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| Vögel essen Äpfel. |
Er holte noch Proviant aus dem Garten, dann fuhren wir nach Port Arthur und von dort aus zur Küste (Fortescue Bay), zu dem Nationalpark. Es gibt hier wirklich sehr, sehr viel Wald, aber das meiste ist für die Papierherstellung bestimmt, d.h. die großen alten Bäume sind vor 50 Jahren oder so abgeholzt worden und es wuchsen in Massen Bäume nach, die jetzt sehr hoch sind, viel höher als unsere Bäume in Deutschland, aber eher dünn. Es ist schon auch schön, unter diesen Riesen langzufahren, aber es ist kein natürlicher Wald mehr, bis man zum Nationalpark kommt, den lassen sie in Ruhe. Die Regel dort ist: „Nichts mitnehmen und nichts dalassen“.
Der Walk zum startete an einem Rastplatz am Strand, wo schon etliche Autos standen – alles Touristen, nur wir fuhren in Ss altem Ute vor, und ich betrachtete die teuren Fourwheeldrives mit dem feinen, überlegenem Lächeln der Einheimischen. Es gab eine sehr schöne Picknickhütte und Grillplätze, einen wunderbaren, weißen Strand, ein paar Stellen zum Campen und einen Bootsanleger.
Zu Beginn trugen wir uns in das Registrierungsbuch ein und betrachteten dann eine Karte mit der Beschreibung. Eine Strecke dauerte zwei Stunden, der Schwierigkeitsgrad war mittel. Der ganze Track war dann total schön angelegt, mit vielen Stufen aus Natursteinen, was enorm viel Arbeit war und sehr, sehr teuer. Das musste alles mit dem Hubschrauber hingeflogen werden und Dolorit ist verdammt schwer, und es hat natürlich auch Jahre gedauert. Es waren dann viele, viele Stufen, man muss sich vorstellen, dass wir insgesamt von den vier Stunden Weg mindestens zwei Stunden Stufen stiegen. Mindestens.
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| Sehr tief runter.... |
Wir hatten viel Spaß, während wir den schmalen Pfad abwanderten, es ist nett, sich dauernd austauschen zu können. Es gab nicht viele Einzelpersonen, die den Walk machten. Der Pfad schlängelte sich erstmal lange durch den Bush, dann wurde es kahler und wir kamen auf die Klippen, wo sich keine Bäume mehr halten können, der Wind, der übers Meer gestürmt kommt, rasiert sie sofort ab, der Boden ist dicht mit Büschen bewachsen worin viele kleine Vögel leben. Vor uns sahen wir das, was die Tourismusbranche als „gewaltige Steinküste mit atemberaubenden Tief-und Weitblicken“ beschreibt, und ich muss das auch so beschreiben. Wir sahen in der Ferne unseren Track, der sich, wie die Chinesische Mauer, weit vor uns über das Kliff schlängelte. Und in der Weite des blauen Wassers sahen wir Inseln im Dunst, wir sahen einen Leuchtturm, wir sahen den unbegreiflichen Horizont, diese schmale Linie, die so rasiermesserscharf und so makellos grade das stille Meer vor unseren Augen abschneidet, wodurch es noch viel endloser wirkt.
Dann kamen wir zu den Klippen. Die Klippen sind wirklich, wirklich steil. Richtig steil. Man kann dort ganz am Rand stehen und runterschauen und man denkt unwillkürlich: „Mann, ist das steil.“ Und tief. Winzig kleine Pflanzen haben sich auf den Felsabsätzen niedergelassen und fristen dort ihr windiges Leben, sicher schon uralt und mit bescheidenen Bedürfnissen. Tief unter uns flogen die Möwen, die alle plötzlich in Geschrei ausbrachen, als über uns ein See-Adler mit kaum merklichen Bewegungen seiner außerordentlich mächtigen Schwingen dahinsegelte. Auch wenn die Vögel sicher untereinander heillos zerstritten sind: wenn der Adler kommt, dann halten sie zusammen und warnen sich gegenseitig.
Tasmanien ist fast überwiegend von Dolorit- oder Sandsteinklippen umgeben, man kann fast nirgendwo an Land gehen, sollte man als Schiffbrüchiger hier mal anlanden. Brandung, Felsen, Klippen, Wald – das ist Tasmanien. Außenrum. Innen gibt es dann auch Schafe.
Am Ende des Tracks gab es einen schönen Aussichtspunkt, wo sich die Wanderer versammelten – außer uns fast alles junge Leute mit Sonnenbrillen, diesen Nike-Schuhen und der richtigen Outdoorkleidung. Was wir anhatten, erwähne ich hier nicht.
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