Ich fing also an, das Tao-Buch zu lesen, dass M. mir schon vor hundert Jahren dringend empfohlen hatte: Theo Fischer, wu wei, Lebenskunst des Taos, mit dem schönen Untertitel: Die Antwort auf alle Probleme unseres Daseins ist unfaßbar einfach.
Da ich meinen Buchhalter dafür nicht brauchte konnte ich mich mit dem Buch in die Hängematte legen – ein ganz neues Lesegefühl. Und das Buch wirkte. Es geht darum, nicht zu denken sondern nur wahrzunehmen. Ich würde eher sagen: nicht zu bewerten, aber das meint dasselbe. Wenn man es schafft, die Denkmaschine zu verlangsamen oder ein bisschen auf Leerlauf zu stellen, dann gelangt man in diesen Zwischenraum der puren Aufmerksamkeit, der Gegenwart heißt. Und von dort aus öffnet sich die Tür zur Intuition, also zum Handeln aus dem eigenen Inneren, der Seele, heraus und nicht aus dem Intellekt. Und es überkommt einen eine große Ruhe. Es ist zuviel fremdbestimmt, was der Intellekt mit sich rumschleppt – einmal von außen bestimmt, dann aber von der Kindheit belastet. All das ist nicht meine Gegenwart. Und wirklich frei sein und man selbst sein kann man nur in seiner eigenen Gegenwart.
Es gelang mir tatsächlich, mich beim Denken, im Sinne von sinnlosem Kreisen um irgendwelchen diffusen Kram der in mir irgendwelche diffusen Gefühle erzeugt, zu beobachten. Und das wiederum war tatsächlich ungeheuer befreiend. Will ich das Zeug, was ich da überwiegend denke? Was soll ich damit? Brauche ich es? Es ist überhaupt nicht langweilig, einfach nur zu schauen, im Gegenteil – es erzeugt einen regelrechten Energieschub. Ich werde mich da mal mehr mit beschäftigen.
Ich legte mich nach dem Essen schlafen und wachte vergnügt wieder auf. Sollte ich zur Bücherei fahren? Bei dem Sturm war der Weg sicher frei. Ich war mir nicht sicher ob ich wollte, da brummte plötzlich mein Mobile. Normalerweise habe ich hier ja keinen Empfang, aber ganz selten dann doch wieder. Und ich hatte es angeschaltet hier neben mir liegenlassen, was ich sonst gar nicht tue. Und es war D., die mich bat am Donnerstag nach Hobart zu kommen, um Haus und Tiere zu hüten, weil die Familie auf eine Wanderung geht. Damit hat sich das mit der Fahrt nach Nubeena erledigt, ich gehe in Hobart ins Netz. Wie sich das fügt! Erstaunlich.
Ich ging mit meinem Tao-Buch zu meiner Bank am Meer. Das Meer war heute wieder was spiegelglatt, nur ab und zu zeigte sich eine Einzel-Welle. Und alle drei, vier Minuten erhoben sich dann plötzlich in langgezogener Linie ganz schnell hintereinander einige Riesenwellen. S. sagte später, das seien Muster, diese Wellenpakete kämen genau abgezählt herein, die Surfer kennen sich damit aus. Ein einzelner Surfer dümpelte im Wasser, er musste lange auf die Pakete warten und wenn er dann eine hatte, konnte er damit quer durch die ganze Bucht surfen.
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| Surfer verpasst Welle. |
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| Surfer von Welle umgehauen. |
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| Surfer wartet auf Welle. |
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| Keine Welle. |
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| Wieder Welle verpasst. |
WIKIPEDIA: Der Kurzschnabeligel, auch Kurzschnabel-Ameisenigel (Tachyglossus aculeatus) ist eine eierlegende Säugetierart aus der Ordnung der Kloakentiere und der Familie der Ameisenigel (Tachyglossidae). Er bewohnt weite Teile Australiens und das südöstliche Neuguinea.
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| Kurzschnabeligel. |
Ich kam durchnässt zu Hause an, und ich fand einen kleinen Berg Aprikosen auf meiner Terrasse. Ich ging später hoch zu S. und er sagte, er sei auch nass geworden im Garten. Den ganzen Tag hatten wir diesen starken, warmen Wind aus dem Norden, dann hätte er total aufgehört und gedreht und sei dann mit dem Regen aus dem Süden-Westen gekommen. Das bleibt jetzt wohl ein paar Tage.
Ich blieb bis spät in die Nacht und S. erzählte aus seinem Leben, wobei er gelernt hat, Hände und Füße zu benützen, damit ich ihn verstehe. Es ist lustig, wie oft kleine Gesten sofort einen ganzen Sachverhalt zusammenfassen können. Ein Lot z.B. kann man darstellen, indem man die Hand auf eine bestimmte Weise abknickt und dabei Daumen, Mittel- und Zeigefinger zusammenpresst. Sofort ist klar, was es ist. Ich lerne Englisch und S. lernt Körpersprache.










