Sonntag, 28. Januar 2018

Bushwalk

Heute ist ein richtig heißer Tag, schon morgens waren es an die 30 Grad. Morgen soll es noch heißer werden. Ich hing mehr oder weniger rum, alle taoistischen Kräfte entzogen sich mir und schließlich entschied ich, dass ich mich bewegen muss, packte Wasser und Kamera ein und machte mich auf, auf unseren Berg hier. Ich kehrte noch auf einen Tee bei S. ein, der ebenfalls faul rumhing, weil es zu heiß für alles war und er die halbe Nacht auf einem Fest gewesen war. Der Tee verursachte mir Schweißausbrüche. Wir diskutierten ein bisschen über Werte – er ist so wahnsinnig kritisch mit allem und allen und auch wenn er Recht hat, inhaltlich, finde ich da irgendwas falsch dran, aber ich fand nicht raus, was. Dann sagte ich, ich gehe jetzt auf den Berg und überraschenderweise bot er mir an, mitzukommen und mir das Adlernest zu zeigen.

















Es ist wunderbar, mit ihm im Busch unterwegs zu sein, weil er zum einen viel über die Natur weiß, aber natürlich auch viel über alles, was hier im Tal so passiert ist in den letzten dreißig Jahren und länger. Unterwegs bogen wir vom Weg ab in den Busch, weil er mir einen richtig alten Baum zeigen wollte. Leider kann man sowas ja nicht fotografieren, oder ich kann es nicht, aber er war phantastisch. So ein faltiger, mächtiger, gigantischer Baum – ein Bäume-Umarmer hätte daran geklebt wie eine Fliege an einem Elefanten.
S. erzählte, wie er mal erlebt hat, wie so ein Gigant neben seinem Zelt umgestürzt ist und das so furchtbar gewesen ist, dass seine Erinnerung und seine Wahrnehmung komplett ausgelöscht wurde. Er war in dem Zelt und hörte so ein feines Knistern oder Knabbern, so als wenn jemand Chips ißt oder ein Opossum an was rumknabbert. Später wusste er: das waren die Fasern des Holzes, die nach und nach rissen. Und dann muss er auf irgendeine Art bewusstlos geworden sein. Als er aufwachte daraus, wunderte er sich über sein heftiges Herzrasen. Dann hörte er einen Ast auf das Zelt fallen. Und als er aus dem Zelt kam sah er, dass dort Äste verstreut lagen. Und dann sah er richtig große Äste. Und dann sah er den Baum und war total geschockt. Zehn Meter neben dem Zelt war der niedergekracht. Er hat nichts  davon mitgekriegt, seine Angst muss so groß gewesen sein, dass sie ihn komplett aus seinem Körper entfernt hat! Ein anderer im Zelt hatte es mitgekriegt und ist in eine Art Totenstarre gefallen, er konnte sich nicht mehr bewegen vor Panik, ihm wurde eiskalt.
Also: Augen auf bei der Zeltplatzauswahl!

Wir kamen zu dem Adlernest – es war enorm groß. Größer als ein Doppelbett, meinte S. Es muss schon an die fünfzig Jahre dort sein. Leider stirbt der Baum, auf dem es ist. Adler haben zwei Junge und das Stärkere tötet irgendwann das andere. „Wenn die Eltern nicht da sind“, sagte S. So sind die kleinen Adler. Ich bekam die Baby-Adlerfeder, die er fand, die Mörder-Adlerfeder.
Wir gingen dann noch hoch zu der Stelle, wo man aufs Meer schauen kann, es war ein wunderbarer, milder Abend, die Inseln gegenüber verschwammen im milchigen Dunst. Dieser Berg und diese Umgebung sind wirklich wunderschön. Und das Besondere ist, dass wir da sein können, ohne irgendwelche Touristen. Wir sind dort zwar in ganz und gar abgelegener Natur, die aber gleichzeitig Privatbesitz ist, der Öffentlichkeit also entzogen. Das Paar, dem der Grund dort oben gehört, war schon Jahre nicht mehr dort.













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