Montag, 11. Dezember 2017

Vitamine

Heute Nacht wütete ein heftiger Sturm und noch immer weht es stark, obwohl keine Wolke am Himmel ist. H. hat das Rätsel mit dem Löschwasser gelöst: der Haupthahn war halb zugedreht. Jetzt ist wieder Druck auf allen Leitungen und ich kann den Bush zwischen hier und Nubeena löschen, wenn er mal brennt.
Den Vormittag haben wir damit verbracht, auf den sehr, sehr, sehr steilen Berg zu steigen. Immer schön diagonal, aus Rücksicht auf mich. In Hobart taten mir ständig die Beine weh, vorne, an den Schienenbeinen. Ich dachte, es sei wegen dem starken Gefälle dort überall, aber jetzt merke ich: es ist der Asphalt! Hier tut mir nichts weh, auf dem Naturboden, egal wie steil er ist! Das ist doch erstaunlich.

Wombathöhle

Die letzte Ecke von H.s Grundstück.




Hütte von S.s Bruder.
H. demonstriert die Größe dieses ausgebrannten Lochs.
Mount Wellington. Da standen wir gestern!

Alten-Pflege.

Aber gut, H. wollte mir einen Felsen zeigen, auf dem man schön sitzen und in die Weite gucken kann, aber er fand ihn nicht. „Bleib du mal hier im Schatten sitzen!“ befahl er und suchte allein weiter. Dann aber verlor er mich. Plötzlich klingelte mein Telefon. Da ich aber nie Anrufe kriege, wusste ich nicht, wie ich den Anruf annehmen soll und da ich meine Brille nicht dabei hatte, konnte ich nichts sehen. Ich würgte den Anruf ab. Suchte im Adressbuch nach H.s Nummer, rief selber an – das gelang mir – erreichte aber nur D. in Hobart, weil es die Festnetznummer war. Ich konnte ihr mein Anliegen nicht erklären, weil ich ständig H. laut rufen hörte und ich würgte D. ab und rief laut zurück, aber er hörte mich nicht. Irgendwann gelang es mir, ihn anzurufen und er sagte: „Komm hoch auf den Berg.“
Oben war es wunderschön: eine Lichtung, zwischen den Bäumen weite Sicht übers Meer, ein schöner Wind – es war wie bei uns der Wald, nur mit Meer im Hintergrund. Wir streiften an der Hütte von S.s Bruder vorbei, der auch hier oben ein Grundstück gekauft hat, und wanderten dann Richtung Meer. H. wollte mir ein Nest von einem See-Adler zeigen, das er aber AUCH nicht fand. Er behauptete, das läge daran, dass er seine Vitaminpräparate am Morgen nicht genommen hatte. Ich solle ihm unbedingt glauben, dass es dieses riesige Adlernest mal gegeben hatte.
Dann schauten wir uns das Häuschen von den nächsten Nachbarn ganz oben auf dem Berg an, einem Paar, das ganz selten mal hier ist. Winzig, aber mit kleiner Terrasse und unendlichem Weitblick übers Meer. Das Problem bei den Weitblick-Häusern ist der Wind, wenn der blöd kommt, kann man da nur von innen durchs Fenster in die Weite blicken. Und dann ist es so abgelegen, der Weg derartig steil und holprig, wenn man da mal merkt, dass man keine Streichhölzer mehr hat oder kein Salz, dann hat man richtig, richtig Pech gehabt, da ist man ordentlich lange unterwegs, zum nächsten Laden. Nur ein Four-Wheel-Drive kommt da überhaupt hoch und runter, aber ohne Motorsäge braucht man sich gar nicht auf den Weg zu machen, denn ständig liegen umgefallene Bäume quer.

 
 
 

 
Wir gingen auf dem Weg zurück, der dann bei S. und uns mündete. Da kann ich also schön auch mal selber hochgehen, wenn mir nach Weitblick ist und nach Adlernestern. Es ist hier nur alles sehr, sehr, sehr steil, ein Spaziergang ist es nicht.
H. ist jetzt los zurück nach Hobart, hat die kaputte Pumpe mitgenommen, aber sein Müsli stehenlassen. Das wird ihn lehren, das nächste Mal seine Vitaminpräparate zu einzunehmen.



Am Abend wurde es ganz lange nicht dunkel. Der Himmel wechselte minütlich seine Farbe durch die ganze Palette zwischen Blau und Türkis, interessante Wolkenformationen bildeten sich und verschwanden wieder, es war ganz und gar windstill. Ich saß auf den Stufen zum Outsleeper und freute mich über den Frieden um mich herum. Dann habe ich sogar noch angefangen, die Terrasse zu ölen.
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