Mittwoch, 15. November 2017

Unfälle

Ich habe meine Kamera kaputt gemacht, es ist doch nicht zu fassen! Ich habe die Karte falsch herum reingesteckt, und da meine Hände ganz steif und voller Wunden waren von der Arbeit mit dem Draht habe ich es nicht gemerkt und sie einfach fest reingedrückt. Jetzt kommt nur noch die Meldung „Kartenfehler“. Im Notebook geht die Karte, daher nehme ich an, dass die Kamera kaputt ist. Das ist doch unglaublich, sowas ist mir noch nie passiert. Aber ich mag diese Kamera auch nicht wirklich, vielleicht wollte ich sie loswerden. Ich fahre Donnerstag nach Hobart, vielleicht kriege ich da so eine, wie ich sie früher hatte, so eine kleine Canon.
Trotzdem beunruhigt es mich, dass ich so blöde „Unfälle“ habe. Ich habe den Toaster in Hobart, den Adapter, die Kamera und – wahrscheinlich – einen Bewegungsmelder und eine Leselampe kaputt gemacht und mein Steißbein. Ich glaube nicht an Zufälle, aber was will mir das sagen?

War bei S. und er zeigte mir, wie einfach es ist, die Klammern in den Tucker zu machen. Tee bekam ich auch.
Er ist grade dabei, die feinen Außenarbeiten an seinem Haus zu machen, die er seit Jahren vor sich herschiebt, weil es derartig kompliziert ist, dass man unmöglich damit anfangen kann, wenn man es sich recht überlegt. An diesem Haus gibt es keine rechten Winkel, in keine Richtung. Alles ist irgendwie schräg zulaufend. Um also Bretter nebeneinander als Wandverkleidung anzubringen, muss er am Untergrund nicht nur eine, sondern mehrere Schrägen ausgleichen mit verschiedenen spitzzulaufenden Latten, von denen ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, wie er die so präzise sägen konnte. Da bin ich mit meinen Maschendrahtproblemen noch auf der Sonnenseite, obwohl ich zwei Paar Handschuhe zerriss und heute die Hände voller Risse und Narben habe.
Er ölte mir noch den Tucker, so dass er jetzt etwas leichter geht und wird mir auch den kleinen Holzbalken zurechtsägen, den ich für mein Lesepult brauche. Das ich bauen will. Aber heute muss ich ruhen.
Zum Wetter sagte er: heute 30 Grad und viel Wind, morgen bricht das dann zusammen, es kommt Regen und Temperaturabfall. Klar. Sowieso. Wieso auch nicht? S. freut sich über jeden Regentropfen wegen der fire season, aber ICH! Ich freue mich NICHT! Wahrscheinlich ändert sich das, wenn hier der richtige Sommer losgeht.



Ich besichtigte noch das Hühnerhaus – Chicken-Hotel – diese Hühner haben quasi das Optimum an Lebensqualität, was ein domestiziertes Huhn auf diesem Planeten erreichen kann. Nicht nur, dass sie frei herumlaufen auf einem riesigen Gelände oder, wenn sie Lust haben, im Wald. Nicht nur, dass sie frisches Gemüse serviert kriegen. Nicht nur, dass sie viel Aufmerksamkeit von S. bekommen und sich an seinem Haus aufhalten können. Nein, sie wohnen auch noch in einer Hühner-Luxusvilla.
Der Bereich vorne (im Bild ganz rechts) ist ein kleiner Auslauf mit dichtem Gitter gegen Mäuse und Ratten, mit Wasser und Trockenfutter. Wenn S. mal länger weg ist, müssen sie sich dort aufhalten. Dann kommen sie durch einen Sprung in den nächsten Raum (grüne Türen) – der Sprung ist, damit die Possums nicht reinkönnen – dieser Raum hat Stangen und einen Körnerspender, ist also so eine Art Wohn-Esszimmer. Zum Schlafen geht es dann weiter in ein etwas kleineres Kabinett (weißer Kasten links) – S. hob den Deckel und da saß ein Huhn grade drin, auf seinem Ei – wo sie sich gemütlich niederlassen können. Kein Wunder, dass sie so selbstbewusst und herrschaftlich durch die Landschaft staksen.
Wir sprachen über Vögel – die kleinen Vögel werden hier von den großen gefressen, das war mir gar nicht klar. Die Cookaburras tun sowas, das sind Fleischfresservögel. Das sind die, die so gemein und laut lachen. P. A. hätte mal zwei Cookaburras gesehen, die gemeinsam eine Schlange getötet haben: einer hatte sie mit einem Ende im Schnabel und ließ sie, auf einem Baum sitzend, runterhängen und der andere hing am anderen Ende. So haben sie ihr wohl das Genick gebrochen. So ein Winzling wie mein Superb Blue Wren  ist für die nur eine Zwischenmahlzeit. Die Kleinen müssen sich dauernd in Acht nehmen. Ich habe sofort das Vogelbad halb in den Busch umgeräumt, wo sie sich sicherer fühlen müssten.

Was mache ich ohne Fotoapparat? Ich könnte mit dem Mobile fotografieren, aber wie kriege ich die Fotos zu mir ins Notebook? Rätsel über Rätsel.

Später:
Wir haben einen heftigen Wind aus (dem warmen) Norden, mein Häuschen schwankt schon wieder. Vorhin war ich am Meer, wo es bezeichnenderweise fast völlig ruhig war. Die Wellen hatten Gegenwind, der ihnen die Kronen wegwehte. Das Wasser wimmelte von Surfern und Suferinnen – insgesamt fünf! Ich saß gemütlich auf meiner Bank und sah ihnen zu. Die meiste Zeit treiben sie im Wasser, wenn sie dann mal eine Welle reiten, dauert es meist keine halbe Minute. Aber es scheint ihnen zu gefallen. Sie liegen auf ihren Brettern und werden von den Wogen gewogen, das sieht schön aus.
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