Dienstag, 24. Oktober 2017

Arbeit

Eine neue, harte Arbeitswoche ist angebrochen und ich stelle mich ihr unerschrocken – bis auf den Faktor Autofahren, da kann von unerschrocken keine Rede sein. Vielleicht übe ich heute Nachmittag mal. Aber S. hat für heute den Wassertanklaster angekündigt. Mal sehen.
Ich mache Fotos von den Erzeugnissen meiner grenzenlosen Tüchtigkeit: ein Vogelbad, das noch keine richtige Schale hat, ich nahm eine rostige Radkappe und überzog sie mit Folie. Bislang hat dort nur ein kleines Käferchen getrunken, das erschrocken wegflog, als ich mich näherte. Ich habe nun noch einen Lande- und Sitz-Ast konstruiert. Ich werde das Ganze nachher in der Erde festmachen.
Dann habe ich eine Zitronenschale kleingeschnitten, was bedeutet, ich habe die Dörr-Saison eröffnet!
Ich habe das Lampenschirmgestell für einen, zur Lampe umfunktionierten Solar-Bewegungsmelder- Strahler, konstruiert und muss nun noch den Schirm nähen!
Ich habe morgens das erste Mal den traditionellen Frühstücks-Hirsebrei gekocht!
Ich habe den Versuch gestartet, aus drei Avocado-Kerne Wurzeln zu ziehen.
Ich habe die drei kleinen Eichen getränkt, die seit dem letzten Mal deutlich an Blättern zugelegt haben!
Heute Nachmittag mache ich mich an den Garten und räume die Reste der – auch in der Nacht neuproduzierten! - Tierkacke weg.
Ich habe einen riesigen Berg vertrockneter Lilien-Reste unter der Terrasse entfernt und ein paar neue grüne Pflanzen wässere ich jetzt, um sie später wieder einzupflanzen.
Und ich habe einen verwegenen Plan: ich möchte oben auf dem Hügel an oder unter einem besonders schönen Eukalyptusbaum eine Sitzterrasse machen. Der Blick über das Tal ist von dort traumhaft!
Jetzt sitze ich hier und erhole mich von der ersten schweren Phase dieses Tages.

Regale in der Vorratskammer.
Lampenschirm. Phase 1.
Lampe noch ohne Lampenschirm.
Zitronenschalen dörren.
Verwilderter Garten.
Vogelbad. Phase 1.
Avocadoplantage. Phase 1.
Ab und zu hört man hier – mitten in der Wildnis – ein Telefon läuten, aber dann war es nur wieder ein Vogel mit besonders futuristischer Tonfolge. Ich bin total gespannt, ob sie das Bad nutzen werden. Es steht sehr nah an der Terrasse. Grade entwickelt sich hier zwischen zwei Vögel eine interessante Konversation. Von links höre ich ein dreimaliges hohe Quietschen, mit viel Nachdruck, fast innig vorgetragen. Und rechts antwortet dann ein tiefes Knarren, ähnlich wie das eines verrosteten Gartentores, das im Wind hin- und herschwingt. Das wiederholt sich nun ein ums andere Mal: „Quiiiek, quiiiek, quiiiek!“ und „Kna-Kna-Kna-Knarr...“
Ich, als MVHS-geschulte Ornithologin, interpretiere das folgendermaßen: „Hast du das neue Vogelbad gesehen, was sie grade aufgestellt hat?“ „Ja, aber das sieht ja total windig aus, das werde ich nicht benutzen.“ Diese Vögel hier können einen so bitterlich kränken.
Der Himmel zieht zu, es wird kalt.

18:40 Uhr
Es nieselt und fühlt sich richtig kalt an. Ich genieße das heimelige Feuer. Ich habe im unteren Fach des Ofens die Zitronenschalen getrocknet – sie waren innerhalb einer Stunde fertig. Eine ganz neue Dimension des Dörrens tut sich auf!
Vorhin war ich unten, beim Garten von S., um mir ein bisschen Lavendel zu holen als Mottenschutz, er hat zwei riesige Büsche. Unterwegs sah ich zwei Vögel, die etwas Rebhuhnartiges hatten, sie flogen nicht, sie liefen. Besser gesagt: sie rannten. Ich habe noch nie einen Vogel so schnell rennen sehen, unglaublich. Sie schrien nicht, sie machten Geräusche wie eine Holzklapper.
Nachdem ich mir ein paar Zweige Lavendel geschnitten hatte, ging ich weiter ins Tal hinein, dass durch den kleinen Bach, der es durchfließt zum Meer hin, hier eine flache Ebene zwischen den steilen Bergen bildet. Da sah ich dann ganz nah an dem von S. noch einen Garten, mit demselben guten, nach außen gebogenen Maschendrahtzaun, wie S. ihn hat. Aber innen war der Garten total verwildert und zugewachsen. Das ist seltsam.
Und ein bisschen weiter stieß ich auf ein weites Feld, auf dem ein altes Ruderboot lag und seinem endgültigen Zerfall entgegendämmerte. Ein Ruderboot? War hier mal ein See? Ganz und gar merkwürdig.
Zwischen dichten Bäumen stand dann eine Hütte – eine Art großer Unterstand aus Holz, mit Wellblechdach und möbliert mit einem Sessel, einem Kinderplastikstuhl, zwei großen Tischen und einem Küchenschrank. Große Tellerberge, haufenweise Tassen, rostiges Besteck... es sah wie eine Art Sommer-Barbeque-Küche aus. Uralt und schon ewig verlassen, aber noch mit Lampen ausgestattet und einem Wassertank.
Dann gab es am Rande der Wiese ein Plumpsklo und außerdem zwei Pfosten mit einer Schnur, wie zum Volleyball spielen. Rätsel über Rätsel...



Wallaby und Rennhuhn.



Hütte.




 
Ich wanderte langsam zurück und stieß bei der Brücke wieder auf das Renn-Huhn. Es klapperte aufgeregt, als ich es fotografierte und rannte los, mit einem leicht schaukelnden, aber ungeheuer schnellen Gang. Es rannte direkt auf mein Haus zu und verschwand dahinter.
In Hobart erzählte mir H. einen Australier-Witz über das Huhn: du nimmst einen Stein und so ein Huhn und kochst beide ein paar Stunden, dann kannst du den Stein essen.
Wahrscheinlich hat es einfach so starke Muskeln, dass man es niemals weich bekommt.

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