Heute wehte ein kalter Wind, ich zog mit meinem Stuhl um die Hausecke herum und machte ein gewaltiges Feuer im Ofen. Jetzt, am Abend, liege ich in der Hängematte und frage mich, warum es nicht mehr kalt ist, da kommt es mir: der Wind hat sich gelegt. Die Grundtemperatur ist hier meist nicht niedrig, es ist der Wind vom Meer.
Heute Morgen war ich am Meer, um meine Nachrichten zu checken. D. schrieb, dass sie am Donnerstag zum Einkaufen von den wetsuits gehen, d.h. ich fahre Mittwoch nach Hobart. Ich habe also zwei Tage Zeit, um meine Panik aufzubauen.
Das Meer war wild und schön und brandete um die Felsen.
Ich habe heute viel gejätet und geräumt, habe nun fast das gesamte Gelände von der Tierkacke befreit. Der Boden ist sehr hart und überzogen mit einer, von den Wallabies konsequent auf einen Zentimeter kurzgehaltenen Grasdecke, in die sich Moos mischt. Darauf lag über- und überall diese trockene, harte Tierkacke in verschiedener Größe, außerdem Knochen und Federn und was die Tiere sonst noch so zurückließen bei ihren Partys. Ich habe gefühlte zwanzig Schubkarren davon weggekarrt – zurück blieb eine Art dicker, grüner Teppich rund um das Haus und den Outsleeper, auf dem man jetzt barfuß laufen könnte. Auch etliche Disteln habe ich ausgehackt.
S. kam und brachte mir eine ganze Tüte voll lemons. Ich habe das Gefühl, in der Küche tropft irgendwo unten Wasser und wir krochen beide unters Haus und sahen uns den Abfluss an. Fanden nichts. Er zog ab zum Garten, um Tomaten zu pflanzen.
Ich ging nochmal zum Meer. Unterwegs hörte ich einen Vogel der sich anhörte, als wenn jemand mit einer Handkurbel versucht ein Auto anzulassen, das siebzig Jahre lang unbenutzt in einer Scheune gestanden hat. Die Vögel hier sind oft sehr groß, jedenfalls die, die diesen Lärm machen. So ungefähr wie unsere Krähen
. Ich glaube, es gibt sehr viele Sorten. Viele haben sehr, sehr seltsame Schnäbel. Aber ich will sie nicht kritisieren. Die sind sicher irgendwie nützlich, diese Schnäbel.
Die Dämmerung sinkt herab und über meinen prächtigen grünen Rasen vor dem Haus hüpft ein Wallaby. Dann bleibt es sitzen und schaut mich still und fragend an. Als ich mich nicht äußere, kratzt es sich am Bauch und hüpft den Berg hinauf. Den Wombat habe ich heute nicht gesehen.
Ich bin ein bisschen kraftlos grade und möchte nur ruhen. Wie gut, dass ich jetzt nicht diesen steilen Berg hochhüpfen muss.