Mittwoch, 21. März 2018

Walk

Ich fuhr zur Waterfall Bay, parkte und ging gleich los, den Tasman Costal Track Richtung Fortescue Bay, den ich ja mit S zusammen im Regen gegangen war. Diesmal war das Wetter perfekt: nicht zu heiß, hin und wieder Sonne und kein Regen. Ich war wieder sehr beeindruckt von den umgefallenen Baumriesen, die dort immer mal wieder liegen und langsam verrotten. Und unter den großen Farmbäumen durchzulaufen, durch das feuchte, grüne, moosige Wirrwar des Regenwaldes ist etwas Besonderes, es ist so eigen, eine eigene Welt.




















Was hat dieser Baum?!



Oben auf dem Berg sieht es völlig anders aus, mit anderen Pflanzen und ganz anderen Farben. Ich ging diesmal noch ein Stück weiter als das letzte Mal, weil ich wunderbare Fernsicht hatte und sah weit über die südliche Peninsula, der Tatnells Hill ist dort 545 m hoch.







Adler.




Dann drehte ich um, ging ein Stück zurück und bog in den Track zum Clemens Peak ein. Und das war nun ein echtes Abenteuer. Denn von einem Pfad kann eigentlich kaum die Rede sein, es war nur eine winzige Spur durch die Wildnis, so wie die Wombats sie hinterlassen oder ein kleiner Wasserlauf. Mir war schon etwas mulmig, denn wenn ich mich hier verlaufen würde, dann hätte ich wirklich ein Problem. Es ging erstmal bergab durch dichten Wald, nur ganz selten sah ich mal eine Markierung und wusste dadurch, dass ich richtig war.
Dann ging es sehr steil einen Berg hoch. Erst steil, dann richtig steil. Und schließlich musste ich wie eine Bergziege an einer Felswand hochsteigen, einen winzigen Pfad, der nur ganz selten mal durch aufeinandergehäufte Steine als solcher gekennzeichnet war.
„Oh, Gott“, dachte ich. Sollte ich mich verlaufen und zurück müssen, dann müsste ich da wieder runter... Ich keuchte weiter, zu erschöpft, um was zu essen, zu ängstlich, um mal anzuhalten. Schließlich landete ich ganz oben auf einer Klippe, laut Brüggemann 425 m hoch:
„Mit den Steinwällen des Berges im Vordergrund bietet sich von dieser Höhe ein grandioses Aussichtsspektakel, welche das i-Tüpfelchen einer begeisternden Tour darstellt.“
Ja, ja, es war eine schöne Weitsicht, aber ich war so in Angst, da nicht wieder wegzufinden, dass ich mich nicht lange aufhielt. Ich suchte den Pfad nach unten (Brüggemann: „Markierungen beachten!“), aber ich fand ihn nicht. Ich sah nur Geröll, abfallende Felswände, Gestrüpp. Keine Markierungen. Nach einigen Fehlversuchen, die zum Glück so eindeutig in Sackgassen endeten, dass ich mich nicht groß verlaufen konnte, gelang es mir tatsächlich, in all dem Geröll und den Felsbrocken eine Markierung zu entdecken: drei aufeinandergestapelte Steine, die eindeutig von Menschenhand gestapelt waren. Ich segnete den Stapler und konnte dann tatsächlich eine Spur erahnen, erst steil, steil bergab zwischen den Felsen, später noch viel steiler durch den Wald. Was für ein Glück, dass ich von oben kam, es ging ewig so steil runter. Ich ließ mich quasi, rechts und links an Bäumen hangelnd, den Pfad herunterfallen. Und immer wieder jubelte ich (innerlich), wenn ich mal eine Markierung entdeckte. Aus lauter Glück machte ich dann sogar selber hin und wieder eine. Was kann es schöneres geben, als eine Markierung?










Markierung.
Und dann kam ich tatsächlich auf den alten Track zurück. Was für ein Unterschied: bestimmt einen halben Meter breit, behäbig, abgesichert, mit Stufen und Randsteinen zog er sich gemächlich durch den Wald, der richtige Weg für ältere Damen. Ich war so erledigt, dass ich das Gefühl hatte, ich stehe und der Weg zieht unter mir durch und bewegt meine Beine.
Am Parkplatz bei dem Aussichtspunkt sammelte der chinesische Fahrer eines Kleinbusses grade seine Fahrgäste wieder ein und hob anerkennend den Daumen, als ich aus dem Wald taumelte. Ich war alle. Aber: kein Muskelkater am nächsten Tag.

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