Mittwoch, 13. Dezember 2017

Stach

Kein Yoga gestern. Aber die Matte ist ausgerollt und das Buch liegt bereit.
Heute habe ich das übliche Programm absolviert: hacken, sägen, Kafka-Biographie. Es gefällt mir von Tag zu Tag besser. Was kann der Reiner Stach SCHREIBEN, das ist grandios! Mal ein Beispiel:
Psychoanalytische Fernanalysen über eine historische Kluft von mehr als einem Jahrhundert sind prekär: Nicht nur fehlt die dem analytischen Prozess so wesentliche Dimension der spontanen Verständigung, der Rückkopplung zwischen Deutung und Selbstdeutung; weitaus folgenreicher noch sind die hermeneutischen Widerstände, die aus der kulturellen Distanz erwachsen, Widerstände, die selbst dem historisch gesättigten Einfühlungsvermögen bisweilen unüberwindbar sind. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie und wie tief  sich Mentalitäten, symbolische Formen und Alltagspraktiken ins Unbewusste einbrennen, wie sie die individuelle Geschichte formen und schließlich auch zum Reden bringen – oder zum Schweigen. Einem Psychoanalytiker, der in einer christlich geprägten Umgebung aufwuchs, werden bei einem jüdischen Patienten womöglich entscheidende Hinweise entgehen – selbst dann, wenn beide, Analytiker wie Patient, die emotionalen Fixierungen und die Denkverbote ihrer jeweiligen religiösen Kultur längst abgestreift haben.
Es ist unglaublich genau und gleichzeitig kein bisschen verquast. „... die hermeneutischen Widerstände, die aus der kulturellen Distanz erwachsen“ - das ist so anschaulich und lebendig, es ist vorsichtig, aber sehr zielsicher, das bewundere ich grenzenlos. UND: Stach ist ein Fan von FAULKNER, zitiert und vergleicht ihn mit Kafka! Da schließen sich meine Kreise.
Kafka selber, den er ja viel zitiert, ist einfach derartig scharfsinnig, dass ich mich wundere, dass sie das überhaupt drucken konnten und seine Sätze nicht das Papier zerschnitten:
Psychologie ist Lesen einer Spiegelschrift, also mühevoll und was das immer stimmende Resultat betrifft ergebnisreich, aber wirklich geschehen ist nichts.
(Zürauer Oktavhefte, 25.2.1918)
Bei dem Sturm neulich sind viele Bäume umgekippt oder zerbrochen, so auch einer der Bäume hier: in der Mitte durchgebrochen. Ich fing an, den niedergestürzten Teil zu zersägen und musste die Erfahrung machen, dass meine mörderische Säge, die Lärm macht ohne Ende und sich geriert als Monster aller Werkzeuge, dass diese Säge ZU KLEIN ist, gegen einen richtigen Baum anzukommen. Zu klein. Ich fasse es nicht.


Ich habe den Outsleeper fertiggeölt, damit auch mal was fertig ist, schön ist das.
Da wir keinen Wind haben,  sind die Abende wunderbar. Ich saß lange mit einem Buch am Meer, sammelte dann ums Haus herum das gesägte Holz zusammen und ging sogar den sehr, sehr steilen Berg hinauf und fing an, die Stämme, die H. dort oben schon vor längerer Zeit mal abgesägt hatte, den Berg runterzuziehen oder zu rollen. Immer wieder blieb ich einfach stehen, und schaut ins Tal hinunter und freute mich. S2 kam mit seinem unwahrscheinlich lauten roten Auto den Weg langgerast und dröhnte dann seinen Berg hinauf. Die Dämmerung senkte sich, ich hörte S. irgendwas rumoren, ein paar Vögel krakeelten halbherzig. Was für ein friedliches Fleckchen Erde das hier ist!

Creek hat Wasser.



Baum abgebrochen.
Pilze!
Mit VIEL KRAFT drücken sie sich durch nach oben.





Immer weitere Fortschritte.

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