Donnerstag, 16. November 2017

Wombatschule

Heute ist es kalt und regnerisch, ich habe das erste Mal seit Tagen wieder den Ofen an. Ich bereite mich auf Hobart vor: packe alles ein, was ich kaputt gemacht habe um es H. auszuliefern. Habe aber als erstes am Morgen meine Ringelblumen weiter auseinander gepflanzt, die standen zu eng. Das war mir im Morgengrauen beim Aufwachen eingefallen, Ringelblumen werden ja schon ziemlich groß. Ich freue mich total, die vier kleinen Anfänger jetzt hier zu haben und hoffe, sie wachsen an. Gleich fahre ich nach Hobart.

Später:
In Hobart öffnete mir H. die Tür mit einer Lucy auf dem Arm, die völlig außer sich war: sie knurrte tief grollend und starrte mich mit gesträubtem Fell an, H. konnte sie kaum halten.
„Komm schnell rein“, sagte er, „das ist wegen dem Wombat.“

In diesem Beutel ist der kleine Wombat.





Sein Cousin ist der Koala.






Er muss seine Zähne zeigen.


Künstlerische Aufarbeitung des Erlebnisses.

Ein Wombat! In D.s Kindergruppe! Weil es heute regnete waren sie nicht im Wald und D. hatte den Nachbarn eingeladen, der immer mal wieder verwaiste Tiere großzieht, mit einem sieben Monate alten, kugelrunden kleinen Wombat. Die Kinder saßen im Halbkreis vor den beiden und er erzählte ihnen von den Tieren. Der Wombat wuselte derweil herum, zerkranschte lautstark ein paar Karotten, drückte sich in dunkle Ecken und kam auf ein Pfeifen des Ersatz-Vaters schnell wieder angewuselt. Ohne Scheu stieg er über Beine und beschnüffelte alles interessiert. Er wurde hochgehalten, damit die Kinder raten konnten, wer sein nächster Verwandter – sein Cousin – ist: der Koala, das sah man sofort. Sie haben die selben Vorfahren. Er musste seine interessanten Zähne zeigen und sich auf sein Hinterteil klopfen lassen, das mit einer Knorpelplatte verstärkt ist und zu einer tödlichen Waffe werden kann: sie machen sich ganz flach im Eingang ihrer Höhle, ein Angreifer steckt seinen Kopf rein und mit einem Schlag drücken sie ihren Rücken hoch und zerdrücken den Feind. Einem Freund vom Wombat-Dad wurde auf diese Weise mal die Hand gebrochen. Ein flacher Wombat, das ist ein interessanter Anblick, das konnte der Kleine hier auch. Als die Show fertig war, wurde das Tierchen einfach in einen Stoffbeutel gestopft, man kann es nicht anders sagen, und weggetragen, ohne sich zu rühren.


Am Abend fuhren wir zur Highschool von N. und J. Diese Schule ist die beste in Hobart, sie liegt direkt am Meer mit eigenem Strand und hat ein besonders herausragendes Musikprogramm. Die Kinder sind dort im Alter von 12 bis 16 Jahren. Jedes Kind muss ein Instrument lernen und zwar eins, was es vorher nicht konnte. Jedes Jahr gibt es eine Aufführung von allen Klassen, die war eben gestern und Julian war mit seiner Klarinette dabei.
Es hat mich richtig umgehauen: zu Anfang war die Unterstufe (7. Klasse) dran mit 300 Schülerinnen und Schülern auf einen Schlag. Sie spielten ein einfaches Stück, aber es klappte total gut und war in dieser Riesenmenge von Mitwirkenden sehr eindrucksvoll. So ging es die Jahrgangsstufen aufwärts mit immer anspruchsvolleren Stücken. So nach und nach konnte man verfolgen, wie sich das einfache „Spielen von Noten“ in Musik umwandelte, wie die Kinder von Stufe zu Stufe ihre Instrumente anfingen zu beherrschen, wie sie aufeinander hörten, zusammenwuchsen und die Musik gestalteten. Am Schluss war es richtig, richtig gut, da kann sich manches Profi-Orchester eine Scheibe abschneiden. In nur vier Jahren lernen die Kinder das. Der Musiklehrer Mr. Schultz, der das alles initiiert, hat schon etliche Preise bekommen und ist momentan im Finale zum Wettbewerb zum besten Musiklehrer Australiens. Er ist sehr anspruchsvoll und fordernd, verlangt viel von den Kindern, aber dadurch wachsen sie natürlich dann auch.



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