Mein erster Arbeitstag nach einer Woche Schlendrian in Hobart. Das Wetter ist gut: der Himmel ist bedeckt, kein Wind, angenehm kühl. Nach dem Frühstück hackte ich ein paar Grasbüsche am Outsleeper raus, was wirklich eine massive Aktion ist. Man muss die derbe und sehr schwere Spitzhacke hoch über den Kopf schwingen und dann Muskelkraft mit Schwerkraft verbünden und sie schön grade vor einem niedersausen lassen in das Gestrüpp und den lehmigen Boden. Wichtig ist, möglichst nah am Wurzelstock zu landen. Versinkt die Hacke im Boden, fängt man an sie als Hebel zu benutzen und weit zurückzudrücken um so den Wurzelstock zu lockern oder rauszuhebeln. Natürlich durchstreifte dabei mein Blick unablässig die Umgebung nach Leeches, ich sah aber keinen. Der Boden hier ist im Grund der pure Lehm, dicke Klumpen davon klebten immer wieder an der Hacke und nur mit kräftigen Fußtritten bekam ich sie los.
Zur Erholung warf ich zwischendurch immer mal wieder die Motorsäge an und zersägte ein paar Stämme. Nur, um ein bisschen Spaß zu haben.
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| Arbeitsplatz. |
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| Arbeitsschuhe. |
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| Arbeitshandschuhe. |
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| Wartende Arbeit. |
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| Ölung Outsleeper. |
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| Gelungene Arbeit. |
Irgendwann ging ich los zum Meer, um Nachrichten zu fangen. Es ist wunderbar, einfach so in Latschen und ollen Klamotten losgehen zu können und nach 10 Minuten am Strand zu sein, ohne einem Menschen zu begegnen. Das tote Wallaby wird von den Fliegen grade zerlegt, dann sah ich einen großen Igel oder was immer das ist, er drückte sich ins Gebüsch und machte sich zu einer Stachelkugel.
Im Meer waren fünf Surfer: ganz rechts einer, der auf die großen Monsterwellen nah bei den Felsen wartete. Ich wunderte mich, wie lange er sich treiben ließ, durch die meisten Wellen tauchte er samt Board unten durch. Ganz links kämpfte ein Anfänger-Surfer damit, überhaupt wegzukommen vom Strand, hinaus in die Wogen. Da seine Strategie war: „Zwei Schritte vor – zwei Schritte zurück“, blieb er die ganze Zeit an derselben Stelle und wurde von den Wellen nur ein bisschen hin-und hergeschubst. Aber er gab und gab nicht auf, was mich verblüffte. In der Mitte waren drei Surfer, die ganz weit rauspaddelten, so weit, wie ich noch nie welche gesehen hatte. Dort gab es aber keine Brandung, die Wellen entstehen ja nur in Strandnähe. Also dümpelten sie dort draußen lange herum und schwatzten miteinander. Ich blieb eine halbe Stunde auf der Bank, aber es änderte sich nichts Grundlegendes: geduldige Surfer, die nicht surfen, sondern nur in den Wellen rumhängen - da trödelte ich wieder heim.

Am Nachmittag zog ich die Arbeitssachen an und probierte erstmal die neue Säge aus, d.h. ich warf den Generator an, was problemlos ging. Diese Säge kann nur mitteldicke Äste zersägen und ich machte einen Haufen klein. Für sie habe ich eine neue Stapelstelle am Werkzeugschuppen gegründet. Zur Seitensicherung brauchte ich ein langes Brett. Das einzige, was ich fand, lag unter dem Haus und ich fand eine Methode, mich auf den dort gelagerten Plastikrohren wie auf einem Förderband unters Haus zu rollen, das Brett zu greifen und zurück zu rollen. Das war sehr befriedigend. Das Brett passt GRADE NICHT, es war zu lang. Ich schätzte es ab, wieviel ich absägen muss, sägte, kam zurück und sah, dass ich mich so derartig verschätzt hatte, dass es völlig lächerlich war. Wie kann ein Mensch sich so derartig verschätzen? Wie ist das möglich?! Soll ich auch Vitaminpräparate nehmen? Ich bastelte es dann doch irgendwie hin, aber war unzufrieden. Solche Fehler hasse ich.
Dann ging es wieder mit Spitzhacke gegen die Büschel unten am Outsleeper. Nach kurzer Zeit war ich schweißgebadet, aber so nach und nach arbeite ich mich vor. Und keine Leeches! Als ich zurückging war es schon sieben Uhr durch, ich war verblüfft. Ich machte den Leechtest: nichts. Dann ging ich duschen, das Wasser war nur lauwarm, aber wunderbar erfrischend. Eigentlich will ich heute Yoga anfangen, aber ich weiß nicht, ob ich das noch schaffe. Mal sehen.