Heute war es bedeckt, ein wenig gewittrig. Als ich auf auf der Terrasse saß und las, landete plötzlich ein grün-bunter kleiner Papagei hier auf dem Geländer und schaute mich neugierig an. Ich sagte nichts und schaut bloß. Er warf sich hier in den Busch und er und ein Kumpel stöberten ein bisschen darin herum, aber sie nutzten das Vogelbad nicht und flogen weiter. Das fände ich schön, wenn ich Kontakt zu einem Papagei bekäme.
Ich war den ganzen Tag nervös, wegen dem Truck und dann KAM ER! Er kam gegen Mittag und fuhr dann wieder weg und ich hatte eine Todesangst weniger.
Ich fuhr am Nachmittag zum White Beach. Ich parkte das Auto und ging barfuß runter ans Wasser. Und ging rein. Ins Wasser. Und es war WARM. Ich kann da ohne wetsuit rein und baden! Das mache ich sofort, morgen oder so. Wie wunderbar: ins Meer gehen. Was für ein Plan! Ich muss mein Strandzelt mal hier aufbauen, ob ich das hinkriege.
Ich fuhr dann zum anderen Supermarkt einkaufen. Der ist etwas größer, hat mehr Werkzeug und sowas, aber ansonsten ist kein Unterschied. Bei den Lebensmitteln finde ich den von dem Kroaten besser. Und so freundlich wie in Hobart und Sorell sind sie hier nicht. Wahrscheinlich haben sie mich für eine Touristin gehalten.
In der Bücherei wurde ich von der Bibliothekarin sofort darauf aufmerksam gemacht, dass sie ein Vogel hereinverirrt hatte, so eine Art Sperling. Das war schon das zweite Mal diese Woche, weil die Tür immer offensteht. Sie begriff das auch nicht, was einen Vogel dazu bringt, ins Haus zu fliegen. Nun saß er traurig vor dem Fenster und schaut hinaus. Sie meinte, sie hoffe, er würde irgendwann zu Boden gehen und dann die Tür finden, so wie der Vogel beim letzten Mal.
Die Tierwelt. Da geht es genau so verworren und chaotisch zu wie bei uns in der Menschenwelt. Mit all den Trucks und Kettensägen. Der Sorgen sind kein Ende, egal, in welcher Welt man lebt.
Es wird kühl, dichte Wolken ziehen auf, der Roaring Beach dröhnt lauthals herüber, die Vögel dagegen sind still. Da fallen die ersten Regentropfen. Vielleicht bereitet sich ein Thunderstorm vor, wer weiß.
Die Kafka-Biographie hält mich in Atem. Häufig muss ich lachen
"Sehr geehrter Herr,
Sie haben mich unglücklich gemacht.
Ich habe Ihre Verwandlung gekauft und meiner Kusine geschenkt. Die weiß sich die Geschichte aber nicht zu erklären.
Meine Kusine hats ihrer Mutter gegeben, die weiß auch keine Erklärung. Die Mutter hat das Buch meiner anderen Kusine gegeben und die hat auch keine Erklärung.
Nun haben sie an mich geschrieben. Ich soll ihnen die Geschichte erklären. Weil ich der Doctor der Familie wäre. Aber ich bin ratlos.
Herr! Ich habe Monate hindurch im Schützengraben mich mit dem Russen herumgehauen und nicht mit der Wimper gezuckt. Wenn aber mein Renommee bei meinen Kusinen zum Teufel ginge, das ertrüg ich nicht.
Nur Sie können mir helfen. Sie müssen es; denn Sie haben mir die Suppe eingebrockt. Also bitte sagen Sie mir, was meine Kusine sich bei der Verwandlung zu denken hat.
Mit vorzüglicher Hochachtung
ergebenst Dr Siegfried Wolff"
So sahen sie aus, die kleinen, komischen Turbulenzen, wenn Kafkas frühe Texte auf Kafkas frühe Leser stießen - harmlose Vorboten jener ungeheuren diskursiven Brandung, die eine Generation später über seinem Nachlass zusammenschlagen sollte."Ein regnerischer letzter Gang zum Meer.











