Es ist unglaublich, aber das Wasser in dem Vogelbad schlägt Wellen! Ein stürmischer, kleiner Roaring Beach!
Immerhin gelang es mir in einer sturmfreien Phase, das von mir sortierte und gestapelte Holz abzudecken und die neue Heckenscherenkönigin auszuprobieren, die leider versagte, wie ich offen zugeben muss. Entweder ich muss sie schärfen oder sie ist nur für die Stadthecken geeignet und nicht für die richtige Natur. Aber schön aussehen tut sie schon.
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| Alle Bäume neigen sich zurselben Richtung. |
Später
S. war da und brachte mir den halben Kürbis und Knoblauch. Er war auf dem Weg nach Hobart, zu dem 60-sten Geburtstag von einem Schulfreund. Er fragte, wie ich mit dem Wintereinbruch zurecht käme. Er hat im Wetterbericht gehört, dass der Sturm morgen vorbei sei. Und im Winter gäbe es noch viel schlimmere Stürme hier, sagte er, und das Haus hätte alle überstanden, die Chancen stehen also gut, dass es auch diesmal gutgeht.
Ich zeigte ihm meine Leselampe, er lachte und sagte: „I like it!“ Er weiß eben ein gutes Stück Handwerkskunst zu schätzen.
Jetzt sind die beiden Hühner, der Wombat die Wallabies, die Huntsmen und Skorpione, all die großen und kleinen Vögel und ich also allein hier. Mit den Opossums und den Blutegeln. Der Sturm hält uns alle in Schach. Da ich meine Jacke in Hobart vergessen habe, kann ich nicht mal ans Meer. Ich habe mir so einen gelben Plastikregenmantel gekauft, den ich im Auto für Notfälle deponieren will. Allein wegen dem desaströsen Foto auf der Verpackung, hätte ich den kaufen müssen. Vielleicht tue ich den nachher mal über und schaue, wie es am Strand aussieht. Ob da jemand den Sonnengruß macht oder so.
Später
Ich war oben auf dem Berg, SMS abfragen, aber es war ein so eisiger Wind, dass ich schleunigst zurück ins Haus flüchtete. Jetzt scheint zwar die Sonne, aber der Wind hat deutlich zugelegt. Ich habe die Eingangstür mit allen alten Decken verhängt, die ich finden konnte. Es ist eine Lärmkulisse hier, das ist phänomenal: das dumpfe Dröhnen der Wälder rundherum, das heftige Rauschen der näheren Bäume, das Klappern des Hauses und das hohe Pfeifen durch die Ritzen und immer wieder so ein leichtes Donnern, wenn der Sturm auf das Haus prallt und um die Ecken fährt. Ohne Pause ein Auf- und Abschwellen nun schon über Stunden.
Später
Habe mir zwei Jacken übereinandergezogen und bin zum Meer. Ich war verblüfft: der schlimmste Sturm ist hier im Tal, Richtung Meer wurde es ruhiger. Dort war einfach der übliche Meerwind, auch wenn das Meer sehr kabbelig war, wie der Fachmann sagt.
Ich grübelte später lange über die Himmelsrichtungen und zog Karten zu Rate: der Roaring Beach schaut nach Süden, hat kein Land mehr zwischen sich und dem Südpol, deshalb die hohen Wellen dort. Das Haus schaut nach Osten, wo die Sonne aufgeht (Auch hier! Wo sie sich ÜBERHAUPT NICHT auskennen mit den Himmelsrichtungen und überhaupt allen Richtungen! Aber das mit dem Sonnenaufgang machen sie richtig!). Die Sonne wandert nach links, Richtung Norden, was hier die gute, weil die warme Richtung ist. Außer bei einem Danger Fire, da ist für uns auf der Peninsula der Nordwind sehr schlecht, der macht die Insel nieder. Dann geht die Sonne im Westen, also hinter dem Haus und dem Pearces Hill, meinem Hausberg, unter. Oder genauer hinter dem Mount Communication, mit 343 der höchste Berg in der Westhälfte der Insel. Dieser Sturm schien von dort zu kommen, aus Südwestlicher Richtung. Interessant. Ich brauche NATURWISSENSCHAFTLER hier!
Als ich später aufs Klo ging, war der Wombat dort unten im Wald. Ich blieb stehen, sah auf ihn runter und sagte: „Wombat.“ Er hatte die Ruhe weg. Er schnüffelte langsam am Boden lang Richtung Gebüsch, wo er seinen mächtigen Leib in kleinen Tippelschritten in den Trampelpfad wuchtete, den er dort gemacht hatte. Ich überlege, ihm einen Namen zu geben.
Die Wallabies sind nette Viecher. Sie sitzen ganz dicht am Haus und schauen mich unbeweglich an, wenn ich am Fenster stehe, die kleinen Vorderpfötchen hängen niedlich vor der Brust nieder, die Ohren drehen sich in alle Richtungen. Sie sitzen aufrecht und schauen und schauen und drehen ihre Ohren. Ich scheine ihnen ständig Rätsel aufzugeben. Bis auf die Vögel sind alle Tiere hier still, ich weiß gar nicht, ob Wallabies überhaupt ein Geräusch machen können. Oder Wombats.







