Sonntag, 22. Oktober 2017

Garten

Ein stiller Tag, ich bin um 6 Uhr aufgestanden, es war kühl aber nicht kalt, habe den Ofen angemacht und draußen auf der Terrasse auf die Sonne gewartet, die meine Erwartung prompt erfüllte. Allmählich kann ich mich besser konzentrieren aufs Lesen, das ist gut.
Ein Tag ohne Abenteuer – das Auto blieb unbenutzt. Ich las, befestigte Regale in der Speisekammer, las, machte ein Namensschild für mich und hängte es auf, las, fing an, den verwilderten Garten zu entrümpeln, las, machte Mittagessen. Wenn ich 'las' sage, dann meine ich: zwei, drei Sätze.


Nach dem Essen legte ich mich ein bisschen hin und bin total fest eingeschlafen. Es ist, als wenn mich jetzt eine Erschöpfung einholt, aber da nichts mich treibt, kann ich ruhen, soviel ich will. Am späten Nachmittag ging ich den Berg hoch, um in meinem Telefon nach Nachrichten zu schauen. Die beiden prächtigen Hühner von S. scharrten im Wald und starrten mich neugierig mit ihrem typisch seitlichen Hühnerblick an. S. brach grade mit dem Auto auf, ich winkte ihm zu. Er hielt kurz an und sagte, er fährt zum Garten runter, wird ein paar Stunden arbeiten, wenn ich Lust hätte, sollte ich runterkommen, ich bräuchte auch nicht zu arbeiten.
Ich holte meine Kamera und ging runter – es ist ein wunderbarer Garten. Natürlich rund angelegt. Da es hier keinen strengen Winter gibt, wächst noch ganz viel vom letzten Jahr und wird grade von ihm aufgebraucht. Neben dem Garten liegt ein Teich, mit dem er ihn bewässert.















Ich bat um Arbeit und durfte einen Weg von Unkraut freimachen. S. ist total gut organisiert: ich bekam Handschuhe, einen Reißhaken, eine Matte zum drauf knien. Es hat total Spaß gemacht, dort zu sitzen und Unkraut zu jäten, während um uns die Vögel in den Bäumen knarzen, pfiffen und kreischten und der Wind durch den Wald rauschte. Ab und zu erklärte S. mir, welcher Vogel grade schrie. Am Abend werden sie sehr aktiv, meinte er, als würden sie sich austauschen, wer alles da ist und was so los war tagsüber. Er ist immer neugierig, wer von ihnen das letzte Wort hat.
Schwalben gibt es hier auch, ich hatte zwei am Haus. Dort unten sind auch etliche, weil in der Dämmerung die Insekten rauskommen am Teich. Die Schwalben kämen jedes Jahr zur selben Zeit zurück, sogar so ziemlich genau am selben Tag: am 8. oder 9. September, sagte S.. [Ich komme mir schon vor wie in den Geschichten „Papa, Charly hat gesagt...“ - bei mir heißt es immer „S. hat gesagt“. Aber ich fühle mich hier einfach wie eine totale Anfängerin, deshalb ist alles, was S. sagt neu und wichtig für mich. So gefühlsmäßig.]
Zwei Wallabies mit Jungen im Beutel umhüpften in ihrer scheuen und stillen Art den Gartenzaun. S. füttert sie mit frischem Zeug, was sie lieben. Sie kommen sofort, wenn er im Garten arbeitet. Sie kauen ganz langsam und schauen fortwährend um sich. Das Kleine muss immer warten, bis die Mutter sich bückt und rafft dann auch ein bisschen Grünes, die Hauptnahrung ist aber Milch. Wallabies haben Ohren, die sie unabhängig voneinander in alle Richtungen bewegen, wie kleine Antennenschalen.

Mein Hügel.
Unsere Brücke. Mein Haus.
Ich übertrieb es nicht mit dem Arbeiten, wurde gelobt und trollte mich zurück. Dabei war ich klug genug, sofort meine Hose auszuziehen und die Blutegelkontrolle zu machen. Und da war einer an meinen Schienbein! Ich rollte ihn zwischen den Fingern, bis er endlich losließ. Er hatte noch keinen Schaden angerichtet. Es nutzt überhaupt nichts die Hosenbeine zuzubinden, die kommen überall durch. Am besten ist es, keine lange Hose zu tragen, glaube ich. Im Sommer wird das wohl besser mit diesen leeches, da ist es zu trocken für sie.
Jetzt kommt die Dämmerung, ich schaue durchs Fenster der Speisekammer rüber auf den Hang und sehe tatsächlich den Wombat pünktlich seines Weges ziehen. Ich hoffe, Wombats essen Blutegel.
Da ich heute den Ofen an hatte ist genug heißes Wasser für ein schönes Bad, diesmal ohne Sterne, da der Himmel bewölkt ist. Ich wollte lesen in der Wanne, aber die Batterien waren unbemerkt aus der kleinen Solar-Leselampe rausgefallen, als sie draußen zum aufladen stand. Mist! Ich stieg aus der Wanne, holte mir die Taschenlampe und benutzte die zum lesen, was mühsam ist. Das sind so die Probleme.

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