Samstag, 28. Oktober 2017

Rückfahrt

Ich bin zurück in Roaring Beach. Die Rückfahrt machte ich mit dem neuen Navi, das H. besorgt hat. Eigentlich geht es auch schon ohne, aber es war trotzdem schön, es dabei zu haben.
Ich hielt unterwegs am Frische-Markt und kaufte Obst und Gemüse und ein EIS, was ich vor dem Markt verschlang. Dann kam die nächste Prüfung: ich wollte das erste Mal tanken! H. hatte mir eine Tankstelle auf halber Strecke in Dunalley ans Herz gelegt, ein Familienbetrieb und sehr günstig: Shell Dunalley and Licensed Post Office. Als ich anhielt waren die zwei Zapfsäulen schon von vier Autos belegt und ich machte den Motor aus. Dann fuhr jemand weg, ich startete den Wagen, aber konnte plötzlich den Schalthebel nicht mehr bewegen. Wieder und wieder versuchte ich es - nichts ging. Schließlich gab ich auf, ging in die Tankstelle und sagte: "Ich brauche Hilfe."
Alle starrten mich an. Der Tankstellenbesitzer, ein älterer Herr, wies einen jungen Mann, der grade bezahlen wollte, an, sich das Problem anzusehen. Wir gingen raus zum Auto und er konnte mühelos den Hebel bewegen. Ich hätte den Fuß auf der Bremse lassen müssen, ohne das geht nichts, erklärte er mir.
Sowas Blödes! Aber ich war einfach in Panik, weil ich noch nie getankt hatte und alles, was mit dem Auto zu tun hat, ist für mich eine Prüfung. Es gelang mir dann, vollzutanken und ich ging rein, um zu zahlen. Der Besitzer fragte, was losgewesen wäre. Ich winkte ab, sagte, es wäre mein Fehler gewesen, alles ganz einfach und alle grinsten.
Als ich dann weiterfuhr, war ich total erleichtert - nur noch fahren war angesagt, keine Unterbrechungen mehr. Es tat sich dann aber ein neues Problem auf: ich fuhr in die immer tiefer stehende Abendsonne und meine Windschutzscheibe war ziemlich verdreckt. Ich hatte bei der Überquerung eines Übergangs im Wasser, also keine Brücke, sondern eine Art Wall (Ponton?), der Landesteile oder Inseln verbindet, ein volle Ladung Gischt abbekommen. Ich wusste nicht, wie man Putzwasser auf die Scheibe spritzen kann und hatte dann einiges auszustehen, mich halbblind durch Berg und Tal zu tasten, vor allem dann im Busch, wo ich fast gar nichts mehr sah. Ich hielt an, probierte alle Hebel – nichts. Ich muss mal das Handbuch lesen.
Aber dann war ich zu Haus, lud aus, stellte fest, dass ich eine Jacke in Hobart vergessen hatte, stellte die neue Schale ins Vogelbad, hängte die neuen Vorhänge auf, räumte alle Einkäufe weg und ging nochmal zum Meer, um H. eine SMS zu schicken, wegen der Jacke. Morgen kommt nämlich sein Freund C. hier vorbei, der ein Haus in nächster Umgebung kaufen will. C. ist auch Deutscher und arbeitet an der Uni, so wie H. damals. Vielleicht kann er mir die Jacke mitbringen.
Das Meer war still, die Wellen ganz flach, die Sonne ging grade unter. H. und D. hatte mir erklärt, wie man die Strömungen erkennen kann, die rausführen aus der Bucht, aufs Meer hinaus - und tatsächlich sah ich sie von den Klippen aus! Diese Strömungen soll ich meiden, denn sie zieht einen raus und man hat keine Chance, gegen sie anzukommen. Außer im rechten Winkel da rauszuschwimmen, aber es scheint schwer zu sein, nicht in Panik zu geraten. Also lieber gar nicht erst reingeraten. Und wenn doch, rausziehen lassen, weil irgendwann hört sie auf und man wird irgendwo an Land gespült. Super. Wenn ich mir hier die Klippen anschaue, kann ich mir vorstellen, wie mein Board und mein Wetsuit hinterher aussehen. Ich verschickte die SMS und ging wieder heim.
H. hat mich in die hohe Kunst der Kettensäge eingeführt, ich habe jetzt meine eigene Säge, die etwas kleiner ist, als die von Horst.. Ich bin gespannt, ob ich das hinkriege, sie anzuwerfen. Ich habe viel über Kettensägen gelernt: wie an sie tankt und ölt und schärft und hält und startet und stoppt - und dann habe ich schon mal einen Baumstamm zersägt, unter H.s kritischem Blick.



Weg zum Strand.

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