Die Bibliothekarin fragte, wo ich so lange gewesen sei und brachte mein Notebook ins Netz. Ich hatte eine schöne, stille Stunde dort, obwohl ich mein zerstörtes Dokument nicht wieder herstellen konnte. Anscheinend hatten schon einige dieses Problem und dann kriegt man endlose Forums-Diskussionen mit Millionen Lösungsvorschlägen und während man sich das alles durchliest, erlahmen die Kräfte und man gibt auf. Ich jedenfalls.
Ich fuhr zum OP-Shop – diesem gemeinnützigen Gemeindeladen - wo ich Kartoffeln, eingelegte Gurken und Tomaten und große Gläser für meine getrockneten Äpfel erstand. Und wen traf ich dort? Stefan mit seiner Freundin und einem ihrer Söhne! Sie wollten einen Stuhl kaufen und fanden tatsächlich einen. Sehr nett, die Freundin. Und der Sohn konnte sogar ein bisschen Deutsch.
Nach dem Mittagsschlaf ging ich hoch zu S., mit einem großen Glas getrockneter Äpfel und fragte, ob wir mal zusammen diese bösen Pflanzen anschauen gehen, die bei Greg nebenan, auf dem Weg zum Meer, wuchsen. Wir tranken Tee und ich überwältigte S. so mit meiner Begeisterung für Literatur, dass er aufstand, sein Notebook holte und übers Internet einen Faulkner und einen Cormac McCarthy bestellte in der Bücherei. Da war mein Englisch wirklich mal beredt.
Dann fuhren wir mit seinem Ute zu den Pflanzen weil er dachte, wir könnten sie schneiden - er hatte seine Kettensäge dabei - und mitnehmen. Aber er stellte fest, dass sie schon ausgesamt hatten, es war zu spät. Und wir fanden immer mehr – insgesamt über zwölf Pflanzen. Manche davon waren mit Bändern gekennzeichnet, d.h. Irgendjemand hatte den Kampf gegen sie schon aufgenommen. S. wird mal rumtelefonieren und der Sache nachgehen. Zuständig sind die Landbesitzer, die in Sydney leben und vergeblich versuchen, das Land für 700.000 $(!) zu verkaufen. Aber es gibt auch einen Unkraut-Beauftragten in der Gemeinde, kann sein, dass der sowas macht.
Wir gingen dann noch zur Bank und S. erzählte mir, wie in der Bucht nebenan mal ein Wal war. Ein Freund hatte eine Stunde dort auf dem Kliff gesessen und ihn beobachtete. Dann ging er heim und rief S. an, der noch schlief. S. sprang augenblicklich aus dem Bett, zog sich an, griff sich noch schnell einen Apfel zum Frühstück und rannte los. Rannte durch das Tal, zur Küste. Rannte hoch zu den Klippen. Und kurz bevor er da war, hörte er den Wal schnaufen oder pusten oder sowas. Aber als er endlich dort war, da war der Wal weg. Scheinbar hatte S. seinen letzten tiefen Atemzug gehört.
Vor 200 Jahren gab es im Derwent, der Fluss, an dessen breiter Mündung Hobart liegt, so viele Wale, dass die Leute auf deren Rücken den Fluss überqueren konnten, sagt die Legende. So ist Hobart entstanden: als Wal-Stadt. Jetzt kommt jedes Jahr ein einzelner Wal in die Stadt, hängt dort ein bisschen rum und verschwindet dann wieder.
Die Wale wandern im Winter mit ihren Babies vom Südpol hoch in den Norden, zum Mainland, wo es warm ist, weil die Mütter drei Monate lang ihre Kinder stillen müssen mit 200 Liter Milch pro Tag, wobei sie selber nichts fressen, das ist besser im Warmen. Denn ihr Futter finden sie nur in kalten Regionen. Wenn die Kinder groß und fett sind, geht es zurück.
Ich fand ein seltsames kleines Ding bei der Bank, ein Vogel hatte es wohl fallenlassen. S. sagte, es sein etwas, worin Haie ihre Eier legen. Es gibt Eierlegende Haie! Meine Güte. Es ist wie aus Plastik so hart und durchscheinend. Er hat auch mal so ein Ding gefunden und will da eine Lampe draus machen. Ich habe ihm dieses auch überlassen.
Internet (http://www.hai.ch/index.html)
Eierlegende Haie
Etwa 30% der Haie legen Eier. Diese Eier sind rund bis oval und in einer hornartigen, derben Eikapsel eingeschlossen. Die aus zwei bis drei Hüllen aufgebauten, schützenden Eikapseln haben oft interessante Formen, z.B. fädige Auswüchse, die der Verankerung der Eier an Wasserpflanzen oder anderen Objekten dienen. Ein Wegschwemmen der Eier wird so verhindert.
In der Regel sind die Eier mit 10 bis 25 cm Länge recht gross. Zudem enthalten sie viel Dotter, die Embryonen sind also reichlich mit Nährstoffen versorgt. Die Jungtiere in gut geschützten, stabilen Eihüllen mit ausreichend Nährstoffen abzulegen, verkürzt die Zeit, die sich ein Haiweibchen um den Nachwuchs kümmern muss.
Bei den anderen Haien ist es so, dass sie zwei Babys tragen, wovon – ähnlich wie bei den Adlern – das eine das andere frisst, im Mutterleib! Wenn der kleine Mörder dann geboren wird muss er augenblicklich wegschwimmen von der Mutter, um nicht selber gefressen zu werden, weil er voller Blut ist. Er ist so ausgerüstet, dass er sofort selber jagen kann. „Reine Fress-Maschinen sind das“, sagte S.
Er erzählte von alten Zeiten, wo ein Freund von ihm hier Kühe hielt. Die liefen frei rum überall: auf dem Kliff, im Tal, am Strand. Am Abend musste er dann die beiden Kühe finden, die er melken wollte, was schwierig war, weil die so weit rumstreunten. Australien – Land der Freien!







