![]() |
| White Beach |
![]() |
| Brother and Sister |
![]() |
| Mein braves Auto |
20:15 Uhr
Ein weiterer Tag voller Abenteuer und Aufregungen liegt hinter mir. Es ist der letzte Tag meiner ersten Woche hier. Das ist mein größter Kummer: dass die Zeit so schnell vergeht.
Ich war in der Nacht so gegen 4 Uhr aufgewacht und dachte, jetzt ist es ja nicht mehr lange bis zum Aufstehen, ich döse noch weiter. Ich wachte dann nicht wie gewohnt um 6 Uhr auf sondern um 8.30 Uhr! Da muss ich wirklich Schlaf gebraucht haben, ich war erstaunt. Ganz zerschlagen war ich, vom langen Schlaf. Der Tag war bewölkt, abgekühlt auf 20 Grad oder so, ideal zum lesen. Aber auch zum Holz-machen... Das Holz siegte zeitweise, manchmal konnte mich der Harari aber doch fesseln.
Plötzlich war es schon Mittag, ich legte mich nach dem Essen kurz hin, und dann stürzte ich entschlossen zum Auto! Ich wollte zur library! Koste es, was es wolle! Ich wollte diesen Blog ins Netz bringen, der wuchs und wucherte in meinem Notebook und ich brachte ihn nicht los.
Ich war noch keine fünfzig Meter gefahren, da kam mir ein Wagen entgegen – eine sehr nette Frau am Steuer, es war kein Problem aneinander vorbeizukommen. Dann verfuhr ich mich einmal und als ich zurück auf den Weg kam, war ich auf der falschen Straßenseite (rechts, wo die normalen Menschen ja fahren). Zum Glück merkte ich es irgendwann, aber es verunsichert mich, dass das immer wieder passiert.
In Nubeena wählte ich auch erstmal die falsche Abzweigung, kehrte um, fand die richtige und wieder ordnete ich mich auf der falschen Seite ein! Ich merkte es daran, dass mir dann ein Auto auf meiner Spur entgegenkam. Weit weg, also kein Problem, aber blöd ist es schon. Wenn ich mich auf mehrere Sachen gleichzeitig konzentrieren muss, gelingt mir das mit dem Wechsel zum Linksverkehr nicht mehr. Ich zog schleunigst links rüber, winkte dem Autofahrer zu, der gelassen lächelte.
Dann fand ich die Schule und fand einen Parkplatz. Ich durchquerte das Gelände, es war so gegen 15 Uhr, d.h. die Schule war grade aus. Ich fragte zweimal nach der library und man wies mir den Weg. Sie ist ans Schulbüro angeschlossen und hat viermal die Woche auf, in der Regel am Vormittag, am Freitag aber am Nachmittag, ab 15.30 Uhr. Ich erkundigte mich im Büro, ob ich dort in der Bücherei mit meinem Notebook ins Internet kann – jawohl, das ginge.
Ich fuhr wieder los, an drei Schulbussen vorbei, in die grade all die Zwergerl in dunkelblauer Schuluniform einstiegen – total süß. Leider verpasste ich wieder die Einfahrt vom Supermarkt, deshalb fuhr ich weiter und versuchte nochmal, den White Beach zu finden, den Horst mir gezeigt hatte. Diesmal gelang es mir! Ich parkte und wanderte ein bisschen dort herum. Dem Strand vorgelagert sind zwei Inselchen, die sinnigerweise Brother and Sister heißen. Der Strand war menschenleer, das Meer plätscherte harmlos, das ist eine schöne Stelle zum Baden ohne Kampfanzug.
Zurück an der Schule fand ich die library geöffnet und die nette Bibliothekarin half mir ins Internet. Ich zog mich in eine Ecke zurück und arbeitete zwei Stunden daran, den Blog zu aktualisieren. Im Hintergrund hörte ich die Leute kommen und gehen, die sich Bücher holten. Es gab einige Diskussionen über die Lektüre und die Bibliothekarin war sehr eingespannt. Ein schöner Ort! Als ich fuhr bedankte ich mich nochmal und sagte, dass ich jetzt für ein halbe Jahr hier wohne und dauernd kommen werde. Sie freute sich, die Gute.
