Sonntag, 12. November 2017

Nachbarn

Vorher.
Nachher.

Wie wunderbar es ist, wenn die Sonne scheint! Was für ein Segen. Ich habe die Terrasse weitergeölt und den zwar wunderschönen, aber morschen Zaun vom ehemaligen Garten abgerissen, was eine mörderische Arbeit war. Der Maschendraht war von Pflanzen durchwachsen, teilweise tief in der Erde und von dicken Wurzeln durchzogen und außerdem zog sich ein dicker Draht da durch, den ich nicht durchkneifen konnte. Ich ging hoch zu S. und natürlich hatte er die richtige Zange für den dicken Draht. Nach und nach riss ich das Drahtgeflecht heraus, löste die Bretter und stapelte sie und es gelang mir auch, die Pfähle rauszureißen, bis auf einen. Ich brachte die Zange zurück hoch zu S. und er sagte, er würde sich das mit dem Pfahl mal ansehen.
Er hatte, als ich kam, bei seinen beiden Hühnern gestanden, die sich grade das Gemüse teilten, dass er ihnen hingeworfen hatte und war ganz versunken dabei, sie zu beobachten. Es ist total schön bei ihm da oben, er ist ja direkt im Wald. Es gibt viel mehr Vögel dort, man hört das Zwitschern der Kleinen, was bei mir kaum vorkommt, das Donnern des Meeres ist noch deutlicher zu hören und teilweise hat er einen wunderbaren Ausblick. Die Abendsonne schien, wir plauderten nett, er lud mich auf einen Tee aus frischer Minze, die geschützt am Haus wuchs zusammen mit einem Zitronenbaum.
Zum Thema Wombat sagte er, dass es hier im Tal ganz viele gibt, nicht nur meinen. Und ich dachte, ich hätte hier so einen Einzelgänger, einen Sonderfall. Weit gefehlt.
Ich habe in Nubeena im Internet nach Wombats geschaut:
Sie heißen auch Plumpbeutler und sind höhlengrabende Pflanzenfresser. Der Name Wombat stammt aus der nahezu ausgestorbenen Sprache der Darug, eines Stamms der Aborigines, der ursprünglich das Gebiet der heutigen Stadt Sydney bewohnte.Wombats erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 70 bis 120 Zentimetern und ein Gewicht von 20 bis 40 Kilogramm.
Bemerkenswert ist das unter den Beuteltieren einzigartige Gebiss, das Ähnlichkeiten mit dem der Nagetiere aufweist. Sie haben im Ober- und Unterkiefer je ein Paar wurzellose Schneidezähne, die Backenzähne sind einfach gebaut und ebenfalls wurzellos. Hierdurch wachsen die Zähne beständig nach und die Tiere sind in der Lage, hartes, abrasives Futter zu fressen. Der Kot von Wombats ist würfelförmig, von ihm werden täglich 80 bis 100 Stück abgegeben. dass die Kotmarkierungen nicht von den exponierten Stellen herabrollen, auf die sie abgesetzt werden.Wombats zählen zu den größten grabend lebenden Säugetieren überhaupt. Mit ihren scharfen Krallen errichten sie Wohnhöhlen in der Erde, welche sich auch zu komplexen Tunnelsystemen ausweiten können. Sie sind überwiegend nachtaktiv, tagsüber ruhen sie in ihrem Bau, in der Dämmerung und nachts gehen sie auf Nahrungssuche.Wombats können über kurze Strecken Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h erreichen und entziehen sich Gefahren auch durch Klettern und Schwimmen.
Vorzugsweise in der Abendzeit verbringen Wombats zwischen drei und acht Stunden mit Grasen. Gefressen werden hauptsächlich einheimische, aber auch eingeschleppte Gräser, wobei junge Triebe bevorzugt werden; weiterhin krautige Pflanzen und Moose, seltener auch Wurzeln von Sträuchern und Bäumen, sowie Pilze.Wombats gehören außerdem zu den effizienten Wasserkonsumenten unter den Säugetieren. (Zum Vergleich: Die ebenfalls an australische Verhältnisse angepassten Kängurus verbrauchen viermal so viel Wasser.)
In einem Buch über eine Familie, die Wildtiere aufzog, steht, dass Baby-Wombats sich unter der Mutter aufhalten, zwischen ihren Beinen, wenn sie anfangen, zu laufen. Da ist es sicher. Für die Menschen hieß das, dass sie zwischen ihren Füßen einen kleinen Wombat laufen hatten, was die Fortbewegung mühsam machte. Befreien konnten sie sich zeitweise, indem sie den Kleinen innerhalb eines Paars Schuhe zwischenparkten.



Das mit dem Feuer ist tatsächlich kompliziert. Man muss, wenn man was verbrennen will, bei der Feuerwehr anrufen und eine Genehmigung einholen. Nur an bestimmten Tagen ist das erlaubt und unter bestimmten Bedingungen. Ich habe schon alles richtig gemacht, aber ein Risiko war es doch, ein unerlaubtes.
Wir sprachen dann darüber, dass hier die Sonne andersrum geht und er erzählte, wie er das früher ganz von selbst herausgefunden hat, ohne je in Europa gewesen zu sein. Er hatte sich vorgestellt, wie er nach Norden geht, immer der Sonne hinterher und irgendwann – also am Äquator, wo sie genau über ihm steht -  war dann klar, dass er sich drehen muss und rückwärts weiterlaufen, um sie zu sehen, dass sie also dann für ihn in die andere Richtung geht. Ganz aufgeregt habe er einen Freund, der in England geboren war, gefragt, ob das stimmt. Der aber habe steif und fest behauptet, das sei nicht so, er wüsste noch ganz genau, dass es da keinen Unterschied in der Richtung gibt.
„Aber sie MUSS andersrum laufen!“ hätte er gedrängt, doch der Freund hatte es vergessen, dass es tatsächlich so ist. S. bekam dann später noch seine Bestätigung, aber ich finde es bemerkenswert, dass er von selber darauf kam.
Wir verabredeten, dass wir morgen P. A. besuchen, den Künstler. Da bin ich gespannt.



Ich ging dann noch zur Bank am Meer und grade da kam der andere Nachbar angefahren und hielt an, als er mich kommen sah. G. heißt er, glaube ich, ein kerniger, rotgesichtiger Australier mit nettem Hund, der mal eine deutsche Freundin hatte und der mit großer Vehemenz sagte, ich müsse unbedingt den Surfer kennenlernen, der sei „a really good guy!“ Immer wieder sagte er das, nickte dazu und hielt nachdrücklich den Daumen nach oben. Er war es, stellte sich dann raus, der diese wunderbare Bank gebaut hat. „You are an artist!“ sagte ich und er nickte zustimmend.
Auf der Bank war es windstill und überhaupt still und schön. Immer wieder ist der Himmel anders und das Meer sowieso. Es ist nicht so eine Wohlfühl-Küste wie ich sie aus Südeuropa, von den Kanarischen Inseln oder Afrika kenne, so warm und einfach, wo man sich barfuß und im Kleidchen bis in die Nacht aufhalten kann. Es ist immer ein bisschen rau und schroff und wechselhaft - unberechenbar irgendwie. Man kann sich nicht so fallenlassen, habe ich das Gefühl.
Als ich zurück kam, hatte S. den Pfahl rausgemacht und schön ordentlich neben die anderen gelegt, der Gute!

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