Es ist heiß, was wunderbar ist, aber nicht gut für die Arbeitsmoral. Ich habe immerhin schon Holz gehackt und die Hälfte des Weges hoch zu S. beschnitten. Und ich habe mir hier das Öl hingestellt, mit dem ich die Terrasse zu streichen gedenke. Nicht schönes Zitronenöl aus dem Bio-Baumarkt: Auto-Öl. Ich bin besorgt, wegen der Eidechsen, aber da müssen sie wohl durch.
Eine hat keinen Schwanz mehr. H. sagte, sie werfen ihn ab, wenn ein Vogel sie bedroht. Dann rennen sie weg und der Schwanz zappelt noch ein bisschen weiter und lenkt die Aufmerksamkeit des Vogels auf sich. Schlaue kleine Dinger.
Jetzt erstmal wieder etwas lesen und am Nachmittag werde ich das erste Mal allein Auto fahren. Sollte es gelingen, kommt der Blog vielleicht endlich ins Netz. Sollte ich einen Hotspot hinkriegen oder sonstwie Anschluss finden.
Was ich noch nicht erwähnt habe: der Wind! Der Wind rauscht durch die Wälder! Das ist ein wunderbares Geräusch, das ist vielleicht mein allerliebstes Lieblingsgeräusch. Tausend Nuancen hat es, von Rascheln und Zischeln bis hin zu einem dunklen, langsam anschwellenden Brausen. Ganz, ganz wunderbar. Heute ist Wind, wir wollen hoffen, dass das Feuer wirklich aus ist.
Und: die Sterne! Der Sternenhimmel in der Nacht sieht exakt so aus wie die Sternenkarten in den Büchern. Man schaut wirklich in unendliche Weiten. Das Bad hat ein Glasdach: irgendwann werde ich nachts ein Bad nehmen und in den Sternenhimmel schauen!
Mittags habe ich den Spargel von S. gemacht – da stehen mir einfach die Superlative nicht zur Verfügung, die dieser Mahlzeit angemessen gewesen wären! Es gab dazu Kartoffeln mit einem sehr pikanten Streichkäse (Brot habe ich hier nicht) und einen Salat mit Avocado. Und ich habe immer noch die Vorratskammer voll mit Obst und Gemüse – das reicht noch ewig.
So, ich habe es getan, ich habe mich ins Auto gesetzt und bin losgefahren. Es war ganz einfach. Die Straße bis zum Roaring Beach Parkplatz ist schmal, die wird nur von den Anwohnern benutzt, von denen keiner unterwegs war. Danach ist es zwar eine Schotterpiste, aber breit genug für mich und ein zweites Auto. Mir kam sogar der kleine Schulbus entgegen! Kein Problem. Und dann landete ich zwischen den riesigen Baufahrzeugen, die grade die Straße reparieren – total nett waren die. Sie sahen mich hinter sich und winkten mich an Stellen, wo es breit genug war, einfach durch. Gut war das. Blöd war dann Nubeena, da fahren eben doch einige Autos durch und ich wurde nervös. Ich schleuste mich zwar auf die richtige Seite ein, fand auch hinter Nubeena die Abzweigung zum White Beach, die Horst mir gezeigt hatte, aber dort verfuhr ich mich und landete auf einem kleinen Holperweg, verfolgt von einem Hund, der vor Verblüffung über mein mein Erscheinen nicht mal bellen konnte. Zum Glück gab es eine Wendemöglichkeit. Staunend sah mir der Hund nach.
Ich suchte nicht weiter, fuhr zurück nach Nubeena, wobei ich einem schnellen Auto wohl die Vorfahrt nahm, denn dort konnte man noch 80 km fahren, was ich nicht wusste. Er fuhr sehr dicht auf. Ich hielt an der nächsten Parkmöglichkeit, er rauschte vorbei und ich stellte den Motor ab und versuchte dann ins Internet zu kommen. Ging nicht. Keine Ahnung, wieso. Habe ewig rumprobiert. Ich muss im Ort fragen, wo Zugang ist, aber das mache ich das nächste Mal.
Als ich den Wagen anlassen wollte, ließ sich der Schlüssel nur ganz wenig drehen und es erschien eine merkwürdige Anzeige, die ich nicht verstand. Wieder und wieder versuchte ich es – nichts. Ich konnte den Schlüssel nicht mal abziehen! Da kam dann Panik auf. Ich stand vor der Gemeindeverwaltung, konnte ich dort Hilfe holen? Sollte ich S. anrufen, dass er kommen soll und den Schlüssel umdrehen? Meine Güte, ich bin so leicht zu entnerven. Ich weiß nicht wie, aber plötzlich sah der vernünftige Teil in mir, dass ich den Schalthebel nicht in der richtigen Position hatte, es ist ja ein Automatikwagen. Da ist der Anlasser automatisch blockiert, wenn der Hebel nicht auf „D“ steht. Himmel!
