In der Nacht ging wieder ein Sturm über das Haus, die Vorhänge des Regals wehten weit auf, weil das Fenster offen war, zum Glück war die Daunendecke zu schwer, um wegzuwehen. Wir waren wieder bei zwölf Grad und Regenschauern. Noch reicht das Brennholz, aber ich muss das Problem mit der Säge lösen.
Ich habe grade eine CD mit Australien Bird Calls – Tasmania gefunden, damit werde ich mich zur Vogelstimmenexpertin ausbilden. Gestern gelang es mir den wunderschönen Vogel zu fotografieren, der seinen Stammplatz am Abend auf dem toten Baum vor dem Badezimmerfenster hat. Ich vermute, dass es ein Laughing Kookaburra ist, der Lachende Hans, der dieses fürchterliche meckernde Lachen ausstößt, das den ersten Europäern, die hier landeten, das Blut in den Adern gerinnen ließ. Ich weiß nicht, wieso ich das vermute, es ist reiner Instinkt. Vielleicht ist es aber auch, weil es der einzige Vogelname ist, den ich kenne.
Ich durchsuchte das Bücherregal und fand tatsächlich auch noch The Slater Field Guide to Australien Birds. Diese Bücher sind ja fürchterlich deprimierend, weil sie nicht einfach eine Ente oder Möwe oder Habicht darstellen, sondern JEDE kleinste Variation eines Typus bekommt eine eigene Darstellung, wenn er auch nur einen weißen Punkt am Schnabel hat und die anderen haben einen grauen oder die Federn anders spreizt als der Rest oder einen eckigen, statt einem runden Schwanz hat. Es macht mich wahnsinnig. Immerhin fand ich meinen Vogel tatsächlich bei den Kookaburras! Sein anderer Name ist Dacelo leachii, es ist der Blue-winged Kookaburra. Bei der Beschreibung steht: „Voice: extended maniac laughter.“
Es ist unglaublich, wie sich die Projekte häufen, ich komme nicht hinterher. Und noch keine Zeile Heidegger oder Arendt oder Kafka oder Nietzsche... Immerhin: den Harari habe ich bald geschafft und er ist sehr spannend. Und mein geliebter Faulkner macht mir viel Freude. Es ist ja nicht so, dass ich hier müßig wäre. Keine Minute! Und wenn doch, dann ist das Meditation und eine hohe Kunst!
Später:
Ich weiß nicht wieso, aber ich bin auf der Treppe ausgerutscht und fiel aufs Steißbein, was schmerzhaft ist. Jetzt bin ich den ganzen Tag irgendwie durch einen leichten Schmerz behindert und schlecht gelaunt. Es war sonnig, aber kühl und sehr windig. Habe zuviel Kürbissuppe gegessen, obwohl ich gar keinen Hunger hatte. Bin rüber zum Meer, zur Bank, aber es war zu windig. Wieder hier habe ich den Stuhl unter Schmerzen auf die Terrasse vom Outsleeper geschleppt, aber es war zu windig. Schließlich bin ich rein, habe mich aufs Bett verkrochen und geschlafen. Das war gut. Der heftige Wind und die Kälte und dass ich die Säge nicht zum Laufen bringe, das frustriert mich, schätze ich, sonst wäre ich nicht so blöd ausgerutscht. Ich bin extrem vorsichtig, weil ich schon Angst habe, dass mir mal was passiert und es ewig dauert, bis S. nach mir kuckt.
Später:
Am Abend legte sich der Wind und ich ging ein bisschen ums Haus. Es tat gut, wieder draußen zu sein. Erst wunderte ich mich, dass keine Wallabies da waren, aber dann sah ich mein 'Hauswallaby' an seinem gewohnten Platz sitzen und mich anstarren. Still und scheu wie Geisterchen sind diese Tiere. Diesmal hockte ich mich hin und starrte zurück, quasi auf Augenhöhe. Da geriet es in Aufregung, es begann, mit seinem Schwanz auf den Boden zu schlagen. Zweimal machte es einen kleinen Hüpfer in meine Richtung, blieb dann aber sitzen. Eine Weile hockten wir und schauten. Als ich wieder aufstand und zur Tür ging, federte es den Weg runter zu den anderen. Jetzt hatte es etwas Neues zu erzählen!