Ich verfuhr mich nochmal auf dem Rückweg, obwohl Nubeena so klein ist, aber das Autofahren verlangt mir soviel Konzentration ab, dass meine Orientierung leidet. Mein Arbeitsspeicher ist überlastet. Aber das wird schon werden. Irgendwann wird es mir auch gelingen, zum Supermarkt einzuscheren. Auf der Strecke zurück kam mir nicht ein Auto entgegen. Ich hatte so Angst vor dem Wassertanklastwagen, der wegen dem Brand hier noch unterwegs ist. Sie haben bei S. unten am Speicher irgendwas kaputt gemacht, so dass sein ganzer Speicher ausgelaufen ist. Er hat es repariert und ihn mit Wasser vom oberen Speicher – er wohnt auf dem sehr steilen Berg hier neben mir – volllaufen lassen. Nun soll der Wassertankfahrer ihm den Speicher oben wieder füllen, traut sich aber nicht den Berg hoch. Er wollte es erstmal mit dem leeren Wagen probieren, aber ich habe ihn nicht gesehen. Auf dem schmalen Weg hier ein LASTWAGEN... das ist nicht auszudenken. Rückwärtsfahren kann ich nicht, dran vorbei kann ich nicht... Also: ich sorge mich.
Also ich wieder hier war, machte ich mir einen Espresso, warf mich aufs Sofa und atmete auf. Wieder ein großer Schritt ist getan: ich habe Internet. Nur mailen kann ich nicht, da kriege ich eine unverständliche Fehlermeldung. Empfangen kann ich Mails aber schon. K. schreibt:
Hier tut sich auch einiges, habe durch Vermittlung von M. R. Kontakt aufgenommen mit dem Kollegen in Hobart, sie haben mich eingeladen zu der besagten Tagung vom 8.-10. Februar, können aber keine Flugkosten/Unterkunft bezahlen oder mit übernehmen, das könnte ich aber partiell von der Hochschule erstattet bekommen, also wir kommen!„ALLES schon gesehen“ schreibt sie und meint Australien. Sie ahnt nicht, dass ich noch nichts von meiner Halbinsel hier(Peninsula) gesehen habe, nicht mal bis Sorell oder Hobart vorgedrungen bin, geschweige denn in den restlichen Teil von Tasmanien. Von Australien wollen wir noch lange nicht reden. Ich muss schließlich noch Holz machen!
Morgen dann werden wir die Flüge buchen, wenn Du kein Veto bis dahin einlegst!! Dann kämen wir ca. vom 6.-26. Februar nach Australien... R. hat extra freigenommen (weil er bis dahin noch nicht soviel Urlaub hat, da er ja am 1. Okt, erst anfing -;), aber sie haben ihm großzügig erlaubt etwas länger im Feb. frei zu nehmen. Sein Kollege in Melbourne ist auch entzückt u. er kann dort bis zwei Vorträge halten, wenn du Lust hast kannst du ja auch noch Melbourne kommen, dann erkunden wir auch diese Stadt...wenn Du bis dahin nicht eh durch Australien reist und ALLES schon gesehen haben wirst bis Ende Februar!??
Ich brach dann gleich wieder auf, zum Meer, ich hatte das starke Bedürfnis, mich zu bewegen. Diesmal kletterte ich die Steilküste hinunter an den Strand, der menschenleer war. Wunderschön ist das, dieser feste, schneeweiße Sand, die Brandung, die Weite. Hier könnte ich auch gut mal joggen.
Ich sah die Steinskulpturen des Künstlers, der jetzt das Malen anfangen will. Zwei knuddeligen kleine Fische mit wunderschönen Streifen lagen nicht weit voneinander tot im Sand. Wenig Möwen gibt es.
Das Besondere ist: der Strand war Menschenleer, aber er war nicht leer, weil die Leute zum Abendessen im Hotel und zu Hause waren, sondern weil es da keine Hotels oder Häuser gibt. Da gibt es nur den Busch. Ich laufe da lang und es begegnet mir niemand. Weil da niemand ist. Das ist eine besondere Art von Frieden, weil hier die Natur in der Überzahl ist. Ein bisschen beängstigend ist das, weil sie, die Natur, mir gegenüber natürlich ziemlich gleichgültig, blutgierig und bissig sein kann, aber es gibt einen Teil in mir, der dazugehört, und der ist hier zu Hause.
Zurück am Haus scheuchte ich eine ganze Herde Wallabies auf, die sich hier auf dem Grundstück versammelt hatten und nun mit weichen, klopfenden Sprüngen den Berg hinauf im Wald verschwanden. Der Wombat wuselte heran, er scheint jeden Tag genau zur selben Zeit denselben Weg abzutrotten. Ich fotografierte ihn, was ihn veranlasste, mit wogenden Schritten entfliehen. Dicker, kleiner Kerl.
![]() |
| Wombat konsterniert. |
![]() |
| Wombat auf der Flucht. |





















