Mittwoch, 1. November 2017

Schwabbeln

Es war heute ein warmer, aber außerordentlich stürmischer Tag. Erst gegen Abend ließ der Wind nach, und ich ging zum Strand, um eine Nachricht zu schicken. Das Meer war ruhig, ich hörte kein Donnern und Toben, wie sonst meist üblich und es sah dann tatsächlich regelrecht flach aus. Aber dann sah ich, dass sich doch langsam, aber regelmäßig, große Wellen aufbauten, in langgezogenen Linien, die sich in prächtig glänzenden Rundungen wölbten, majestätisch zum Land zogen, um dort in ein gischtsprühendes Finale zu donnern.
Es waren vier Surfer im Meer und ein Jogger lief den Strand hin und zurück, nur in Badehose, denn es war immer noch warm. Ich setzte mich oben auf meinen Steilklippen auf einen Felsvorsprung, der noch in der Abendsonne lag, und schaut runter auf die Surfer.
Es sieht schön aus: sie dümpeln erst im Wasser, auf ihren Brettern liegend und paddeln langsam nach draußen. Die kleineren Wellen lassen sie durch und dann, wenn so eine richtig große sich aufbaut und sie den richtigen Moment erwischen, fangen sie kurz wie wild an zu paddeln, werden erfasst von der Welle und oben auf dem Kamm stehen sie plötzlich auf ihrem Board und begleiten die Welle, ihre schöne Rundung schräg anschneidend, bis sie zusammenbricht. Dann paddeln sie wieder raus.
Der Jogger beendete seinen Lauf mit einem Bad im Meer – ohne Wetsuit! Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen machte er anschließend auch noch Yoga: den Sonnengruß. Da brach ich auf nach Haus. Das ist ja wohl eine Zumutung, sich sowas anschauen zu müssen, wenn man selbst von jeder gesundheitlichen Ertüchtigung meilenweit entfernt ist.







Heute habe ich viel Kleinkram gemacht: Kissenhülle genäht, Regale angebracht, den Sockel einer Stehlampe konstruiert UND … ich habe angefangen, die Veranda zu ölen.  Das werde ich jetzt so nach und nach immer weitermachen.

Jetzt ist es 22 Uhr und es hat angefangen, zu regnen.
Immer, wenn ich mal englische Wörter im Wörterbuch suche fällt mir auf, wie altmodisch es ist. Es ist von Langenscheidt die 40. Auflage (1968) der 5. Neubearbeitung 1959, Copyright 1884, 1911, 1929, 1951, „unter Berücksichtigung der amerikanischen Umgangssprache“.
Wie sich die Sprache gewandelt hat – bzw. die Welt! Unter „S“ findet man oben in den Spaltenköpfen folgende Worte:
säen
Sä(e)tuch
Salzfleisch
Salzgurke
Sanitätswesen
sank
Saufgelage
Säugamme
Schädelbruch
schaden
Schalbrett
Schale
Schank
Schankfräulein
Schätzung
Schau
Scheidewasser
Scheideweg
Schererei
Scherflein
Schiefertafel
schiefmäulig
Schildkrötensuppe
Schildplatt
schlafen
Schlafenszeit
Schlagschatten
Schlagseite
schleifen
Schleifer
Schließung
Schliff
Schlußformel
Und später:
Schurkerei
schurkisch
schwabbeln
Schwabbeln? Sie meinen „schwatzen“ und es heißt „to babble“.
Da könnte man eine schöne Geschichte draus machen:
Fritz hatte eigentlich säen wollen, aber dann packte er ein Stück Salzfleisch in das Säetuch und ging einfach los. Er aß im Gehen eine Salzgurke und grübelte über sein Schicksal nach. Er war im Sanitätswesen beschäftigt, aber ihm sank der Lebensmut, wenn er daran dachte, so sehr hasste er diese Arbeit. Er wollte Vergessen suchen bei einem ordentlichen Saufgelage in der Dorfkneipe. Dort traf er seine alte Säugamme , deren Mann grade einen Schädelbruch erlitten hatte. „Komm“, sagte sie, „es kann nicht schaden, noch einen zu kippen.“ Das Schankfräulein brachte noch zwei Bier in Schalen aus Ton, wie es dort im Ort üblich war und stellte sie unwirsch auf das Schalbrett, das sie als Theke benutzten. Nach ihrer Schätzung hatten die beiden genug, besonders Fritz begann schon wieder, eine blöde Schau abzuziehen. Er lallte: „Ich fließe in einem Scheidewasser!“ „Wos hoast g'soagt?“ grunzte die Säugamme. „Am Scheideweg! Ich stehe am Scheideweg!“ brüllte Fritz und donnerte dramatisch mit der Faust auf das Schalbrett, so dass die Schalen überschwappten.„Nichts als Scherereien hat man mit euch“, grummelte das Schankfräulein. „Ich hab auch mein Scherflein beizutragen“, kreischte die Amme! Das Schankfräulein zuckte mit den Schultern und machte zwei weitere Striche auf die Schiefertafel. Schiefmäulig verlangte die Amme, die seit der Beerdigung ihres Mannes nichts Gescheites mehr gegessen hatte, eine Schildkrötensuppe. Als man sie ihr hingestellt hatte betrachtete sie lange den Löffel mit dem Stil aus Schildplatt: „So einen Löffel hat mir mein seliger Mann zur Verlobung geschenkt seinerzeit“, schluchzte sie und konnte die Suppe nicht weiteressen. Fritz sagte nichts, er schien zu schlafen. „Schlafenszeit!“ rief auch der Wirt und räumte die Suppe und die Bierschalen weg. Tatsächlich, der Mond draußen ließ die Bäume lange Schlagschatten werfen, so spät war schon die Nacht. Fritz und die Amme hatten beide eine ziemliche Schlagseite und versuchten notdürftig, sich gegenseitig zu stützen. „Wir werden nichts schleifen lassen! Niemals!“ kreischte die Säugamme in die stille Nacht und mit Mal blieb Fritz wie angewurzelt stehen und stierte sie an. Dann brach es plötzlich mit aller Macht aus ihm heraus: „Ich werde Schleifer!“ Die Amme taumelte: „Wos hoast g'soagt?“ Aber Fritz antwortete nicht. Er machte sich los von ihr und hastete zurück, um das Telefon des Wirtes zu benutzen, aber er hatte die Schließung des Lokals vergessen. Niemand öffnete auf sein Klopfen, also musste er bis zum  anderen Tag warten. „Ich gebe meinem Leben einen neuen Schliff“, kicherte Fritz, als er sich schwankend  auf den Heimweg machte.
Und das ist doch eine schöne Schlußformel!
Von der Schurkerei, die die schurkische Säugamme noch in dieser Nacht ausheckte und von der das Dorf noch lange schwabbelte, soll an anderer Stelle die Rede sein.
http://linde127.blogspot.de/2016/12/street-view.html Weiter