Da war ein netter Witz drin: Jesus ist mit zwei Nörglern beim Segeln. Das Wetter wird immer schlechter, ein Sturm kommt auf und schließlich sagt Jesus: „Mir reicht's, ich geh heim“, und er schreitet über das Wasser zum Ufer zurück. Der eine Nörgler sagt: „Der Typ kann nicht mal richtig segeln!“ Und der andere nickt: „Und schwimmen kann der auch nicht.“
Zwischendurch staunte ich immer wieder über diesen Ort. Von überall her hört man die unterschiedlichsten Vogelstimmen: die kleinen Vögel mit ihrem hohen Zwitschern, die Papageien mit den weit übers Tal gellenden Klagerufen, dazwischen das monotone Quarzen der Raben und das aberwitzige Gekicher und Gekecker der Kookaburras.
Und auch das Rauschen der Blätter unterscheidet sich ganz stark voneinander: hier am Haus spielt der Wind in ihnen mit einem trockenen, feinen Rascheln, aus der Ferne wird das Rauschen dann immer dunkler und klingt wie das Dröhnen einer Autobahn und dazwischen gibt es ganz viele Spielarten von auf- und abflauendem Wispern, Zischeln und Raunen.
Das alles ist unterlegt von einem monotonen Zirpen der Grillen und dem Summen der wenigen Bienen. Viele Schmetterlinge sehe ich hier, die lautlos durch den ewigen Wind taumeln.
Von den unzähligen verschiedenen Grüntönen hier um mich herum will ich gar nicht erst anfangen. Es ist so ein starkes, lebendiges Sein – die Natur, man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wenn man sich das mal in Ruhe anschaut.
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| Selbstportrait im Bad. |
Ich packte Buch und Badezeug ein und ging zum Meer. Niemand war dort, die langen Sommerferien sind vorbei. Es war Ebbe und ich sah mir noch mal die Felsen an. Diese Farben und Formen machen mich immer wieder fassungslos; je länger ich sie betrachte, desto mehr entdecke ich darin. Es ist das krasse Gegenteil von dem nüchternen grauen Gestein, das ich aus Deutschland kenne, das irgendwie eine gewisse zurückhaltende Würde hat. Das Gestein hier wimmelt so wild und bunt durcheinander dass man denkt, das können gar keine Steine sein - es sind steinerne Explosionen, Kakophonien in Felsengestalt. Dazwischen dann immer wieder wunderbare Zeichnungen von anrührender Feinheit und präziser Liniengestaltung mit aquarellfarbenen Gestalten und Formen.
Die Ebbe legte Kolonien von Baby-Muscheln frei, die hier ihre Kinderstube haben. Ich stelle fest: ich weiß nichts über Muscheln. Zum Teil sah ich Felsen übersäht mit winzigen weißen Kügelchen. Als ich näher hinging sah ich: es waren Baby-Schneckenhäuschen.
Ich ging dann zum anderen Ende rüber, wo ich ein windstilles, bequemes Plätzchen in den Felsen fand und las. Wie wunderbar das ist, dachte ich zwischendurch: neben mir warf das Meer unermüdlich seine Wellen an den Strand, in den Klippen schauten ein paar Raben nach Futter und ein paar Möwen tippelten den Strand auf und ab, der Bush und die Klippen leuchteten in der Sonne, und ich sitze da ganz selbstverständlich, ohne Zeitdruck, ohne Verpflichtungen und habe diese Landschaft ganz für mich – einfach so. Lese oder stapfe ein bisschen im Meer herum, das jetzt 20 Grad hat, wie mir R textete, der ich ein Foto geschickt hatte. Es fühlte sich tatsächlich so warm an. Aber ich war zu feige, reinzugehen. Ich schob es auf den Wind, aber innen drin wusste ich: es war Feigheit. Morgen gehe ich!




























