Ich sitze in der Business-Longue in Hobarts Flughafen, denn sie haben hier eine! Die Leute essen alle, als wäre dies ihre letzte Mahlzeit für die nächsten Tage, dabei gibt es im Flugzeug doch Frühstück.
Die Nacht war kurz, D war auch aufgestanden und Lucy betreute uns alle drei mit aufmunterndem Gewedel. Um 5 Uhr sind H und ich aufgebrochen.Die Straßen waren leer, einigen Wallabies mussten wir ausweichen, wir waren schnell da. H half mir mit dem Gepäck und hatte die Genugtuung, sich dafür mit mir am Business-Schalter anstellen zu können, wo es keine Schlange gab. Ich hätte ihn als Guest noch mitnehmen können in die Longue, aber er fuhr dann wieder heim.
Jetzt sitze ich im Flugzeug nach Sydney, nach dem spektakulärsten Sonnenaufgang meines Lebens über Tasmanien. Als wir starteten sah ich den Berufsverkehr nach Hobart rein: eine endlose Schlange mindestens bis Sorrell rüber, die sich im Schritt-Tempo auf die Stadt zuschob.
Über dem Mainland ist es wolkenlos und ich sehe tatsächlich etwas von Australien. Es ist ja eine Schande, dass ich nie dort war.
Ich war weise genug, auf das Frühstück zu verzichten, weshalb mich die Stewardess bestrafte, indem sie meinen Sitznachbarn ausdrücklich lobte („Great!“), als er sich Würstchen und Rührei bestellt. Mir reichte schon der Geruch. Dafür knurrt mir jetzt der Magen.
Ich habe vergessen, einen meiner Koffer zu verriegeln, fiel mir siedendheiß ein, es ist der, wo die Bücher drin sind. Und ich habe mein australisches Geld und meine Kundenkarten nicht zurückgelassen bei der Familie. Ich hoffe, mehr Katastrophen wird es nicht geben. Zum Glück wird das Gepäck bis München durchgecheckt.
Womit ich völlig überfordert war, war der Sicherheitscheck in Hobart, das hatte ich ganz vergessen, wie das geht und hatte es irgendwie in Hobart nicht erwartet. Man muss ja Schuhe und Jacke ausziehen, Notebook, Aku, Handkoffer und Handtasche einzeln in Körbe legen und checken lassen. Was mich verblüffte: ich hatte in meiner Tasche noch eine Flasche mit Tee drin, die haben sie nicht entdeckt. Damit hätte ich jetzt den Flugkapitän überschütten können, um das Flugzeug zum Absturz zu bringen.
Meine Güte, dieser Kontinent ist leer. Es ist hügelig, hin und wieder sehe ich eine Straße, ein paar Häuser, einen Wald, aber überwiegend gibt es nur trockene Hügel. B, der Builder, der unser Haus in Roaring Beach gebaut hat, hat erzählt, dass er von seiner Farm im Mainland vier Stunden unterwegs war, wenn er einkaufen wollte, und in diesen vier Stunden traf er niemand. Ich weiß gar nicht, ob es noch einen anderen derartig menschenleeren Kontinent gibt. Grade überfliegen wir etliche Windkraftanlagen. Von hier oben sieht es wie ein Friedhof aus. Der Pilot geht vom Gas, wir gleiten. Gehen wir schon in den Sinkflug über? Acht Uhr ist es.
Ja, wir sind gelandet. Mittlerweile sitze ich in der Business-Longue in Sydney. Es sind hier 21 Grad, die Sonne scheint. Ich habe den besten Frühstücksbrei meines Lebens gegessen, dazu frische Früchte und Joghurt. Ein Glück habe ich das Frühstück im Flugzeug ausgelassen!
Der Flughafen ist groß, ich muss in ca. vier Stunden Gate 24 finden. Ich habe meinen Boardingpass gegen einen Adapter eingetauscht und bin nicht sicher, ob der Rücktausch klappen wird.
