Ein stürmischer Tag! Er fing ganz harmlos an – kühl, bedeckter Himmel, ab und zu Sonne, fast ein bisschen schwül. Ich fing nach dem Mittagsschlaf an, die Wildnis hinter dem Holzschuppen zu roden. Dort lagert Abfallholz aus 30 Jahren, das ich sortieren will, überwuchert von dichtem Gestrüpp.Das ist eine Arbeit nach meinem Herzen. Ich machte mich auf allerlei Viehzeug gefasst – Schlangen, Skorpione, Blutegel etc., aber nur ein aufgebrachter Huntsman brachte sich hastig in Sicherheit. Grade als ich fertig mit dem Gestrüpp war, begann ein leichter Sprühregen, der immer dichter wurde. Ich ging zurück ins Haus und ließ mir ein heißes Bad ein. Während in der Küche der Ofen bollerte, die Regentropfen aufs Bad-Dachfenster drippelten und der Wind das Haus umstrich machte ich mich an Faulkner. Keine Lust auf Englisch-Buch oder Lesekreis-Buch oder den Australien-Klasssiker – ich will endlich mal wieder die Literatur lesen, die mich wirklich mitreißt. Also Faulkner.
Nach dem Bad steckte ich die schmutzigen Sachen gleich in die Wanne, zum waschen und zog um nach oben, wo das Panoramafenster eine wunderschöne Landschaft zeigte, mit satten, weichen Farben in tausenderlei Grüntönen, verklärt von dichtem Regenschleier, mit einem Wort: der Regenwald. Wie schade, das L., meine Biologin-Ex-Kollegin mich nicht besucht, ich hätte jetzt gerne Biologen um mich.
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| Badezimmerdeckenfenster |
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| Blick aus Badfenster. |
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| Blick aus Küchenfenster. |
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| Blick von oben. |

Ich schaute mir eine DVD an und trank eins von C.s wunderbaren Bieren. Eigentlich hätte ich dann Abendessen machen müssen, aber es zog mich nochmal zum Meer. Das ist ein ganz großes Glück, innerhalb von zehn Minuten drüben sein zu können, am Wasser. Es wird mir nie langweilig. Der Wombat wuselte oben am Hang und starrte mir verblüfft nach. Heute wehte ein heftiger Wind am Meer, aber es war nicht wirklich kalt. Das Wasser wurde von ihm reingedrückt in die Bucht und war aufgewühlter als gewöhnlich. Unten am Strand stand die Möwe, wie immer. Ich bleibe meist oben auf den Klippen und gehe gar nicht runter ans Wasser. Die Sicht von dort ist wunderbar und es gibt Mulden oder flache Felsenstücke in den Klippen, in denen man sich niederlassen kann, wenn der Wind mal nachlässt. Und keine giftigen Ameisen in der Nähe sind. Ein bisschen mulmig ist es mir schon da oben, so dicht am Rand. Sie sind hoch, diese Klippen und unten kocht das Wasser zwischen Felsenwirrwarr. Nichts für Leute mit Höhenangst.
Der Sendemast von Nubeena sendete mir meine E-Mails, diesmal drei richtig schön lange. Ich las sie zu Haus und werde sie in der Bücherei am Freitag mit dem Notebook beantworten, mit dem tragbaren Telefon ist das zu umständlich. Aber es ist schön, da am Meer meine Post aufzufangen.
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| Möwe. |
Auf dem Rückweg sah ich, dass in dem Haus, das zwischen meinem und dem Meer liegt und deren Zufahrtsweg über H.s Grundstück geht, jemand war, die Kette auf dem Weg war runtergelassen. Es soll ja verkauft werden, vielleicht sind es die Besitzer.
Jetzt habe ich gegessen und der Wind zerrt an dem Haus und pfeift durch alle Ritzen. Meine neue Lese-Stehlampe bewährt sich ausgezeichnet und ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken.