Sonntag, 10. Dezember 2017

Zurück

Zurück in Roaring Beach! Und was erwartet mich hier? Die erste Blüte der Geranie! Die Geranie, die ich gerettet habe und die nun unter meinem persönlichen Schutz steht! Das hat mich gefreut! Ich hatte unterwegs noch eine neue Blume gekauft, sie ist blau  und ich glaube sie heißt Männertreu, die habe ich auch zu Hause auf dem Balkon. Mein Garten wird immer schöner!




Bin mit H. hergefahren, unterwegs haben wir die üblichen Einkäufe gemacht und nach einem schnellen Kaffee fing H. gleich an, tausend Sachen zu installieren. Die Waschmaschine z.B., Elektrizität im Outsleeper und lauter so seriöse und wichtige Dinge. Leider funktioniert die Pumpe nicht, die das Wasser von dem Tank hier unten, wo es gesammelt wird und der proppevoll ist, hochpumpt zu dem auf dem Berg, der halb leer ist. Von dort kommt es dann ins Haus. Es entsteht kein Zündfunke, was scheinbar nicht an der Zündkerze liegt, sondern an einer geheimnisvollen Spule im Inneren des Motors. H. nimmt sie mit nach Hobart und ich werde hier ohne Pumpe sein. Immerhin habe ich eine neue Säge in meine Sammlung aufgenommen – eine elektrische Tisch-Kreissäge, das ging problemlos! Und dazu weiß ich jetzt, wie ich den Generator anwerfe an den sie angeschlossen wird. Also: es geht voran.
Wir fanden ein totes junges Wallaby hinterm Haus – das ist jetzt schon das Dritte! Eins lag auf dem Weg zum Meer und S. hatte eins bei seinem Haus. S. wusste nicht, was das sein kann. Vielleicht eine Krankheit, wer weiß.
Ich ging zum Meer und holte einen Eimer Sand, um darin die Karotten aufzubewahren, ich bin gespannt, ob es klappt. Als H. und D. im Outback unterwegs waren, hatten sie auch so eine Sandkiste für die Karotten dabei, das muss total gut gewesen sein.
Jetzt ist es halb sieben, die Sonne zieht sich hinter den Berg zurück und H. wird gleich das Feuer anmachen, zum Grillen. Als ich S. suchte, fand ich ihn unten im Garten, wo er sich mit Himbeeren vollstopfte, wie es alle tun hier zur Zeit, denn sie sind grade reif. Er wird welche zum Essen mitbringen.
Grade kommt H. mit schlammigen Händen und teilt mir mit, dass er oben am Damm eine Verstopfung beseitigt, damit auf dem Löschwasser hier unten wieder Druck kommt. Nicht, weil wir gleich grillen, sondern überhaupt. Dann geht er wieder. Ob er weiß, dass wir in 25 Minuten essen wollen?
Er fand in der Werkstatt die Hülle eines Huntsman – sie HÄUTEN sich! Wie die Schlangen! Ein vollständiger Huntsman der nur aus Pergament besteht, mit Augen und Fühlern und Beinen und allem.


„Den kannst du benutzen“, sagte H., „wenn mal einer deiner Freunde seinen superteuren neuen Laptop mit beiden Händen hält und du wirfst ihm die Spinne zu und rufst: 'Hier, fang!'“
Das sind die Scherze unter Australiern.

Sein Sohn Ju. (16) kriegt grade Fahrstunden von ihm, sie bekommen den Führerschein in verschiedenen Lernstufen, müssen einen Theorie - und dann einen Praxistest machen etc., aber das Fahren selbst dürfen ihnen die Eltern beibringen. Die ersten Jahre sind mit komplettem Alkoholverbot verbunden. H. erzählte, als er hierher kam vor 30 Jahren, da gab es in der Zeitung eine Spalte: Hall of Shame, da wurden diejenigen namentlich aufgeführt, die mit Alkohol erwischt worden sind und die genaue Promillezahl. Das hatte aber wohl den Effekt, dass einige Jugendliche den Ehrgeiz entwickelten, unter die Top 10 zu kommen und dann wurde das abgebrochen.


Später.
S. kam mit Himbeeren, Erdbeeren und Salat, wir setzten uns alle um H.s Grillfeuer herum, das uns gleichmäßig einräucherte, weil ein Wind aufkam, der sich ständig drehte, wie immer, wenn wir grillen. Zum Glück waren die Lammkoteletts schnell fertig und wir wechselten zum Essen auf die Terrasse des Outsleepers, denn unversehens hatte eine Groß-Offensive der Leeches angefangen, von der aber nur H. und S. betroffen waren, da ich mich schon vorher rübergesetzt hatte. Die beiden konnten alle loswerden, aber es ist doch ein Skandal! Diese Viecher! Es ist wirklich gut, wenn wir das Wasser da hinterm Outsleeper wegleiten, so dass es dort überall trockener wird.
In der Dämmerung begannen sich plötzlich ganze Mottenschwärme aus den Bäumen am Feuerplatz zu erheben und wurden prompt von sehr tief und zielsicher fliegenden Schwalben erwartet und mit einem leichten Klacken des Schnabels im schnellen Vorbeiflug verschlungen.
S. erzählte ein paar Geschichten von seinem Kampf gegen die Baumwurzeln – die sind einfach einerseits derartig fein und hochsensibel und andererseits so stark und kräftig, dass der Mensch keine Chance gegen sie hat. Sie haben ihm riesig große Komposttonnen innerhalb weniger Monate komplett ausgefüllt, sie kommen durch jeden haarfeinen Riss, verbreitern ihn und brechen überall ein, sie breiten sich mit einer Gewalt und Raffinesse aus, dass man hier im Busch eigentlich nichts anbauen kann. Sie wittern regelrecht jede Feuchtigkeit und nichts kann sie aufhalten. Vielleicht täusche ich mich, aber mir erscheint dieser tasmanische Regenwald – er heißt kalter Regenwald – um einiges wilder und machtvoller, als unsere europäischen Wälder. Wir Deutschen haben ja ein sehr gefühliges, eher romantisches Verhältnis zum Wald und ich ganz besonders, aber hier ist das nicht so richtig angebracht.
S. fragte, was mein kleiner Garten macht, ich berichtete voll Stolz von der ersten Blüte und er bemühte sich, verständnisvoll zu gucken, aber er kann das nicht verstehen. Er würde nie etwas anbauen, was man nicht essen kann. H. schlug sich auf seine Seite und lästerte, dass sicher irgendwann ein Opossum da eindringen würde und S. sagte: „Dann wird sie es mit ihren eigenen Händen umbringen. Und sie wird es mit ihrem neuen Taschenmesser häuten und den Balg draußen aufhängen für alle anderen zu Warnung.“
Und ich sage: Jawohl. So und nicht anders wird es sein.

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