Donnerstag, 16. November 2017

Schlange

Heute Nacht brach der Sturm knallend ein Schlafzimmerfenster auf, das sich nicht mehr festhaken lässt – von INNEN! Meine Güte!


Ich schlief lange, fast bis 8 Uhr. Als ich aufstand war der Wind weg und es war richtig heiß, ich musste die Hängematte als Sonnenschutz auf dem Balkon etablieren. Als ich im Bad aus dem Fenster sah fiel mein Blick auf eine große Schlange – für meine Verhältnisse groß, denn ich kenne ja nur kleine. Sie war grau, lag gemütlich in der Sonne und gähnte sogar. Also: total entspannt. Ich machte schnell ein paar Fotos durch das Badfenster mit dem Handy.
Dann begann sie sich, immer noch gemütlich, in Bewegung zu setzen, Richtung Haus. So ein harmloses Geschlängel. Auf das Haus zu. Eine große, graue Schlange.
Ich rannte nach draußen und ums Haus herum um zu schauen, wo sie sich niederlasssen würde. Als sie mich sah zischte sie wie ein Blitz unters Haus, ich konnte sie nicht mehr sehen.


Als ich zu S. hochging, um mir ein Stück Holz zurechtsägen zu lassen, sagte er: sie kommen und gehen, die Schlangen. Möglicherweise ist sie auf der Durchreise. Meist leben sie da, wo Wasser in der Nähe ist. Er ist noch nie gebissen worden, man muss immer schön langsam gehen, damit man sie nicht überrascht. Ein panischer Mensch und eine panische Schlange, das ist keine gute Kombination, da kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Bislang hat ja noch niemand ernsthaft versucht, mich zu töten, aber die Natur ist launisch und die natürliche Auslese ist gnadenlos.
S. war fast fertig mit der schwierigen Stelle der Hausverkleidung und hatte er die Kreissäge parat und konnte mir perfekt die Ecke absägen, mit der ich mich mit einer Handsäge umsonst rumgequält hatte. Es ist dieses wunderbare, extra-harte Holz, das glatt wie Marmor ist und hart wie Granit. Die Säge fraß sich da mit schöner Präzision hindurch, es dauerte kaum eine halbe Minute. Das zermürbt mich hier schon, dass ich so gehandikapt bin von fehlendem Werkzeug und fehlendem Können, ich stümpere viel herum.
Heute dreht der Wind, er kam bisher aus Norden, wird aber nun aus dem Süden (Südpol!) kommen, was Temperaturabfall bedeutet. Und eventuell einen thunderstorm. Oh. Mein. Gott. Ein THUNDERSTORM. Ich sehe schon, wie hier der Regen durch das offengestürmte Fenster prasselt, wie die Bäume sich unter Blitzen ducken und das Haus im Donner erbebt. Sämtliche Schlangen des Tals werden unter das Haus kriechen. Und ich auch.
Als ich vorhin dort war, um nach einer Latte zu suchen, rief ich laut: „Schlange! Schlange! Ich komme!“, aber sie antwortete natürlich nicht. Sie sind ja nicht blöd, die Schlangen.
Ich nähe jetzt den dicken Stoff vom Op-Shop mit einer alten Decke zusammen und tucker es an eine Latte, mit der ich das Ganze dann ganz leicht vor die Eingangstür hängen kann. Falls es der thunderstorm nicht wegweht. Aber es erscheint mir als schön dicker Wall gehen Regen und Wind. Mal sehen.



Später:
Alles halb so wild, es kamen Wolken auf, es regnete schön kräftig, aber ohne großen Sturm und ein bisschen Donner grollte, ein kleiner Blitz, das war's. Ich ölte die Terrasse fertig und dann kam S. mich abholen, damit ich ihm helfe, das Netz über die Erdbeeren zu ziehen, denn die werden schon rot. Ich bat um ein paar Ringelblumenpflänzchen für meinen neuen Vorgarten und er grub mir vier Stück aus. Da bin ich total gespannt, ob die anwachsen. Ich habe ihnen extra schöne Erde aus dem alten Garten geholt.



Als ich noch am Meer war, um die E-Mails abzuholen, merkte ich, wie wohl ich mich fühle, wenn mal kein Wind ist. Das ist für mich etwas sehr Anstrengendes, das mit dem Wind.

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