Donnerstag, 21. Dezember 2017

Merlin

Gestern habe ich ganz viele große Äste, die unter den Bäumen am Outsleeper lagen, hochgezerrt und in Kleinholz zerlegt, das war sehr schön und befriedigend, damit mache ich heute weiter. Diese Bäume haben keine Blätter, sondern eine Art langer, weicher Nadeln, die zuhauf auf dem Boden liegen. Ich habe mal ausprobiert, ob sie brennen – meine Güte! Wie Zunder, die Flammen schossen augenblicklich hoch und es breitete sich eine starke Hitze aus, da sind sicher ganz viele ätherische Öle drin. Die kann ich also gut zum Anzünden nehmen. Momentan ist es allerdings warm, auch wenn es weiter unruhig und stürmisch ist, mit kühlen Winden aus dem Süden.
Ich habe meine Ruhe zurückgewonnen. Habe mir das Loch nochmal angesehen. Ich wollte noch mehr Erde entfernen, aber geriet mit der Spitzhacke so unglücklich an die reparierte Stelle, dass ich den „Joghurtbecherverband“ zerbrach. Als ich ihn losmachte sah ich, dass er eh zu klein war, das Rohr hatte Risse nach beiden Seiten. Also erneuerte ich ihn mit einem größeren Stück. Um das Rohr besser freizulegen arbeitete ich mit Hammer und Meißel gegen die Erde an, anders ging es nicht. Ich bilde mich hier an diesem Boden zum Steinmetz aus! Dann war ich ganz zufrieden mit der Reparatur. Ich wehrte drei oder vier Leeches ab, bin schon lange nicht mehr gebissen worden. Aber irgendein anderes kleines Viech zersticht mich grade mit lange juckenden Stichwunden. Ich kann nur hoffen, dass es nicht in meinem Bett lebt...

Fotos mit Mobile gemacht...









Am Abend legte sich der Wind, das ist die schönste Zeit. Ich hörte S. drüben mähen, ich selbst machte mich wieder an mein Holz. Später kam S. rüber, wir besichtigten das kaputte Rohr und er sagte, dafür gäbe es eine Lösung. Und das mit dem kaputten Fotoapparat fand er auch nicht so dramatisch wie ich. Solange ich nicht weiterhin jeden Monat eine Kamera zerstöre, ist es okay.
Dann sahen wir uns den Outsleeper an und S. bekam den, von H. und D. noch nicht gegengezeichneten Auftrag, ein Lüftungsfenster einzusetzen. Wenn K. und R. im Februar kommen, kann es heiß sein, da soll der Outsleeper fertig sein. Vielleicht hat S. sogar noch ein kleines Fenster mit Rahmen, das er einsetzen kann.
Wir saßen dann den Abend über bei einem Bier zusammen und ich quetschte S. über sein Leben aus. Er erzählt so nett von seinem Hund Merlin, der ist schon länger tot, ein Deutscher Schäferhund. Er wurde artgerecht mit toten Tieren ernährt, nicht mit Dosenfutter. Dafür musste S. Wallabys schießen, da der Hund nicht jagen durfte. Irgendwann hatte er keine Lust mehr auf das Töten und kaufte Futter. Aber der Hund suchte sich dann selber tote Wallabies. Einmal sagten Freunde von S., dein Hund frisst da mitten auf der Straße ein Wallaby, die Autos müssen vorsichtig drum herum fahren...
Als er Merlin mal mit nach Sydney nahm, wollte der nicht auf die Fähre. S. hatte nie eine Leine für den Hund gehabt, also musste er ihn den Railway an Bord hochtragen. Da dieser Steg aber sehr schmal ist, versuchte der Hund durch breites Ausstrecken seiner Beine ein Durchkommen zu verhindern. „Wie in einem Comic!“ lachte S., aber Merlin hatte wirklich Angst an Bord. Die asiatischen Touristen waren aber begeistert, denn S. sah mit seinen langen schwarzen Haaren und dem Vollbart aus wie ein Wilder und der Hund ohne Leine und Halsband wie ein Wolf. Sie wurden von allen Seiten fotografiert.
Später, er war 15 Jahre alt, wurde er „bettlägrig“ und S. musste ihn füttern und aufs Klo tragen. An einem Tag sah S., dass etwas anders war: in den Augen des Hundes sei Angst gestanden, das konnte er sehen. Und dann machte Merlin sich einen Moment ganz steif und atmete aus und nicht wieder ein. So starb er. Jetzt will S. leider keinen neuen Hund, er hat tausend Argumente dagegen, eins löchriger als das andere. Ich werde ihn weiter bearbeiten.
Die Erdbeersaison ist zu Ende! Es wird, wenn ich das richtig verstanden habe, noch einen zweiten Anlauf geben, aber es ist bitter. So schnell geht alles vorbei. Jetzt reifen die Aprikosen, aber davon gibt es nicht so viele.

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