Ich fuhr los, hielt Ausschau nach der Bakery, die Internet haben sollte, aber war mir nicht sicher bei dem Lokal, dass ich sah. Den Supermarkt sah ich, aber er war auf der falschen Straßenseite und so schnell konnte ich nicht all die Prozesse in Gang setzen, die ein Abbiegen zur Gegenseite erfordern. Ich fuhr vorbei.
Ich fand die Abzweigung nach Roaring Beach, da kam mir ein kleines Mädchen, vielleicht fünf Jahre alt, auf einem winzigen Fahrrad entgegen, total süß. Ich machte einen großen Bogen um sie. Als sie auf meiner Höhe war, nickte sie mir zu, wie eine Erwachsene. Sie traute sich nicht, eine Hand vom Lenker zu lösen. Das finde ich wunderbar, dass ein so kleines Kind hier allein mit dem Fahrrad los darf, das ist doch ein gutes Zeichen.
Ich fuhr ohne Gegenverkehr bis zum Strandparkplatz, hielt dort an und ging zum Meer vor. Das ist ein ganz schön mühsamer, weil sandiger Weg durch eine weite Dünenlandschaft, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Weit! Von hier aus zu Fuß ist der Weg besser.
Und dann der Strand: total überfüllt! Vier Surfer im Wasser und eine Frau, die zusah! Ich dankte und ging wieder. Bin ja sehr verwöhnt nach wenigen Tagen Waldruhe. Ich hatte auch nichts zu trinken und gegen die Sonne dabei.
Dann fuhr ich das letzte Stück und verpasste tatsächlich die Abzweigung zum Haus. Zum Glück war kurz danach eine Wendemöglichkeit, wobei ich aber mit dem Vorderteil des Wagens einmal aufsetzte. Ich hoffe, sie haben den Behälter mit der Bremsflüssigkeit oder was ähnlich Wichtiges nicht vorne unter der Stoßstange angebracht. Grade als ich in unseren Weg einbog kam einer der Einwohner die Straße lang – der wäre mir fast entgegengekommen! Er schaute neugierig hinter mir her, als er vorbeifuhr, sah ich im Rückspiegel.
So, wieder ein Schritt weiter. Nubeena werde ich auch noch in den Griff kriegen. Jetzt bin ich heilfroh, wieder hier zu sein. Hier, wo der Wind in den Bäumen rauscht, wo die Vögel quieken und rattern, wo mein Liegestuhl mich aufnimmt und die perfekte Neigung hat.
Nachdem ich mich erholt hatte, ging ich noch ans Meer, auf die Klippen, nicht an den Strand, wo sich immer noch zwei fremde Menschen aufhielten. Heute keine Wellen! Das Meer war fast flach, nur ganz verhalten plätscherte es kleine Wellen über den weiten Sand. Die Sonne ging langsam unter (ca. 8 Uhr), aber der Strand hatte war noch ganz gebadet von ihr. Dort unten kann man schön sitzen und zum Sonnenuntergang schauen - auch einer meiner Pläne. Der Telefonempfang ist dort auf den Klippen sehr gut, weil Nubeena nah ist, übers Meer hin.
Das Haus lag in der Dämmerung und ein ganz kleines Wallaby saß am Waldrand hier an der Einfahrt, völlig bewegungslos wie eine Statue, den langen Schwanz fest am Boden und die kleinen Ärmchen an die Brust gedrückt und starrte zu mir auf der Terrasse rüber. So blieb es sitzen, bis es richtig dunkel war, dann zog es zum Grasen auf das freie Gelände. Auf dem Hang rechts gegenüber stromerte mein Wombart, wie ein dicker, kleiner Bär. Auch er blieb ewig stehen, aber er wühlte dabei irgendwie am Boden. Ob er die Ameisennester aushebt? Aber was hätte er davon, von Ameisen? Der braucht doch sicher ganz anderes Futter. Rätsel über Rätsel, ich muss im Internet schauen, wenn ich in Hobart bin. Oder S. fragen. Der mag die Tiere hier total gern, glaube ich und weiß auch viel. Er lebt seit ca. 30 Jahren hier.
Morgen habe ich frei! Es sei denn, ich suche die Bakery oder Librery in Nubeena. Was sein kann, denn ich bin zu allem fähig.








