Samstag, 20. Januar 2018

Weiterwarten

Jetzt schreibe ich in Echtzeit den Blog.

Der Tag vergeht für Lucy mit warten und für Charly mit den Versuchen, entweder meine Haare anzuknabbern oder mein Brillenband durchzubeißen. Jetzt versucht sie, sich für die, an meiner Sturheit gescheiterten Vergnügungen zu entschädigen, indem sie den Reißverschluss von dem Sofakissen auseinandernimmt.


Lucy bohrte sich die meiste Zeit tief in das Kopfkissen von D. ein und bewegte sich nicht. Zum essen konnte ich sie holen und ich kann sie auf das Terrassengeländer heben, damit sie besser die Straße beobachten kann, alles andere störte sie beim Warten.


Ich selbst las mal wieder die Süddeutsche und hatte wie immer das Gefühl, nichts zu verpassen. Immer noch keine Regierung. In München, die am dichtesten besiedelte Großstadt in Deutschland, planen sie eine neue U-Bahn - die U9. Das interessierte mich, aber dann las ich: 2035. Wann ist DAS denn?!

Dann ging ich hoch in den Garten, um Beeren zu ernten. Die Büsche quillen über.


Um 14.30 Uhr eine SMS von H.: sie sind zurück beim Zeltplatz und gehen Eis essen und sind in frühesten drei Stunden wieder hier.
Wann ist DAS denn?! Würde Lucy jetzt denken, wenn sie es wüsste. Aber ich sage nix.

Grade lese ich in meiner Zitatensammlung von J. D. Salinger (Seymour wird vorgestellt):
Sie sind ein großer Vogel-Liebhaber, sehr ähnlich dem Mann in einer Kurzgeschichte, die Skrule Skeerry heißt, von John Buchan verfaßt ist(...) Sie sind einer, der sich zuerst ganz auf Vögel verlegte, weil sie Ihre Vorstellungskraft beflügeln und Sie faszinieren, weil "sie von allen erschaffenen Lebewesen dem reinen Geist am nächsten kommen - diese kleinen Geschöpfe, deren Normalkörpertemperatur bei 50,8 Grad Celsius liegt"; wahrscheinlich kamen Ihnen wie diesem Mann in der Geschichte von John Buchan viele erregende Gedanken; ich zweifle nicht; es fiel Ihnen ein, daß: "Das Goldkrönchen mit einem Magen nicht größer als eine Bohne, über die Nordsee fliegt. Der Sichelstrandläufer, der so hoch im Norden nistet und brütet, daß nicht mehr als drei Menschen bisher seine Nester gesehen haben - er fliegt nach Tasmanien in die Ferien!" 
Wer sich hier alles trifft, in Tasmanien, was für seltsame Vögel...

Am späten Nachmittag wartete ich mit Lucy zusammen auf der Terrasse, sie erwacht allmählich aus ihrer Agonie. Es ist kühl geworden, der heftige Wind vorhin hat einen Wetterwechsel gebracht. Lucy scheint davon auszugehen, dass sie jetzt bald kommen. Eine zweite Nacht und noch einen Tag - das wäre hart.

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