Freitag, 15. Dezember 2017

Disteln

Heute ist mein Büchereitag und ich ließ das Hacken am Outsleeper sein. Jo. und A. wollten ja vielleicht kommen, ich versuchte, eine Telefonverbindung zu kriegen, aber nichts ging. Weder oben bei S., noch auf dem Weg, ich musste vor bis zum Meer. Keine Nachricht. Aber unterwegs sah ich, wie diese grässliche Riesendistel, die sich über Blüten weiterverbreitet über – und überall ihr dorniges Haupt erhob. Ich ging zurück zum Haus, holte die Spitzhacke und zog wieder los. Ich weiß nicht, wieviele Monsterdisteln ich mit Wurzeln rausriss – bestimmt über zwanzig, aber durch den starken Regen entstanden überall wahre Kolonien, vor allem von den kleinen, flachen, die sich über Wurzeln verbreiten. Ich schrieb H., er soll Gift besorgen, ich hoffe, er hat es getan, ich komme kaum noch durch auf dem Weg zum Meer. Immerhin bin ich mittlerweile so gut mit der Hacke, dass ich eine riesige Distel mit EINEM Schlag so erwische, dass ich sie samt langer Wurzel aus dem Boden reißen kann. Wenn sich das rumspricht eröffnet sich mir da eine ganz neue Karriere. Ein guter Beruf, um Aggressionen abzubauen – Distelhackerin.


Ich bin dann früh nach Nubeena. Im Sicherheitsgurt hatte sich ein kleiner Huntsman niedergelassen, er fiel runter, als ich an dem Gurt zog. Nach einem Moment der beiderseitigen Fassungslosigkeit versuchte ich hastig, ihn rauszuschubsen, während er hastig versuchte, ins Auto zurückzuhampeln. Er gewann natürlich, wie hier fast immer die Natur gewinnt. Er verschwand unter meinem Sitz. Ich weiß nicht, ob er schon mal Auto gefahren war und ob er es bitter bereute.


Am White Beach hatte der Sturm Massen an Algen angespült, die dort nun trockneten und fischig rochen. Das wäre doch ideal für S.s Garten, ich muss ihn mal fragen. Ansonsten war außer mir niemand am Strand, ich ging einmal hoch, fand das öffentliche Klo, ging wieder runter und setzte mich schließlich einfach hin. Am Strand sitzen und aufs Meer starren, das kann einen richtig fesseln, stellte ich fest. Badezeug hatte ich nicht dabei. Im Grunde muss man hier immer ALLES dabei haben: was für Regen, was für Sonne, was zum Baden, was für Schnee – dieses Auto braucht einen Anhänger! Und man muss, wenn man zu Hause ist, mindestens eine Stunde am Tag einrechnen zum Umziehen.
In der Bücherei war wieder die Vertretungsdame vom letzten Mal, diesmal schafften wir es ohne Probleme ins Netz zu kommen. Eigentlich will ich dort auch immer die SZ lesen, aber irgendwie kann ich dann doch kein Interesse dafür aufbringen. D.h., ich habe nicht die geringste Ahnung, was los ist in der Welt. Gibt es in Deutschland eine Regierung? Und wenn ja, was für eine? Hat der amerikanische Irre die Botschaft tatsächlich nach Jerusalem ziehen lassen? Was ist mit den Katastrophen überall, den Flüchtlingen, die Hungernden in Afrika? Den Wirtschaftskrisen in Südeuropa? Dem Klimawandel und dem Brexit? Ich. Habe. Keine. Ahnung.


Angler!




Angler fahren weg.

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