Das Fahren nach Schildern stellte sich als ganz einfach heraus. Kurz hinter Nubeena bog die Straße ab und der Walk war auch schon beschildert. Ich brauchte ihr nur zu folgen, durch die wunderbare Landschaft, die die Peninsula hier entfaltet, weil es genug regnet: grüne Wiesen, bergige, endlose Wälder, kleine Teiche, Kuhherden, ab und zu eine Farm – ich staune immer wieder. Es wirkt so europäisch.
Der Parkplatz war dünn besucht, ich marschierte gleich los, nachdem ich mich ins Registrierungsbuch eingetragen hatte. Hinterher vergaß ich, mich wieder auszutragen, d.h. offiziell gelte ich jetzt wahrscheinlich als vermisst. Aber dieser Track ist so idiotensicher, diese Registrierung ist sicher nur als Thrill für die Touristen gedacht. Hoffe ich.
Erst ging es durch einen sehr schönen Wald, langsam ansteigend den Mount Raoul hinauf, der Höhenunterschied betrug 530 Meter und der Walk ist insgesamt 13,8 km lang. Der Track ist schön gemacht: schmal schlängelt er sich dahin, teilweise über Holzstege, meist Kiesweg und später dann auch Stufen. Hin und wieder kommt man an einen Aussichtspunkt. Mein Reiseführer (Jörg Brüggemann, 2016) beschreibt das so:
Wir halten uns jedoch auf der linken Spur, weiter durch den Wald ansteigend, bis wir ganz überraschend am Rand von Klippen zum Halt kommen. Dieser Platz, hier Mount Raoul Lookout genannt, mit seinem magischen Ausblick verschlägt uns die Sprache. Wie aus der Vogelperspektive blicken wir etwa 400 m hinab über das steil abfallende Landende der Tasman-Halbinsel entlang der weit geöffneten Raoul Bay. Nachdem wir unsere Worte wiedergefunden haben, folgen wir der parallel zur Küstenlinie verlaufenden Wegfortsetzung in Richtung Südosten.Der Jörg Brüggemann. Schwer vorstellbar, dass es ihm wirklich mal die Sprache verschlägt.
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| Schöne Bank. |
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| Keine zwei Meter vom Abgrund entfernt! |
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| Beutel mit Steinen, die der Hubschrauber bringt. |
Ich genoss sehr das Laufen, ich war schnell. Ich schaffte den gesamten Walk, für den 4.30 Stunden angekündigt waren, in 4 Stunden, inklusive Mittagspause. Aber da es auf dem Hinweg nie wirklich steil war und als es steil wurde, bergab ging, kam ich nicht mal ins Schwitzen. Es ist wunderbar, sich einfach so durch die Natur treiben zu lassen, ich genoss auch, dass ich allein war und meinen eigenem Rhythmus folgen konnte. Obwohl es mit S schon mehr Spaß gemacht hat. Außer mir waren nur Paare unterwegs, einmal kam mir ein junges Mädchen entgegen und hob bei der Begrüßung solidarisch den Daumen.
In der Nähe der Küste hörte der Wald auf und ging in eine Gebüschlandschaft über, die She-Oak-Wald heißt(Brüggemann: „windtrotzendes Heide- und Buschland“). Als ich dann zu der Stelle kam, wo die Doloritwände des Caps vor mir lagen, da versagte Brüggemann total, denn er erwähnte sie nicht. Mich dagegen hat das umgehauen. So etwas hatte ich noch nie gesehen: dunkles Gestein, in schmalen Längsplatten aneinandergestapelt, ragte ganz dicht vor einem sehr hoch auf, aber noch viel, viel mehr fällt es ab, ebenfalls direkt zu meinen Füßen, in die Tiefe runter. Es ist verboten, dort runterzufallen, ich weiß nicht, ob es trotzdem schon mal jemand geschafft hat. Eine furchtbare Vorstellung.
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