Unterwegs kaufte ich in meinem Frischemarkt Obst und Gemüse ein. Der junge Verkäufer fragte mich, während er die Sachen eintippte und in meinen Taschen verpackte, was ich heute noch so vorhätte. Es ist eine von den Standardfragen, die einem Kassierer immer mal stellen an der Kasse, weil das so üblich ist, aber ich war nicht darauf eingestellt und sagte, ich könne ihm nicht antworten, weil mein Englisch so schlecht sei. Er nickte verständnisvoll und sagte etwas Langes, was ich dann überhaupt nicht mehr verstand. Schließlich wollte ich es doch wissen und fragte: „Hieß das, was du mich eben gefragt hast, was ich heute noch so vorhabe?“ Er nickte.
Begeistert erzählte ich ihm ALLES. Dass ich noch zum Roaring Beach rausfahre, das ich da grade wohne, aber bei meinem Bruder in Hobart zu Besuch gewesen war, dass ich zu Hause dann kochen wolle, dass ich im März wieder zurück muss, dass ich aus Deutschland sei usw. Ich redete und redete ohne Punkt und Komma. Hastig packte er meinen Kram ein und kassierte schnell ab. Der wird nie wieder jemand diese Frage stellen.
Immer noch sind Touristen unterwegs mit der Geschwindigkeitsobergrenze von 60 km/h, was mich zu zwei waghalsigen Überholmanövern zwang, aber viel Verkehr war sonst nicht.
Hier ist es deutlich kälter als in Hobart und es windet. Die beiden Eimer sind wieder weit fort geweht, aber ansonsten gibt es keine Schäden. Ich packte aus, machte den Ofen an und kochte Kaffee. S kam grade mit seinem Stadtauto heim, vielleicht ist er auch in Hobart gewesen. Bald darauf fuhr er mit dem Ute runter zum Garten, aber ich bin zu faul, runter zu laufen. Ich muss jetzt erstmal meinen Umzug vom Outsleeper zurück ins Haus machen und die Gästebettwäsche und Handtücher wieder wegpacken.
Dann ging ich noch zum Strand, der leergeweht war von dem heftigen Wind. Oben auf der Klippe steht eine Gedenktafel von einem Paar, Rosalind und Kevin, das den Sohn Shane durch Krebs verloren hat und die Tochter Valerie durch Selbstmord. Sie ziehen jetzt Kirrah, die Tochter der Tochter auf. Roaring Beach war wohl der Lieblingsplatz der Tochter, hatte S gesagt, der sie kannte. Mir fiel auf, dass es schon eine Entscheidung ist, dass man an so einem Ort eine Gedenktafel aufstellt, die so viel Schwere und Traurigkeit vermittelt. Das Paar hatte die Leute hier gefragt, alle waren einverstanden, aber es ist hart, finde ich, wenn ich dort stehenbleibe und sie anschaue. Vielleicht ist es auch gut, die Härte des Lebens nie aus den Augen zu verlieren, vielleicht erdet das einen.
![]() |
| Meine Blumen! |
Ich war so müde an diesem Abend, dass ich ab 9 Uhr kaum noch die Augen offenhalten konnte. Das passiert mir selten.














