Donnerstag, 9. November 2017

Adapter

Katastrophe! Katastrophen brachen über mein Leben herein! Dienstagabend habe ich lange am Notebook gesessen und es gleichzeitig geladen. Das schaffte der Adapter nicht. Ich roch etwas sehr Merkwürdiges. Ich dachte, es seien die Kerzen und machte sie aus, aber es roch immer stärker. Dann sah ich es: aus dem Adapter stieg RAUCH auf! Und dann tat er einen lauten Knall. Es war nicht mein Herz, das zersprang, obwohl es kurz davor vor, sondern die Sicherung im Adapter, nehme ich an. Ich riss ihn vom Netz und warf ihn in die Badewanne. Er war total heiß. Oh. Mein. Gott. Und nun? Notebook leer, keine Lademöglichkeit. Ich schrieb H. eine SMS und rannte gleich morgens zum Meer, um sie zu senden: keine Antwort. Mein Leben ohne Notebook: keine Musik, keinen Blog, keine Vogelstimmen anhören, keine DVD schauen, keine Fotos bearbeiten – nichts. Absurd, wie abhängig man – ich! - von so einem Gerät werden kann. Abends noch immer nichts von H., ich schickte eine Mail.
Dabei war der Tag so wunderbar: kein Wind und Sonne! Als ich hier auf der Terrasse saß, sah ich plötzlich so ein Tier auf mich zukommen, ein Leguan oder Salamander oder wie immer sie heißen. Langsam, mit seltsam griesgrämigen Gesichtsausdruck steuerte es direkt zum Haus. Als ich aufstand, um die Kamera zu holen, hielt es an. Duldete, dass ich es fotografierte, griesgrämig und unbeweglich. Aber als mir dann auf der Terrasse irgendwas polternd umfiel bog es ab, Richtung Wald. Ich hoffe, es ist ein guter Blutegel-Fresser.


Ich machte eine Liste der Vögel, die ich gesehen habe und werde, wenn mein Notebook wieder geht, die Stimmen anhören. Ich verfüge jetzt über ein Fernglas und suche beständig die Bäume ab. Natürlich hat sich das sofort rumgesprochen unter den kleinen Biestern und sie umfliegen weitläufig das Gelände. Ich höre sie überall, aber ich sehe sie nicht. Nur hin und wieder gelingt mir ein Coup, dann bin ich begeistert wie ein Trophäenjäger.



Am Nachmittag ging ich zu meiner Bank, sogar mit Buch ausgerüstet und Schreibzeug. Sonne, blauer Himmel, Windstille! Das Meer veranstaltete auch ohne Wind spektakuläre Wellenspektakel, ich konnte nicht lesen, es war zu faszinierend.
Dann ging ich den Pfad noch weiter, er war gut ausgeschnitten. Hinterher sah ich auf der Karte, dass er tatsächlich auch eingezeichnet war. Er endete an der nächsten Bucht. Die Bucht bestand aus abgebrochenen Felsen und geschichteten Felsen und wuchtigen, kantigen, spitzen Felsen und runden Felsen. Felsen, die sich schichten und biegen und quetschen und stapeln – man ahnt, was für Kräfte da wirken, wenn die Erdplatten sich bewegen und reiben und brechen. Man könnte dort schön runterklettern, teilweise ist es nicht so steil, aber irgendwie scheue ich die Risiken. Wenn man allein in der Wildnis unterwegs ist, wo nie, nie, nie jemand vorbei kommt, das ist schon was anderes als mit F. im Englischen Garten zum Aumeister hochlaufen. Nicht ganz anders, aber irgendwie schon. Mal sehen, wie weit ich mich vorwagen werde. Auf dem Rückweg habe ich den Pfad dann tatsächlich verloren und irrte eine zeitlang auf Sackgassenpfaden zwischen Büschen herum, die irgendwann undurchdringlich wurden. Es sieht ja alles so gleich aus. Aber ich fand zurück.

















Der Abend war ungewöhnlich: ein richtiger Sommerabend: ruhig, mild, mit prächtigem Sonnenuntergang. Das ist tatsächlich eher selten, weil sonst eben immer Wind ist.

Ich habe mitgekriegt, dass S. weite Flächen um sein Haus herum abmäht. Es wachsen hier in großer Dichte so Pflanzen, die meist kniehoch sind, aber auch größer werden können: ein fester Stiel, dann Farnartig gefächerte Blätter. Die breiten sich aus wie Hölle und bilden an vielen Stellen hier einen dichten Teppich. Ich fange nun auch an, die auf dem Gelände zurückzudrängen. Sie vertrocknen rasch, wenn sie abgeschnitten sind und ich habe drei riesigen Schubkarren voll zusammengetragen und eine schon verbrannt. Feuer in Tasmanien... HEIKEL. Dauernd hatte ich Sorge, dass von irgendwo jemand herangestürzt kommt, der das Feuer sieht und aufgeregt schreit: „Was machst duuu denn da? Bist du waaahnsinnig?!“ Aber es kam niemand, weil: hier ist ja niemand (S. war weggefahren), und ich kriegte es hin. In der Zeitung, die ich letzte Woche mitnahm, wurde angekündigt: Tasfire Expo Heightens Bushfire Awareness. Dort konnten Leute lernen, wie man sich vorbereitet „for coming bush fire season“.
„Coming bush fire season“? Was ist DAS denn? Wir starten in eine neue Buschfeuer-Saison?! Also, ich werde hier mal das Gelände flach halten.

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