Freitag, 16. Februar 2018

Lehrpfad

Ich bereitete mich grade vor mal ein paar Walks hier auf der Peninsula zu machen, denn es gibt hier einige schöne Stellen, da lese ich bei lonely planet: „To the north ist Roaring Beach, which gets wicked surf, but isn't safe for swimming.“
Mann! Verdammt! Was ist das jetzt wieder! Grade, wo ich in meinem Mutmachprogramm so weit fortgeschritten war! Not safe for swimming! Verdammt!
Ein Jörg Brüggemann schreibt: „Die Tasman Peninsula beherbergt eine der aufregendsten Küstenlandschaften ganz Australiens.“
Ich lasse mich am Wochenende in Hobart nochmal von der Familie und von R beraten und dann fange ich das Wandern an! Vielleicht hat S ja auch mal Lust, ich werde ihn fragen.

Ich hatte fast Lust, gleich heute schon mal loszuziehen, aber es ist ein seltsames Wetter. Auf der Terrasse sitzend hörte ich hin und wieder ein langsam anschwellendes Dröhnen, so wie wenn ein Flugzeug startet. Ein richtig großes Flugzeug. Erst war ich ganz erschrocken, weil um mich herum und im Bush auf dem Berg gegenüber sich kein Blättchen regte, dann begriff ich: es ist hinter dem Berg, im Nachbartal. Dort scheint der Wind mit voller Wucht reinzudrücken, wir sind hier geschützt.
Man muss hier seine Wanderungen sehr nach der Wettervorhersage ausrichten, vor allem nach dem Wind. Wenn der aus der falschen Richtung kommt, ist man verloren, dann ist so ein Walk ein Alptraum. S ist da Experte, er hat auf seinem Mobile ständig eine kleine Karte mit dem aktuellen Stand der Winde und Windrichtungen, dargestellt als schnell fließende kleine Pfeile. Sowas liebt er, aber er sagte jedesmal: „Es kann aber auch ganz anders kommen, wir werden sehen.“


Sandmalereien.

Am Nachmittag schien sich das Wetter zu beruhigen, ich packte Bücher ein und zog los zum Strand. Dort aber brach wieder mit aller Macht der Wind über mich herein. Ich dachte, das ist eine gute Gelegenheit, den Rundweg von Peter Adams nochmal abzugehen und zu fotografieren, er ist zwischen Bäumen. Es ist so eine Art Lehrpfad, für meinen Geschmack etwas zu pädagogisch überladen, aber ich will nicht zu kritisch sein.
Er hat die Zeit (Jahrmillionen...) umgerechnet in Meter und dann die Geschichte des Planetens, angefangen beim ersten Lebenszeichen bis heute dargestellt - zum jeweiligen Zeitpunkt steht dann an der entsprechenden Stelle eine Holztafel: erste Einzeller, erste Dinosaurier, erste Haie etc. Anfangs im großen Abstand, da die Entwicklungsschritte sehr langsam waren vom ersten Einzeller an, dann natürlich immer dichter. Dazu gibt es Tafeln mit Gedichten aus der Romantik-Ecke (Rilke etc.) und schließlich hat ein Freund von ihm die Pflanzen und Lebewesen der verschiedenen Epochen sogar noch auf Bildtafeln dargestellt.
Er war mal mit dem Ganzen eine zeitlang bei Lonely Planet als Sehenswürdigkeit dargestellt, aber da dann zu viele Leute kamen, nahm er es wieder raus. Das halte ich für schade, denn jetzt liegt die ganze Sache doch recht verlassen da und er hat wahnsinnig viel Geld reingesteckt.
Schön sind die Bänke, die am Weg aufgestellt sind, wo es eine weite Sicht übers Meer gibt. Er hat darin z.B. runde Steine vom Strand unten und dicke Äste in die Sitzfläche eingelassen, man kann sie rausnehmen wie bei diesem Kinderspiel, wo die Kinder Dreickecke, Kreise oder Quadrate in das richtige Loch drücken müssen. Oder eine Sitzfläche besteht nur aus herausnehmbaren Holzklötzen, deren gemeinsame Oberfläche eine geschwungene Fläche ergibt. Sie sind ästhetisch schön und von einem liebevollen, freundlichen Geist beseelt, diese Bänke.

















So sehen Bäume an der Küste aus...







Der Weg führt an der Küste entlang, rüber zur anderen Bucht und dann zurück. Er hat einen sehr großen Grund, von dem er, um leben zu können, schon einige Teile sehr teuer verkauft hat. Es ist eine wilde Küstenlandschaft, dazu ein wunderbarer Blick hinüber zu Bruny Island, das romantisch im Dunst versinkt. Zu Füßen des Berges toben oder rollen majestätisch die Wellen, die hier direkt von der Antarktis ankommen und sich auf dem weiten Weg ohne Hindernisse aufbauen konnten. Aber: Wind. Man kann sich wahrscheinlich sehr häufig dort einfach nicht aufhalten.















Ich war froh, als ich wieder unten am Meer war, das so unbekümmert und wild und wunderbar ist. Ich hockte mich lange in sicherer Entfernung davor und schaut ihm zu. Einmal schickte es eine lange, lange Welle auf mich zu. Ich war mir nicht sicher, ob ich aufspringen und fliehen sollte, blieb aber sitzen. Und zwei Zentimeter vor meinen Schuhen verebbte sie. Das sind die typischen Scherze des Meeres, die macht es, wenn es einen mag. Aber mag es mich genug, um mich nicht zu töten? Das weiß ich eben nicht.



Zwei Zentimeter Abstand...







Dabei fällt mir eine Geschichte von S ein: eine Frau, die 'mein' Haus mal gemietet hatte und dort mit ihrer kleinen Tochter lebte, war mit dem Kind (drei Jahre alt oder so) am Strand, mit jemand anderen, ebenfalls mit kleinem Kind. Sie packte die beiden Kinder an eine sichere Stelle an den Dünen und ging schwimmen. Da kam dann auch so eine „Monsterwelle“, völlig unerwartet, sie packte die beiden Kinder und nahm sie mit sich zurück ins Meer. Meine Güte – ich weiß nicht, wer von den Erwachsenen sofort hin ist und sie rausgefischt hat, aber es gelang. S hatte noch ein paar andere Geschichten auf Lager von Kindern, die hier in Wasserlöcher und Teiche gefallen sind und gerettet wurden oder von allein rauskamen. Also: keine Verluste hier, solange ich nicht schwimmen gehe.

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