Ich habe von Rolf Elberfeld Sprache und Sprachen angefangen, das ist nett. Ich lernte das schöne neue Wort Singularetantum kennen, was etwas im Singular ist, zu dem keine Plural gebildet werden kann. Ein gutes, ein nützliches Wort, das werde ich in Zukunft sicher oft gebrauchen.
Nach dem Mittagsschlaf packte mich plötzlich ein ganz neuer Drang: ich ließ das Holz und die Spitzhacke links liegen, packte Handtuch und Badeanzug ein, den Faulkner und die Sonnencreme, griff einen Eimer (ich brauchte noch Sand für meine Karottenvorratskiste) und ging zum Strand. Nicht oben, zu meiner Bank, sondern richtig runter, ans Meer.
Der Sand war weich und weiß und warm, und das Wort Sand ist ein Singularetantum, fiel mir sofort auf, was sicher ein gutes Zeichen ist. Ich suchte mir einen Platz nah bei den Dünen, wo einige rundliche Felsbrocken sich als Kopfstützen anboten, auch diese wunderbar aufgewärmt und behaglich, wenn auch keine Singularetanten.
Erstmal blieb ich liegen und starrte abwechselnd in das prächtige Schaumgetöse der Wellen und in das Wortgetöse von Faulkner und merkte, wie wunderbar das ist, in dieser hellen Weite zu sein zwischen Stand und Meer und Himmel. Das tut einfach gut, es macht irgendwas mit einem, man weitet und erhellt sich auch innen ein wenig.
Nach einer Weile ging ich vor zum Wasser und prüfte mit den Füßen die Temperatur, die überhaupt nicht so entsetzlich war, wie ich sie mir immer ausgemalt hatte. Ich zog kurzentschlossen den Badeanzug an und ging rein – es ging! So ungefähr hüfttief ließ ich mich überspülen und testete ein bisschen die Kraft der Wellen. Alles halb so wild, glaube ich. Da werde ich weitermachen, das ist einfach schön da unten. Unkompliziert.
Ich füllte später den Eimer mit Sand und trug ihn, der richtig, richtig schwer war, den ganzen Weg zurück auf dem Kopf, wie die Frauen in Afrika. Es ging so gut, dass ich ihn am Schluss kaum mehr mit der Hand festhalten musste.
Dann verbrannte ich noch meinen Müll, der angefangen hatte, komisch zu riechen. Normalerweise entsorge ich ihn im Gemeindemülleimer, wenn ich zur Bücherei fahre, was ich jetzt nicht getan hatte. Das finde ich auch sehr befriedigend, das ich hier einfach Müll verbrennen kann. Ich verbrannte auch den Nabokov, wobei mir doch ein bisschen mulmig wurde. Aber was hätte ich damit machen sollen? Ihn vergraben? Von der Klippe werfen? In die Höhle eines Wombat stecken?
Auch das Wort Müll ist ein Singularetantum.








