Ich weiß, dass das Leben nicht immer einfach ist, aber muss es
so sein? So überproportional
Problemorientiert? Dabei fing der Tag ganz harmlos an: ein paar Regentröpfchen, aber nichts Ernstes. Ich ging zum Meer, um Nachrichten aufzufangen. Dann kam ich zurück und hackte ein paar Büschel von dem harten Gras weg, an der Dusche. Da es trotz Wolken recht warm und feucht war, war ich sofort schweißgebadet. Ich wechselte also die Sachen, als ich im Haus war und machte natürlich den Leech-Check. Ein misslungener Angriff, d.h. eine kleine Bisswunde, sonst nichts. Im Laufe des Vormittags begann dann der richtige Starkregen, aber da es nicht kalt war, machte das nichts. Schlimm finde ich die Kombination von Regen und Kälte, aber die habe ich hier erst einmal erlebt. Ich legte mich nach dem Essen schlafen und als ich aufwachte, so gegen 3 Uhr, ich weiß nicht wie – da spürte ich unter meiner Achsel etwas Weiches, Wabbeliges, Rundes, schoss aus dem Bett wie eine Rakete und riss mir die Sachen vom Leib. Und tatsächlich fiel da ein fetter Blutegel auf mein Bett und begann hastig davonzukriechen. Oh. Mein. Gott. Wenn ich mich auf den draufgelegt hätte und er zerplatzt wäre! Ich fing ihn mit einem Glas ein und steckte ihn in den Ofen. Und suchte die Wunde. Direkt hinter meinem linken Arm, kurz vor der Achselhöhle war sie. Natürlich waren alle Sachen blutig und die Wunde hörte nicht auf zu bluten, so dass auch die zweite Garnitur blutig wurde, bis ich schließlich eine Kompresse bastelte, dann war Ruhe. Ich wollte ja in die Bücherei, hatte keine Zeit auf das Ende der Bluterei zu warten.
Hastig und ziemlich entnervt setzte ich meine Espressokanne auf den Herd, füllte Kaffee ein und sah dabei, dass die Kettensäge im Regen lag, weil die Terrasse des Outsleepers total eingeregnet wurde. Ich rannte raus, holte die Säge rein. Als ich zurückkam war die Espressokanne fertig, nicht aber der Espresso, denn ich hatte vergessen, das SIEB reinzutun, ehe ich das Pulver einfüllte. Ich gab auf, machte mir einen löslichen Kaffee, füllte den in eine Thermoskanne und fuhr los. Regenfluten ohne Ende, aber die Fahrt war okay.
Dann in der Bücherei: die Bibliothekarin war krank, eine ältere Dame vertrat sie die nicht wusste, wo sie das Passwort für den Internetzugang finden sollte. Ich wartete und wartete. Fragte ab und zu, ob sie nicht bei der Bibliothekarin anrufen könne, aber das ignorierte sie. Schließlich fand sie es, aber mein Zugangsname stimmte nicht. Irgendwann fand ich heraus, dass ich ein „l“ mit einem „I“ verwechselt hatte („el“ mit „i“). Dann war ich endlich drin. Von nun an gab es keine Pannen mehr, aber ich ging auch kein Risiko mehr ein und fuhr nach der Bücherei gleich nach Haus. Es schüttete und schüttete, die Welt versank in Regen. Alle Wasserreservoirs werden aufgefüllt werden und die Bäume werden sich vollsaugen für den langen, heißen Sommer.
Die Vertretungsbibliothekarin sagte, hier sei noch eine Deutsche, eine Christine, die in White Beach lebt und auch immer für ein halbes Jahr hier sei, die müsste ich kennenlernen. Es ist komisch, aber ich habe immer noch kein wirkliches Bedürfnis, Leute kennenzulernen. Ich bin schon zwei Monate hier und fühle mich, als würde ich immer noch ganz am Anfang stehen.
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| Bild aus dem Internet. |
Am Abend dann saß ich auf meinem Bett, klappte mein Notebook zusammen um nach unten zu gehen, da sah ich aus den Augenwinkeln diese ganz bestimmte Kontur, die einen doch immer irgendwie schaudern macht: einen
Huntsman. Er ließ sich grade auf der Ablage neben meinem Kopfkissen nieder. Ich richtete eilig alle verfügbaren Lampen auf ihn und rannte nach unten, um eine große Tasse und eine Pappe zu holen. Zum Glück war er so paralysiert von der Beleuchtung, dass er bewegungslos sitzengeblieben war. Unsicher hantierte ich mit der Tasse, denn so groß sie auch war, ich würde ihm die Füße einklemmen damit. Aber wie ich sie so halb über ihn gestülpt hatte, da schlüpfte er ganz schnell von selber rein, offensichtlich froh, aus dem Licht raus zu sein. Ich deckte die Tasse ab und trug sie nach draußen. Dort entließ ich die Riesenspinne, die missmutig in Dunkelheit und Regen davonhampelte. Den Abend hatte sie sich gemütlicher vorgestellt, aber dieser Freitag war ein Tag, an dem viele Pläne misslangen, das musste auch dieser Huntsman erfahren.
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| Regen. |
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| Regen. |
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| Regen. |