Abends:
Ich bin nach dem Mittagsschlaf hoch zu S2, dem deutschen Surfer. Ich hatte den ganzen Tag die Kettensäge gehört, zur Zeit machen alle Holz für den Winter. Als ich hinkam, fand ich aber nur zwei junge Deutsche vor, S2 selbst war nicht da. Es landen immer wieder Surfer und Rumreisende bei ihm, wollen meist nur eine kurze Zwischenstation einlegen und bleiben oft für Monate hängen, so auch der eine dieser beiden letztes Jahr. Jetzt war er zurückgekommen für ein paar Wochen und wollte dann noch nach Neuseeland und in die USA. Er machte Holz für S2, der andere war drinnen und kochte. Ich hinterließ eine Nachricht und ein paar getrocknete Äpfel und ging wieder zurück. Ein Nieselregen streifte durch das Tal, ich sah mein braves, kleines Häuschen unten liegen, aus dem Schornstein stieg Rauch.
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| Abzweigung zu S2. |
Ich ging hoch zu S, weil ich keine Milch mehr hatte, er füllte mir welche ab und klagte über seinen Termin bei der Osteophatin, die sich hatte vertreten lassen von einer Kollegin, die ihm nicht geholfen hat. Dann fuhr er los, Holz holen und ich ging auf den Berg. Das Meer war seltsam glatt, wie eine Silberplatte, die Sonnenstrahlen, die die Wolkendecke durchdringen konnten, malten weiße Stellen darauf.
Als ich zurück kam, kam S auch grade wieder. Er fing an, zu hacken und ich lungerte dabei herum und schaute ihm zu. Er behauptete, das Hacken wäre ein gutes Training für seine Knochen. Knochen müssen durch schweres Gewicht und durch den Schock des Hackens animiert werden, stark zu werden. Wenn man immer nur gemütlich rumsitzt, dann denken die Knochen, sie könnten ruhig schwach sein. Sowas sollen seine Knochen niemals denken.
Natürlich durfte ich nicht helfen, aber nach einer Weile gab er nach und erlaubte mir, die Schubkarre zu holen, die Scheite aufzuladen und im Schuppen zu stapeln. So was liebe ich ja: Holz stapeln!
Er fand eine Larve und hob sie in einer Schale für die Hühner auf. Irgendwann rief er begeistert: „Hey! Here I've been waiting for!“ und hielt er eine zweite Larve hoch. Denn er hat zwei Hühner und Fairness ist sein oberstes Gebot.
Als wir fertig waren und den Stapel betrachteten, sagte er (auf Deutsch): „Wunderbar!“ Seine Deutschkenntnisse machen rapide Fortschritte. Er kann auch „Auf Wiedersehen!“, das sind zusammen schon drei Worte. Und er hatte Deutsch in der Schule!
Morgen wollen wir nach dem Walk zur Bücherei, er muss seine Bücher verlängern und ich will mich verabschieden. Ich sagte, ich wolle der Bibliothekarin einen Obstkorb schenken, sie ist ein bisschen übergewichtig, da wäre Schokolade sicher nicht so gut. Da war ich an den Richtigen geraten. Hellauf empört rief er: „Du willst ihr was schenken und kommst dann mit dem Gemüse? Sie wird sich fragen: wo ist meine Schokolade?!“
Also gut, ich werde auch Schokolade zwischen das Obst legen.
