So häufe ich hier meine Sorgen an.
Elf Uhr durch. Die Business-Lounge hat sich geleert. Was ist los? Gehen hier alle Flüge am Vormittag weg, nur ich muss bis nachmittags warten? Niemand klärt mich auf, alles muss ich mir alleine denken.
Grade sehe ich: das Buffet wurde ausgetauscht! Meine Güte! Die Frühstückssachen sind weg, jetzt stehen Salate dort, Desserts und in den Warmhaltebehältern wird auch was Neues sein. Berge von frischem Obst gibt es durchgehend.
Das sind die Sensationen, die mein Leben grade erschüttern. Ich überlege, ob ich mir vom Servicepersonal einen Besen ausleihen kann, um den Lautsprecher über mir zu zerstoßen.
Wenn ich wollte, könnte ich was drucken, man stellt uns einen Drucker zur Verfügung. Wir Business-Leute prahlen gerne mit unseren Möglichkeiten.
Eine junge Dame vom Servicepersonal beugt sich plötzlich über mich: „Good morning, madame. Do you like some burger?“ Und sie hielt mir einen Teller mit einem Hamburger hin. Ich kann unmöglich, schon zu Mittag essen.
So, jetzt habe ich mir eine Rotweinschorle gemischt und davon Hunger bekommen. Ich aß ein wahnsinnig gutes, sehr scharfes Curry, das mich von innen her erwärmte und beflügelte. Bin sehr zufrieden. Es ist 13 Uhr durch. Bald gehe ich mal mein Gate suchen. Aber erstmal noch was von diesen Schokoladenkuchen...
Jetzt sitze ich im Flugzeug, habe mich eingerichtet (Bücherhaufen!), habe Champagner getrunken, mich mit einem heißen, feuchten Tuch erfrischt, mir die Schuhe ausgezogen und verspüre Hunger. Man reicht mir die Menükarte. Ich nehme: Italien-style prosciutto grilled artichokes and Kalamata Olives als Starter. Dann: Pan-fried Barramundi filet in tomate caper sauce with fresh herbs risotto. Und als Dessert: Chocolate and salted caramel tart with crème fraîche.
Dieser Kuchen hat mich schier umgebracht - der war so gehaltvoll und gut und viel, viel zuviel für mich, aber ich habe ihn ganz und gar verschlungen. Danach musste ich meinen Sitz runterfahren und ganz lange ruhen.
Wir flogen über ein wolkenloses Australien - übers Outback. Das ist wirklich unheimlich, wie ein fremder Planet sieht das aus: diese rote Erde, von vielen trockenen Wasserläufen durchzogen, hin und wieder ein paar Bäume oder Büsche und das über STUNDEN. Kein einziger Weg, kein Haus, kein Ort - nichts. Flach und scheckig wie roter Marmor. Sehr beeindruckend.
Jetzt bin ich in Singapur in der Business-Lounge. Ich habe nur eine Stunde Zeit, dann geht es weiter nach London. Diesmal habe ich mein Handgepäck mitgenommen aus dem Flugzeug.
Mein Notebook zeigt tasmanische Zeit: 23:50 Uhr, aber hier ist es 20:50 Uhr. Ich bin seit halb 5 Uhr auf, das ist ein langer Tag.
Der Flug hierher war hart, ich habe irgendwann richtig Durst bekommen, aber ich wusste nicht, wie ich an was zu trinken komme. Die Stewardess verstand ich einfach nie, sie sprach so leise und schnell und sie hatte über den Augen so kleine Besen geklebt, das sah unheimlich aus, ich mochte sie nicht fragen. Es gelang mir dann, von einer anderen zwei Gläser Wasser zu bekommen, aber ich glaube, mir entgeht da was beim Service. Aber gut, gleich wenn wir weiterfliegen nehme ich eine Schlaftablette und hoffe, ein bisschen Ruhe zu haben.









