Dienstag, 16. Januar 2018

Fenster

In der Nacht polterte ein Wallaby über die Terrasse – bong! bong! bong! - und warf dann einen Stuhl um. Was für ein Getöse. Ich vermute, es suchte einen Weg, in das Blumenbeet zu kommen, wo jetzt auch die Ringelblumen blühen.

Morgens kam S. und fing mit dem Fenster im Outsleeper an. Jetzt ist es fertig und sieht wunderbar aus, wie der Rahmen eines Gemäldes. Es ist ein Kippfenster, das man mit einer kleinen Kurbel hochdreht. Er hat ein Fliegengitter reingesetzt, in einem Extra-Rahmen. Alles ist wunderbar gearbeitet, feinste Handwerkskunst. Und man spürt tatsächlich sofort den leisen Durchzug, wenn Tür und Fenster offen sind, damit kann man gut schlafen, glaube ich.

Außenwand geöffnet.
Werkzeug von S.



Öffnung ausgesägt,Rahmen eingesetzt.



Fertig.
Wir tranken Tee und er erzählte, dass er gestern einen Protestbrief an die Regierung geschrieben hat, weil sie hier die Fischfarm in Nubeena mehr als verdoppeln wollen. Man kann bis heute protestieren. Die Becken werden dann am Horizont vom  Roaring Beach liegen, was furchtbar aussehen wird. Aber das Argument in dem Brief von S. ist, dass es für die Infrastruktur hier eine große Belastung ist. Der Strand unterhalb der Farm ist jetzt schon verschmutzt – wofür sie aber jede Verantwortung ablehnen, obwohl es erst so ist seitdem sie hier sind - und sie brauchen sehr viel Süßwasser, um die Fische zu reinigen, d.h. der Creek führt immer weniger Wasser.
Leider gibt es hier keine bedrohten Tiere im Meer, da hätte man eine Chance. Es gibt hier hand-fishs, das sind Fische, die über den Boden laufen mit kleinen Füßen oder Händen. Davon gibt es ca. zehn Arten oder so auf der Welt und acht davon in Tasmanien. Zwei sind vom Aussterben bedroht, aber die leben nicht in Nubeena. Leider sind beide Parteien – Regierung und Opposition - in Tasmanien einverstanden mit dem Projekt, nur die Grünen sind dagegen. Es wird wohl so kommen, S. hat keine Hoffnung.

D. schreibt, dass sie Donnerstagmorgen losfahren, d.h. ich muss morgen schon nach Hobart und mir das mit den Tieren und der Waschmaschine zeigen lassen. Das ist vielleicht ganz gut, wenn ich hier mal wegkomme, ich kämpfe immer wieder neu mit der Panik wegen der Stiche. Ich bilde mir ein, ständig neue zu haben, ich kann mich nicht richtig erinnern. Jetzt habe ich die drei letzten mal mit einem Filzstift eingekreist.
H. schreibt, dass die Kamera da ist, die er mir gebraucht übers Internet besorgt hat! Und er fragt Jo. nach Mitteln gegen Insektenstiche. Der arbeitet für die Army und kennt sich aus mit solchen Problemen.
D. und die Kinder sind morgen am Strand zwischen hier und Hobart, dort kann ich sie am Nachmittag treffen. Vielleicht kann ich ja ein bisschen Wellensurfen üben, wer weiß.





Am Abend bin ich ans Meer, wo die Sonne auf meine Bank schien und  das Meer eine schöne, frische Brandung herantoste. Die Bank ist von dem Sturm so mitgerissen worden, dass nur der Strick, an den sie gebunden ist, verhindert hat, dass sie über die Klippen gestürzt ist. Ich schob sie zurück und saß dort und genoss das Unwahrscheinliche: Windstille.
Die hielt auch an, als ich wieder heimging. Ich stand lange auf der Terrasse und schaute nur um mich auf stille Wälder, stille Bäume, einen stillen Himmel, stille Büsche, stille Blumen. Es ist phantastisch und unglaublich und ein Wunder – so eine Windstille.
S. hasst den Wind auch, was ja schlecht ist, wenn man in Tasmanien lebt. Aber er sagte, im Winter gäbe es zwar heftige Stürme, aber auch ganz lange Phasen, wochenlange, der völligen Stille. Nur im Sommer geht es so zu, mit dem Wind. Ganz schön ruhig soll es im März sein, wo der Herbst beginnt. Mein letzter Monat...

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