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| Wallaby mit Rückenwind. |
Erstmal stand ich auf bei Sonnenschein und Windstille. Als ich nach draußen ging, um Brennholz zu holen, stellte ich fest, dass es draußen um 7 Uhr morgens schon wärmer war als drinnen im Haus. Ich musste das Ruder um 180 Grad herumwerfen! Nicht heizen sondern die warme Luft draußenhalten, damit es schön kühl drinnen blieb! Ohne Flexibilität ist man hier aufgeschmissen, da muss man ganz schnell reagieren. Also: Sommer. Kurze Hose, T-Shirt, Sonnenhut.
Mittags kochte ich den halben Kürbis von S., was wirklich mühsam war. Ich meine: einen Kürbis schälen, weil die tasmanischen Kürbisse wahrscheinlich eine viel härtere Schale haben als die europäischen Memmen. Und am Ende war mein größter Topf bis oben hin voll, da werde ich eine Woche von essen. Aber sehr lecker war es, mit Knoblauch, Zwiebeln und Ingwer, darüber geröstete Sonnenblumenkerne und Sesamkörner.
Am Nachmittag wollte ich die Motorsäge anwerfen, aber es gelang mir nicht, obwohl ich minutiös alles aufgeschrieben hatte, jeden Schritt. Aber warum ging der Chok nicht nach unten? Und muss der Bügel nun nach vorn oder nach hinten? Und wo setze ich meinen Fuß hin, wenn ich an dem Anlasser reiße? Nachdem die Säge mir ein paar Mal weggesprungen war, ließ ich es bleiben. Ich hätte es öfter üben sollen. Also muss ich warten, bis S. mal wieder hier ist oder in Hobart nochmal üben. Ich werkelte unlustig ein bisschen am Abfallholz herum, aber die Holzstimmung war verdorben, ich wollte nicht mehr.
Der Tag hatte sich doch relativ kühl entwickelt, der Sommer war am Nachmittag zu Ende, es war bedeckt und ich machte mich zum Meer auf. Bekam ein paar sehr nette Mails und freute mich. Weil es noch früh war, fing ich an, weiter die Küste langzuwandern, natürlich oben auf der Steilküste, nicht unten am Wasser. Da stieß ich plötzlich auf ein Wunder: eine Bank auf einem kleinen Felsplateau! Und nicht einfach irgendeine Bank, sondern eine bequeme Bank: mit schräger Rückenlehne, breiten Armstützen, großzügiger Sitzfläche. Wenn eine Fee gekommen wäre und ich hätte drei Wünsche frei, dann wäre einer genau so eine Bank gewesen. Und hier! Festgebunden mit einem Strick gegen die Stürme. Lange saß ich dort und schaute übers Meer und versuchte, zu meditieren. Aber ich war so entzückt über diesen Platz, dass ich mich nicht konzentrieren konnte. Das nächste Mal.
Ich ging den Pfad noch weiter, aber das Gebüsch wurde schnell undurchdringlich. Da muss ich mal schauen, wie ich mich da mal durchschlagen kann. Ich habe ein bisschen Sorge, mich zu verlaufen, weil alles so gleich aussieht. Ich schreckte so eine Art Igel auf, der bei meinem Anblick den Kopf ganz fest in einen Busch steckte. Ich wartete ein bisschen, aber ich sah, wie sein kleines Herz pumpte vor Aufregung, da ließ ich ihn in Ruhe.
Stattdessen besichtigte ich das Nachbargrundstück, das ja verkauft werden soll. Das Haus ist ganz klein und einfach, ich glaube, sie haben da irgendeinen absurden Phantasiepreis für bezahlt und können die Schulden nun nicht mehr zahlen, irgendsowas hat H. erzählt.
Dann stieg ich den steilen, steilen Berg hoch, schreckte einen Papagei von seinem Nest auf und fotografierte die Eier, stapfte immer weiter und weiter durch trockenes Laub und Gestrüpp und landete schließlich genau da, wo ich laut meinen Berechnungen rauskommen sollte: über unserem Haus. Ein Wallaby, das mich vom Berg runterkommen sah, traute seinen Augen nicht. Immer wieder starren mich diese Tiere so fassungslos an, als könnten sie einfach nicht begreifen, was ich jetzt schon wieder mache. Sogar das kleine Baby steckte den Kopf raus aus dem Beutel und starrte.
Ich ließ mir ein Bad ein, da ich aber nicht geheizt hatte, war das Wasser nicht so richtig heiß. Aber gleich werde ich noch Wäsche waschen, dafür ist es gut.
Der Wombat wuselt am Hang herum, er ist mein allerzuverlässigster Nachbar überhaupt. S. habe ich seit Samstag nicht mehr gesehen.
















