Sonntag, 15. Oktober 2017

Zu Haus

17:41 Uhr







Ich bin allein. Allein mit zwei Opossums und etlichen krakeelenden Vögeln im Busch um mich herum. Ab und zu fliegt ein leuchtendfarbiger Papagei vorbei, sie trinken manchmal hier aus der Dachrinne. Die Sonne steht tief, das Haus liegt jetzt im Schatten. Der Wald auf dem Berg gegenüber ist in Abendsonne getaucht, die hinter mir untergeht.
H. und D. sind vor zwei Stunden gefahren, nachdem wir hier intensiv zusammen gearbeitet haben. H. hat den Fußboden im Outsleeper verlegt, jetzt sind die Betten aufgebaut und alles ist fertig. D. hat das Waschhaus aufgeräumt, das zur Zeit auch Werkstatt ist. Die alte Werkstatt verfällt und wird demnächst ersetzt. Dort wohnen die Opossums. Diese Tiere sind zu nichts nutze, habe ich mir sagen lassen. Sie ernähren sich von Pflanzen und zerstören alles, was man ungeschützt anpflanzt, selbst wenn sie es nicht fressen wollen. Sie randalieren nachts auf der Veranda. Sie pissen auf draußengelassene Liegestühle. Sie bewegen sich träge und haben stiere, hervorquellende Augen und eine spitze Schnauze. Sie haben keine Angst vor Menschen, sie bleiben hocken und starren einen an, auch wenn man schreit und droht.


Das Erste, was ich machte, als H. und D. weg waren: ich hob ihr Nest aus. Ich ging hin, stieß sie mit einem dicken Stock an, schlug gegen die Wellblechwände, was sie so nervös machte, dass sie schließlich träge das Weite suchten. Dann verbrannte ich alles, woraus sie ihr Nest gebaut hatten. Das ist was Wunderbares, ständig Feuer machen zu können! Als ich wieder zum Schuppen kam, waren sie zurück und hocken zusammen in einer Ecke im Gerümpel. Ich jagte sie wieder raus und verbrannte alles Gerümpel. Dieser Schuppen wird so aufgeräumt und klinisch rein werden, wie ein Operationssaal. Dort wird kein Opossum mehr wohnen! Das wollen wir doch mal sehen! H. und D. meinen, ich hätte keine Chance, aber sie wissen nicht, wie unfreundlich ich sein kann.
Jetzt sitze ich auf der Terrasse und trinke ein Bier. Bier ist hier ein Luxus, den ich mir nicht oft leisten kann: 24 kleine Flaschen kosten 60 Dollar (1 Euro = 1,30 Dollar). H. sagt, die Häuser- und die Bierpreise haben sich in den letzten 20 Jahren verzehnfacht. Tasmanien wird immer attraktiver für die Australier, wegen des wunderbaren Klimas. In Australien selbst, im mainland, ist es mittlerweile so heiß, dass es richtig gefährlich wird. Dort kann man vielleicht irgendwann gar nicht mehr leben. Deshalb der Run auf Tasmanien.
Grade kommt S. zurück, der Weg zu seinem Haus führt nahe an meinem Haus vorbei. Dann höre ich Stimmen in der Ferne, er ist also nicht allein. Ich weiß noch nicht, wie sich der Kontakt gestalten wird, ob mit gegenseitigen Besuchen oder Hilfsangeboten oder größtmöglicher Distanz – keine Ahnung.
Ich könnte jetzt mal zum Meer runtergehen, den Sonnenuntergang anschauen. Unterwegs ein paar Disteln hacken und den Weg freischneiden.
Meine Güte – ich kann es gar nicht fassen, dass ich hier so weit weg bin von jeder lärmigen Angelegenheit. Nur die Vögel und in der Ferne das leise Dröhnen und Donnern der Wellen.
H. hat mir eine kleine Stereoanlage installiert (hier gibt es ja nur 12 Volt), so dass ich Musik hören kann. Ich kann mein Notebook aufladen und das Smartphone (ohne Empfang, außer wenn ich hoch in den Wald gehe, Richtung S.). Ich kann Feuer im Ofen machen. Kochen auf dem Gaskocher. Ich kann stricken und nähen (habe ich mitgebracht) und LESEN. Yoga. Meditation. Schuppen fertig ausräumen. In der Hängematte liegen. Müll verbrennen. Holz hacken. Die Terrasse ölen. Es gibt viel zu tun. Jetzt mache ich erstmal einen Kontrollgang über das Gelände, dann gehe ich rüber zum Meer.

Klo-Häuschen.
Haus von der Seite.
Werkstatt und Waschhaus.
Meine Bücher.

21:01 Uhr
Ich hörte vorhin die Opossums in der Dunkelheit auf der Veranda rumoren. Als ich eben hinging, um mal nachzusehen, sah ich, dass sie mir direkt vor die Tür geschissen hatten. Mistviecher! Zum Glück ist die Tierscheiße hier so hart, dass man sie einfach wegfegen kann, aber das ist doch eine Frechheit!
Der Gang zu Meer war schön, man ist in zehn Minuten dort und der Roaring Beach ist einfach überwältigend. Erstmal die Weite des Meeres, rechter Hand einige Berge im Abenddunst, links der weiße, weite Strand. Und wie sich dann eine Welle nach der anderen langsam aufbaut und abrundet und dröhnend zusammenfällt – es ist geradezu majestätisch und es wird einem augenblicklich feierlich zumute. Ich bin gar nicht bis runter gegangen, sondern habe mich oben auf der Düne niedergelassen und eine Weile zugeschaut. Ganz wunderbar ist das.


Dann bin ich heim und habe das Grünzeug aus Dorkas Garten gekocht. Es schmeckte auch gut, aber ich konnte es nicht kauen, ich hätte es ganz kleinhäckseln sollen. Wieder was gelernt.
Jetzt sitze ich auf dem Sofa, schaue in die Flammen des Ofens und bearbeite die Fotos vom Tag. Ein paar Kerzen brennen und eine Lampe – ich muss hier schon Strom sparen, d.h. es ist überwiegend dunkel im Haus. Mal sehen, ob ich da was verbessern kann mit Solarlampen.

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