Heute war R da, die Nachbarin von meinem Bruder, die mich in ihrem Haus übernachten lässt. Sie kam schon morgens, noch ehe ich gefrühstückt hatte und blieb bis zum späten Nachmittag. Es war total schön, jemand alles zeigen zu können: Ss Garten, meine Bank am Meer und dann den schönen Platz drüben in den Steilklippen, wo wir uns für Stunden niederließen.
Als wir zurück waren machte sie ein wundervolles Mittagessen mit Salat, Frühlingszwiebeln und Tomaten aus ihrem Garten und Käse, Fisch und frischem Brot. Es war großartig!
Anschließend gingen wir hoch zu
S, der grade pausierte und uns Tee machte. Es ist schön, einfach so
zusammen zu sitzen und zu plaudern, die Sonne schien herein und draußen
scharrten die Hühner, es war still und friedlich. S und R tauschten sich
aus, sie kennen sich ja eher flüchtig. Wenn sie sich unterhalten,
sprechen beide sehr Australisch, das ist ein ganz anderes Englisch, als
S normalerweise mit mir spricht – es ist ein erstaunlicher Unterschied.
S erzählte, dass er seinen Hund, den Merlin, einen Deutschen
Schäferhund, einmal für einen Monat abgeben musste, weil er einen Job im
Mainland hatte. Als er dann zurück kam, geriet Merlin bei seinem
Anblick völlig in Panik, warf sich auf den Boden, kroch ängstlich weg
und zeigte alle Gesten der Reue. Einen Tag lang war er so, bis er
begriff, dass die lange Abwesenheit von S nicht eine Strafe gewesen war,
für irgendeinen Frevel, den er unwissentlich begangen hatte und mit Ss
Erscheinen jetzt nicht das jüngste Gericht über ihn kam. Er hatte es
sich nicht anders erklären können, als dass S das absichtlich mit ihm
gemacht hat, so sehr hat er gelitten.
Als R abgefahren war, legte
ich mich in die Hängematte unter den Bäumen am Outsleeper, aber die
Zeit ist vorbei: es ist zu kalt. Die Sonne verschwindet jetzt relativ
bald hinter dem Berg und dann fällt sofort die Temperatur und ein Wind
setzt ein. Es ist einfach Herbst, da führt kein Weg dran vorbei. Die
Abende enden nun mit einem Buch auf dem Sofa, vor dem lodernden
Herdfeuer. Draußen rumorte so ein Possum, dass ich hin musste, um es
streng zur Ordnung zu rufen.
















