen die Stifte in meinem Rucksack geschlichen hatte...
Mann!
Ich war schweißgebadet, als ich dann im neuen Flugzeug saß, mit den alten Nachbarn, die alle mitbekamen hatte, was ich gemacht hatte. Da ich selbst kein Handy habe, war meine direkte Nachbarin auf ihrem angerufen worden, ob sie - die die Lounge gefunden hatte und grade eine Dusche nahm - meinen Namen wüsste. Keine Ahnung, wieso sie keine Passagierliste hatten. Wie auch immer, alle trösteten mich sehr nett.
Ich hatte dann Probleme, die richtige Tageszeit zu finden. Man servierte uns ein Abendessen, angekündigt in der Speisekarte war dann noch ein Frühstück, mit anderen Worten, es musste Nacht sein. Aber ich scheute mich, mich schlafen zu lagen, weil ich das Gefühl hatte, es sind nur noch wenige Stunden bis Sydney. Ich schaute das dritte Mal den Problemfilm mit Richard Gere, war dann aber so dermaßen müde, dass ich nicht mal meinen Wein austrinken konnte, meinen Sessel runterfuhr und in einen unruhigen Halbschlaf fiel. Dann kam tatsächlich schnell ein hastiges Frühstück, ich konnte unmöglich schon wieder essen und nahm nur das Obst.

Und dann Sydney: total easy! Kein einziges Problem! Was ist hier los? Ich wurde nicht gefilzt, meine Koffer kamen schnell und zuverlässig auf dem Gepäckband angetrudelt, ich fand meinen Weg, wechselte sogar mit dem Bus das Terminal. Nur mein tonnenschweres Gepäck machte dann Schwierigkeiten: ich konnte den Gepäckwagen kaum in Kurven dirigieren, so schwer war er. Aber ich bekam es hin.
Die Lounge ist riesig. Ich esse hier nur eine Banane, im Flugzeug wird es wieder was geben. Ich könnte hier duschen, aber ich will lieber nichts risikieren. Keine Probleme mehr, die nächste 24 Stunden... Jetzt merke ich, wie alle ich bin. Mein Notebook sagt: 23:57 Uhr...


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