Heute hatte ich ein Tief, mir fehlt der Stach mit der Kafka-Biographie. Das neue Buch über die Sprache ist nett, aber bieder, Schulbuchartig, knapp vor der Langeweile. Aber ich will es noch ein bisschen versuchen. Trotzdem hatte ich plötzlich eine große Unzufriedenheit zu bewältigen und kurzentschlossen packte ich alles ein und ging zum Meer. Setzte mich in den warmen Sand und war gleich wieder getröstet. Warmer Sand ist was Wunderbares.
Es trieben sich allerhand Leute herum, insgesamt sechs. Weil Ferien sind. Keine Surfer, der Wind steht nicht gut für sie, aber das Meer kochte und brauste und brandete, was das Zeug hielt. Schön anzuschauen, aber nicht schön zu surfen, nehme ich an. Als alle Leute weg waren ging ich kurz ins Wasser. Es ist immer noch beängstigend wegen all der Geschichten von der Strömung, die ich gehört habe und weil diese Wellen sich so heftig aufführen, deswegen habe ich ungern Zeugen, wenn ich reingehe. Aber es ging gut, ich werde daran arbeiten zu riskieren, bis zum Kinn reinzugehen und den Bodenkontakt zu verlieren.
Ich kletterte dann noch ein wenig in den Felsen herum. Ich habe noch nie in meinem Leben so ein ein varianten- und farbenreiches Gestein gesehen, es bildet die merkwürdigsten Formen: wie erstarrter, aus der Form gequollener Kuchenteig sieht es stellenweise aus, dann wieder ist es in pedantische Rechtecke geschnitten, es bildet eine Reihe kleiner Nasen oder wie mit einem großen Kamm gezogene feine Linien, es gibt grob abgebrochene oder weich gerundete Felsbrocken, das Meer hat Höhlungen ausgeformt unter bizarren Überhängen, die unterschiedlichsten Steinarten lagern übereinander, was man an den Steilwänden schön sehen kann. Das Ganze in einem breiten Farbspektrum zwischen Rot, Orange und Grau, teilweise heftig umtost von der Brandung, teilweise aufgeheizt und ausgetrocknet von Wind und Sonne. Kleine Stufen ermöglichen überall ein einfaches Klettern, es macht Spaß.
Am Abend kam S. und sagte, morgen haben wir „Total-Fire-Ban-Day“. Den gibt es ca. 5 bis 6 Mal im Jahr, wenn es sehr heiß wird mit Wind aus dem Norden. In Australien sind morgen im Outback 50 Grad, im Süden 45 Grad, und es wird sich dann in der Wüste ein Wind mit 100 km/h aufmachen, runter zu uns, nach Tasmanien. Auf der ganzen Insel darf es morgen keine offene Flamme geben, die Leute im Busch sollen ihre Autos volltanken und ihre Notfallsachen packen und die Feuerpumpen prüfen. Darum der Hubschrauber, der heute vorüberflog, der schaute, ob irgendwo ein Feuer ist, das bis morgen unbedingt komplett aus sein muss. Es sei wohl so, dass es Verrückte gibt, die diesen Fire-Ban-Day nutzen, um zu zündeln, um das größtmögliche Desaster anzurichten, die werden von der Polizei gewarnt und beobachtet. Ich werde morgen nach Hobart fahren, bin also aus der Gefahrenzone, aber S. wirkte sehr angespannt.
Das ist schon verrückt, nur morgen werden es über 30 Grad sein mit diesem heftigen Wind, ab Sonntag ist es wieder kühl. Es sind diese Extreme hier, die Australien anstrengend machen.
Dann fiel mir noch dieses böse Dornengewächs ein, dass S. bei unserer Distel-Aktion entdeckt hatte und er sagte, okay, wir holen es jetzt gleich raus, ich nehme es mit in den Müll. Wir zogen los mit seiner Spitzhacke und er hackte zwei große, böse, dornige Dinger raus, ich sammelte alles ein und brachte es zu seinem Auto. Eine gute Aktion! Richtig gut, denn wenn die sich irgendwo ansiedeln, dann hat man ein Problem. Da kommt dann sogar die Gemeinde und hilft einem, weil es so gefährlich und böse ist, das Zeug.
Grade merke ich, dass ich heute nur über Gefahren schreibe: das Meer, das Feuer, die Pflanzen. Erwähnen könnte ich noch, dass S. heute auf dem Weg zum Garten fast auf eine Schlange getreten ist.
































