S. kam und brachte mir Aprikosen und wir tranken Tee und erzählten uns weihnachtliche Familienerlebnisse – er hat zwei verheiratete Schwestern mit je zwei Kindern und einen Bruder und alle feierten zusammen mit der Mutter bei der Schwester.
Er sagte, der Sieger vom Yacht-Rennen sei tatsächlich mit einer Stunde Abzug gestraft worden und damit auf dem zweiten Platz gelandet. Das Rennen sei so schwierig, weil man das Meer zwischen dem Mainland und Tasmanien durchqueren muss, das wohl sehr, sehr schwer zu segeln sei.
Boote spielen in Tasmanien eine große Rolle, sagte S., jeder will eins haben und es gibt wohl kein Land auf der Welt, wo es so viele Boote pro Einwohner gibt. Hauptsächlich Männer sind darauf versessen, weil sie dann mit ihren Kumpels und einem Kasten Bier einfach raus können aus allem und sind draußen auf dem Wasser und angeln ein bisschen und fühlen sich frei.
Dann klopfte S. sich die Knöchel wund am Wassertank, aber er sei noch halb voll, meint er. Mit der Säge hatte er dann auch Schwierigkeiten, aber als ich gleichzeitig den Gashebel drückte, während er am Anlasser riss, bekamen wir sie an. Diese Säge müssen wir immer zu Zweit anwerfen. Oder wir bringen sie nach Nubeena, zu einem Kettensägenflüsterer, der stellt sie richtig ein, schlug S. vor.
Den Nachmittag verbrachte ich dann damit, die dicken Holzstämme zu zersägen und zu stapeln, was äußerst befriedigend ist, auch wenn ich ein bisschen besorgt bin wegen dem Stapel. So richtig sicher scheint er mir nicht. Ich kann ihn zum Schwanken bringen, wenn ich will. Kann das auch der Wind? Oder ein blödes Opossum? Wir werden sehen.
Am Abend bin ich dann auf den Berg losgezogen, mit einem riesigen Rucksack voller Essen und Getränke, Bücher, MP3-Player, ein Kissen, eine Decke, der dicken Jacke und nicht weniger als vier Solar- und Taschenlampen. Als ich grade bei S. vorbei war fiel mir ein, dass ich keine Uhr dabei hatte, was blöd ist Silvester, also kehrte ich um, und holte eine. Dann ging es aber los.
Der Berg ist stellenweise richtig, richtig steil, aber ich konnte ja langsam gehen, in meinem eigenen Tempo. Es war gegen 19 Uhr und die Abendsonne schien durch die Bäume, ein leichter Wind ging. Ein Wombat kam mir auf dem Weg entgegen und polterte in Panik den Abhang runter, als er mich sah. Schon nach einer Dreiviertelstunde war ich da, schweißgebadet, aber hochzufrieden damit, wie einfach der Weg war. Den würde ich auch in der Dunkelheit gut wiederfinden.
Die Hütte ist winzig, aber sehr ordentlich und gut gemacht – spartanisch, aber mit Qualität, wie ich durch die Fenster sehen konnte. Ein kleines Bad mit Waschbecken und Dusche, dann ein kleiner Raum, die Fensterfront mit einem phantastischen Fernblick zum Meer und zu Bruny Island und dem Festland dahinter. Vor dem Fenster eine Küchenzeile, ein Gaskocher, ein paar ordentlich aufgehängte Tassen, ein paar Dosen. An der einen Längswand ein Futon-Sofa und ein Bücherregal voller Bücher, an der anderen Wand der Ofen. Das war es auch schon. Ein kleines Lesehaus.
Die Terrasse ist groß, zwei der Stufen sind eingebrochen, ansonsten ist alles in Ordnung. Ein Feuerplatz mit schön gemauertem Rost und zwei Bänken, in der Ferne das Klohäuschen. Ich frage mich, ob sie es vermieten oder verkaufen würden, das letzte Mal waren sie vor 9 Monaten da, hatte S. gesagt. Vielleicht erkundige ich mich mal. H. will ja eh einen Fourwheeldrive kaufen, er könnte mir Sachen hochfahren und kleineres Zeug könnte ich hochtragen, wenn ich ein Auto unten parke. Ich würde, wenn mir das Häuschen gehören würde, noch einen Raum oder eine zweite Hütte anbauen. Da oben ist wirklich Ruhe, noch abgeschiedener geht nicht. Allerdings ist man im Falle eines Buschbrandes ziemlich aufgeschmissen dort oben. Und ich weiß nicht, ob man da irgendeinen Internet- oder Telefonempfang hinkriegen würde.
H. hatte erzählt, dass das Feuerwerk von Hobart auf einem Ponton aufgebaut wird, der in einer bestimmten Sicherheitszone auf dem Wasser liegt. In einem Jahr hatte sich der Ponton losgerissen und fing langsam an, aus der Sicherheitszone zu treiben. Der zuständige Feuerwehrmeister war verzweifelt – was sollte er tun? Wenn der Ponton außerhalb der Zone war, konnte er das Feuerwerk nicht mehr starten. Es war gegen 23.20 Uhr, als er beschloss, es abzubrennen. Besser zu früh, als überhaupt nicht. Es gab natürlich einige Verwirrung an Land, aber später lobten ihn alle.
Ein riesiger Vollmond war aufgegangen, ich hörte von Pink Floyed „The Wall“, was sich ja so langsam hinzieht und wunderbar passte. Und ich tanzte ein bisschen zu Musik von Cheikh Lo aus dem Senegal, die sich auch in diese freie, menschenleere Weite hier gut fügte. Ich trank Rotwein, aß Cracker mit Lachsaufstrich und verjagte ein Opossum, das träge den Berg direkt auf das Haus zugeschlappt kam, um hier rumzuhängen. Mistviecher! Es war eine tolle Party, ich war glücklich!
Und um halb 1 stapfte ich durch den in weißes Mondlicht getauchten Wald den Berg wieder runter, müde und mit zuviel Rotwein im Kopf und nicht einem einzigen guten Vorsatz für das neue Jahr!





















