Ich bin also mit Kettensäge hochgestapft, es war wieder mal eine existenzielle Erfahrung. Diese Bäume wehrten sich vor allem mit zwei Strategien: 1. Die Säge einklemmen, bzw. versuchen, kleine Äste zwischen Kette und Säge zu drängen und 2. nicht bergab kippen, sondern seitlich, mir auf den Kopf. Und das heißt dann, ich sitze festgeklemmt unter einem Haufen sperriger, dorniger Äste, habe eine ein gröhlendes Mordinstrument in der Hand, wo ich nicht mal an den Ausknopf komme, weil ich mich nicht bewegen kann und was sich in die Erde wühlen will, wenn ich es nicht hochhalte, was wiederum bedeuten würde, dass es total stumpf wird, und mit jeder Bewegung drohe ich, unkontrolliert den Abhang runterzurutschen mit Baum und Säge und allem. Da sind Kämpfe ausgefochten worden, an diesem Tag, abseits des Weltgeschehens, unbemerkt auch von S., der nicht da war, aber nichts desto trotz in ihrer bescheidenen Art heroisch.
Ich musste oben auf dem Damm erstmal die Säge anwerfen, was ja immer wieder ein erschütterndes Erlebnis ist: dieses gewaltsame Reißen an der Schnur und wenn die Säge dann irgendwann losröhrt und man sofort Gas geben muss, um sie in den Leerlauf zu bringen, das nimmt mich immer wieder mit und ich würde sie am liebsten weit von mir schleudern, in den Löschwasserteich.
Und dann mit der röhrenden Säge in der Hand den Abhang runterzugeklettern, dicht unter den Baum, während der einem seine dornigen Äste tief in die Haare gräbt und dann irgendwie an den Stamm zu gelangen mit dem vor Lärm bebenden Ungetüm in der Hand und nicht den Berg runterzukollern oder gegen Trick 1. oder 2. (siehe oben) zu verlieren – das erfordert Nerven und Kraft. Teilweise musste ich sitzend mit einem Fuß den Baum in die richtige Richtung treten, gleichzeitig aber die Säge schön grade halten, den Dornen ausweichen und mit dem anderen Fuß mein Abwärtsrutschen verhindern.
Nach drei, vier Bäumen musste ich immer eine Pause einlegen. Ich schleppte sie alle hoch auf den Damm und warf sie in einer Ecke auf einen Haufen, der bald riesige Ausmaße annahm. Als ich tatsächlich alle Bäume abgesägt hatte und der Damm frei und jungfräulich da lag, sicher vor allen zerstörerischen Angriffen, da war ich klatschnass geschwitzt und meine Beine waren schwer wie Blei.
Ich hatte ja gestern und heute geheizt, so dass ich warmes Wasser hatte und nahm erstmal ein heißes Bad. Was für eine Wohltat! Und die Klamotten konnte ich dann gleich in der Wanne waschen. Und dann hatte ich einen Bärenhunger und kochte einen Riesentopf Spaghetti und stopfte mich damit voll bis zum Abwinken, so wie wir Holzfäller das machen.
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| Damm von unten. |
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| Riesenhaufen Bäume. Sieht man auf dem Bild nicht so. |






