Sonntag, 26. November 2017

Buchhalter

Gestern Abend war ich am Strand und begegnete auf dem Rückweg nicht weniger als vier Wombats. Also: wenn es irgendeinen Mangel gibt, über den wir uns hier beklagen wollen, ein Mangel an Wombats wird es nicht sein.

Heute schien es ein Regentag zu werden, dann aber wieder doch nicht. Ich machte mich an die Fertigstellung meines Buchhalters. Da ich beim Lesen Notizen in ein Heft mache habe ich Probleme, das Buch und das Notizbuch gleichzeitig zu halten. Ich will das Buch auf einen Buchhalter legen, reinschauen und lesen und das Notizbuch halten und schreiben. Ich ging hoch zu S., um mir Bretter zurechtsägen zu lassen. Er war dabei, die Fensterrahmen abzudichten und klagte: „Es ist so eine FISSELARBEIT, jedes Fenster ist anders, es ist die reine Folter. Das kommt davon, wenn man nicht vorher einen genauen Plan macht, bevor man baut, sondern alles aus dem Moment heraus entwickelt. Und jetzt muss ich all diese Fisselarbeit machen, vor der ich mich immer gedrückt habe.“
Aber er kriegt es gut hin, es wird super. Ich erzählte von meinem Kettensägemassaker und er sagte, ich soll sie hochbringen, zum Kettenschärfen.




"Sein und Zeit". Hier der Beweis meiner Ambitionen.




Steilvorlage.

Ich baute dann meinen Buchhalter und bin hochzufrieden! Er kann seinen Fuß drehen, was ich unglaublich cool finde. Leider kann er seine Neigung nicht ändern, aber ich habe dafür einen mobilen Einsatz gebaut, den ich bei Bedarf hinter das Buch legen kann, um es steiler zu stellen. Wird er nicht gebraucht, hängt er an der Seite. Die Buchseiten werden mit Gummibänder runtergehalten, die ich in Hobart besorgt hatte. Sollte es auf der ganzen Welt irgendeinen Buchhalter geben, der auch nur annähernd so schön und praktisch ist wie dieser, dann sollte mich das SEHR wundern!
Dann war es eine klare Sache, dass ich heute einen Badeausflug zum White Beach mache und ins Wasser gehe. Als es dann soweit war und ich vom Mittagsschlaf aufstand: ein Thunderstorm. Also: kein Badeausflug. Allerdings entpuppte er sich als äußerst halbherzige Angelegenheit: nach etwas Donnerei in der Ferne, dunklen Wolken und ein paar Regentropfen gab es einen Blitz und ein Donnergerumpel, das allerdings so heftig war, dass mein Häuschen bebte. Dann war es aber auch schon wieder vorbei.
Ich ging hoch zu S., und er zeigte mir den Telefonhalter, den er gebaut hat für sein Mobile. Es gibt nämlich nur eine einzige Stelle in dem ganzen Haus, wo er Empfang hat und dort muss es in einem ganz bestimmten Winkel stehen. Jetzt wird es dort fixiert sein in einem wunderschönen Telefonhalter aus Holz.
Wir gingen dann in die Werkstatt und er zeigte mir, wie man die Zähne der Säge mit einer bestimmten Feile schärft. Es stellte sich heraus, dass das eine Wissenschaft für sich ist. Ich durfte zwar auch mal probieren, aber war erstmal überfordert. S. hat mal in einem Sägewerk gearbeitet und erzählte, wie sie da die Sägeblätter geschärft haben, die riesig waren. Und dass so ein Sägeblatt ab und zu zu einer Art Magier gebracht werden musste, der mit einem Hammer auf ganz bestimmte Stellen schlug, die nur er wusste, damit es wieder wobblen konnte, d.h. wackeln, denn wenn es nicht wobblen konnte, dann konnte es sich nicht präzise ausrichten und fing an zu schlingern. Er kennt sich echt aus mit Sägen, es ist gut, dass er mein Sägen-Manager ist.






Fischerboot.






Dann bin ich noch zum Strand und hörte schon von Weitem lautes Kreischen. Da war eine ganze Gruppe junger Leute, eine Busladung voll, die ganz normal badeten. Ohne Wetsuits, nur in Badeanzügen kreischten sie in den Wellen und amüsierten sich königlich. Ein Trupp Surfer war ganz rechts in den hohen Wellen zugange und plötzlich kamen sogar Fischerboote und machten sich zu schaffen – es war also ungeheuer was los am Strand. Vielleicht sollte ich doch einfach mal ganz normal reingehen, ins Meer, sollte die Hitze anhalten. Ich bin schon so fixiert auf die blöden Strömungen, das Bodyboard, den Wetsuit, dass ich gelähmt bin vor Anforderungsstress. Einfach mal baden. Warum nicht?

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