Sonntag, 21. Januar 2018

Sandflys

Ich bin zurück in Roaring Beach. Ein neuer Stich, aber es ist nicht klar, ob mich da nicht einfach in Hobart was gestochen hat, beim Wässerns von R.s Garten oder so. Also: abwarten. Ich versuche, mich nicht verrückt zu machen.
Das Blöde ist, das ich einfach im Internet nichts darüber rausfinden kann, ob es stechende Insekten gibt in Australien, die sich im Haus, in der Kleidung, der Bettwäsche etc. einnisten und dort dann weiterleben. Nichts. Alle werden gestochen rund um die Uhr und mit zum Teil furchtbaren Folgen und haben ein breites, breites Spektrum an Ratschlägen und Horrorgeschichten und Verteidigungs- und Behandlungstheorien, aber was genau mich sticht und ob es die Kleidung infiziert – kein Hinweis.
Interessant: Touristen sind anfälliger, die Einheimischen entwickeln eine gewisse Immunität gegen Mücken und Sandflys und sowas. Wovon ich ja nicht weiß, was genau es ist...

Die Rückfahrt war ereignisreich: in Hobart gibt es nicht viele große Straßen, es ist eine Kleinstadt, aber eine große Kreuzung von zwei Highways gibt es, kurz vor der Brücke über den Derwent. Dort waren drei oder vier Autos ineinandergekracht, überall saßen oder standen verstörte Leute rum, eine Ambulanz war da und grade als ich an der Ampel ankam, kam ein Polizist auf einem Motorrad und begann hektisch, den Verkehr zu regeln. Ich bekam grade rot, er aber winkte mich durch, obwohl die Autos von links ebenfalls losfahren wollten, da sie grün hatten. Er wusste aber nicht, wer rot hat und wer grün. Ich möchte nicht wissen, wie es in der nächsten Stunde in Hobart aussah ... da haben sich die Autos bestimmt einmal quer durch die Stadt gestaut.
Hinter Sorrell geriet ich in eine Schlange, die ein Camper hinter sich erzeugte, der nicht schneller als 60 km/h fuhr... Irgendwann ließ er uns alle vorbei, der Gute.
Aber in Dunnally, nachdem ich getankt hatte: wieder Stau – die Brücke war weggedreht. Irgendwo in der Ferne tauchte eine Yacht auf und näherte sich langsam, langsam, langsam. Dafür stauten sich dann Dutzende und Dutzende von Autos, in beide Richtungen. Und wer stand zwei Autos weiter vor mir? Der Camper. Natürlich. Aber er bog, als die Brücke wieder hingedreht war, gleich danach ab zu einem Lokal. Der Fahrer hatte sicher nicht die Nerven, seine Weiterfahrt gleich mit zwanzig oder mehr Autos hinter sich anzutreten.




Ich habe erstmal den Kühlschrank vollgepackt mit Vorräten, dann schön gegessen (das wunderbare Sauerteigbrot von H. mit tasmanischen Tomaten) und mich dann, nach einer Dusche und frischer Kleidung mit frischer Bettwäsche, im Outsleeper zu einem Mittagsschlaf gelegt. Dort ist es wunderbar mit dem neuen Fenster, ich werde da erstmal schlafen, die nächsten Tage.
Dann legte und hängte ich alle Decken und Kissen etc. in die Sonne, um sie zu desinfizieren. Mal sehen, wie das jetzt weitergeht.

Später ging ich hoch zu S., um ihm sein restliches Geld zu bringen. Er war unten im Garten, reparierte zwei Zaunpfähle. Momentan wird viel reif bei ihm, leider hatte ich in Hobart schon so viel Gemüse und Obst gekauft. Ich werde morgen mal Äpfel holen, er hat eine frühe Sorte, die er selber nicht essen will, die will ich trocknen. Er zeigte mir ein paar Tomatenbüsche, die er einfach hat wachsen lassen, ohne die Wildtriebe rauszumachen. Dadurch sind dicke Büsche entstanden, in denen die Tomaten fast völlig verschwinden. Auf diese Weise sind sie vor Vögeln vielleicht sicher, sagte S. Das Problem sind dann die Ratten, denn die lieben so dichtes Gestrüpp, um ihre Nester zu bauen.  Es ist wirklich verdammt schwer, hier der Natur was zu essen abzuringen. Seinen Obstgarten mit einem guten Dutzend Bäumen hat ein einziges Babykaninchen zerstört, das klein genug war, durch den Zaun zu dringen und dann irgendwas, ich nehme an die Rinde, zu zernagen.
Ich erzählte ihm von meinem Stich-Problem. Er sagte, er glaube nicht, dass sich die Sandflys oder was es ist in der Kleidung einnisten. Man wird einfach gestochen, wenn man durch Unterholz läuft oder Holz hochhebt oder in der Erde arbeitet. Sie wandern unter der Kleidung den Körper hoch und stechen einem an die Stellen, wo die Haut weich ist – unter den Armen z.B.
Ich bin sehr erleichtert. Es gibt eben viele stechende Viecher hier, vor allem morgens und abends. Entweder man sprüht sich ein oder man arbeitet nicht in Gestrüpp und Unterholz. Oder man nimmt die Stiche einfach hin. Aber sie nisten sich nicht ein. Damit ist ein großer Druck von mir genommen.

Später war ich auf meiner Bank, das war schön. In der Ferne saß ein großer Vogel auf einem Felsen und hielt die ganze Zeit seine Flügel ausgebreitet, was mühsam war im Wind, er schwankte ziemlich. Es gibt wirklich seltsame Vögel hier.
Später hörte ich von S., dass es sei ein Kormoran, die trocknen auf diese Weise ihr Gefieder, bevor sie schlafengehen. Ich machte ein Foto von ihm, das mir so gut gefällt, dass es eine Extra-Seite kriegt.











Heimweg.

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