Donnerstag, 1. März 2018

Feuersturm

Wieder umlagerte die Gruppe der Wallabies das Haus, den ganze Vormittag trieben sie sich hier herum. Ich sah ein Wallaby beim Springen ausrutschen und hinstürzen, das fand ich verblüffend. Untereinander hatten sie etliche Rempeleien und Streitereien und S sagte später, dass sie jetzt wohl dabei sind, die Paarung vorzubereiten.




Der Tag war schwül und dampfig, so ist es ganz selten hier. Ich musste mitten am Tag duschen, so verschwitzt war ich. Nach dem Kaffee ging ich zu S hoch, weil er eigentlich für ein paar Sachen Hilfe brauchte, aber er schloss seine Tagesarbeit grade ab. Er muss morgen auf eine Hochzeit in Hobart und wollte vorher noch Tomaten einkochen.
Es ist schon beeindruckend, wie unglaublich viel er arbeitet, eigentlich unentwegt. Dann aber blieb er doch lange mit mir beim Tee sitzen und erzählte mir aus seinem Leben. Mit 18 fing er ja an zu jobben, um Geld für seinen Landkauf zu verdienen. Da war er dann monatelang bei irgendwelchen Projekten im Busch (einen Staudamm bauen oder sowas) beschäftigt, wo die Männer in Lagern wohnten und nur alle paar Wochen heim nach Hobart kamen. Mit 21 hatte er sein Land und zog hierher. Es wirkt auf mich, wie ein ganz und gar furchtloses Leben: er hatte eine Idee (Land kaufen) und dann machte er das. Ich wäre mit 18 nicht in der Lage gewesen zu sowas, ich hätte vielleicht erstmal einen Bausparvertrag abgeschlossen. Nicht alles gelang ihm, es ist sicher nicht problemlos gewesen und ist es auch jetzt nicht, aber es erscheint mir irgendwie klar und furchtlos, was er tut. Vielleicht ist es in Australien insgesamt eher so, dass die Leute Sachen ausprobieren und nicht so ängstlich sind.
Womit er allerdings ein Problem hat, dass ist die Buschbrandgefahr. Ein richtig schlimmer Brand ist einer, mit starkem Wind. Hitze und Trockenheit gibt es immer, auch Feuer gibt es, aber das alles hat nichts mit einem Feuer dieser Art zu tun, das mit einem starken Wind einhergeht. Es muss wie eine gigantische Explosion sein. Es fegt übers Wasser, es treibt Wolken von brennenden Zeug hoch und lässt es überall niederregnen. Es startet vielleicht an einem einzigen Punkt und rast vorwärts, aber wenn der Wind sich dann z.B. um 90 Grad dreht, dann wird die ganze Länge der zurückgelegten Strecke die Breite der neuen Strecke – es muss unvorstellbar schlimm sein. Dunnally ist ja auf diese Weise vernichtet worden: ein Tag mit „normalem“ Buschbrand und am zweiten Tag kam dieser Wind.
S sagte, er hätte so einen Wind erlebt, da waren sie hier baden unten im Teich. Als sie aus dem Wasser kamen und sich einfach hinstellten in den Wind, waren sie innerhalb einer Minute trockengeblasen. Es war so heiß, dass die Vögel nicht mehr fliegen konnten, sie blieben in den Bäumen sitzen. Und S und die anderen saßen im Schatten der Bäume und beteten: hoffentlich gibt es kein Feuer, hoffentlich gibt es kein Feuer! Einen Brand kannst du bekämpfen, aber nicht diese Sache: dieses Inferno von Wind und Feuer. Es sei reines Glück, sagte er, dass es dieses Tal noch nicht erwischt hat, reiner Zufall. Allerdings verschärfen sie von Jahr zu Jahr die Feuerschutzbestimmungen, immer öfter gibt es die Total Fire Ban Days, auch wenn der Wind noch nicht so schlimm ist.




Blick vom Berg.







Ich ging dann noch hoch auf den Berg, um meinen Rücken zu trainieren. Mittlerweile liebe ich die starke Steigung und das Gefälle sehr und genieße den Gang da hinauf. Und dann sitze ich da ganz oben und schaue übers Meer und über die Inseln, und obwohl ich immer ein Buch dabei habe, kann ich nicht lesen, weil ich immerzu schauen muss.
Ich war grade wieder hier, als ein richtiger Regen anfing – perfektes Timing. Jetzt muss ich tatsächlich wieder den Ofen anschmeißen.

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